Capitals nach Aufstieg rundum zufrieden

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Was für ein Tag für das österreichische Eishockey.

Mit den Vienna Capitals und RB Salzburg zogen zwei der drei rot-weiß-roten Vertreter als Gruppensieger in das Achtelfinale der Champions Hockey League ein.

Zwei verdiente Siege

Während die „Bullen“ in ihrem abschließenden Grundurchgangsspiel gegen die Kloten Flyers keine Mühe hatten und die Schweizer mit 7:1 vom Eis fegten, hatten die Caps deutlich mehr zu kämpfen und setzten sich nach dreimaligem Rückstand gegen die ZSC Lions Zürich schlussendlich mit 5:3 durch.

„Das war ein komplettes Spiel der Mannschaft, ich bin sehr glücklich für meine Spieler“, hatte Salzburg-Coach Dan Ratushny nach dem deutlichen Sieg logischerweise nichts an seinem Team auszusetzen, aber auch Caps-Trainer Tom Pokel war sichtlich zufrieden:

„Es war ein hervorragendes Spiel. Wir haben alle Hände voll zu tun gehabt, aber der Sieg war verdient. Wir haben hart gekämpft, trotz des Rückstandes nie aufgegeben und nie unseren Glauben verloren.“

Auch für Zürichs Sportchef Edgar Salis ging der Sieg der Capitals in Ordnung. „Die Caps haben verdient gewonnen, sie waren über 60 Minuten gesehen besser als wir. Sie haben in gewissen Situationen das bessere Eishockey gespielt.“

„Ich bin einfach nur stolz auf die Jungs, vor allem dass wir uns immer wieder zurückgekämpft haben, war beeindruckend“, zollte Jamie Fraser, der mit drei Treffern erheblichen Anteil am Sieg der Hauptstädter hatte, seinen Mitspielern Respekt.

Caps starteten verhalten

Dabei begann das Spiel alles andere als nach Wunsch für die Caps, die mit dem hohen Tempo der Schweizer vor allem in den Anfangsminuten zu kämpfen hatten. So wurde Matt Zaba gleich ordentlich warm geschossen, während sein Gegenüber Lukas Flueler zunächst wenig zu tun hatte.

Zu allem Überfluss verlor man auch noch den gerade erst ins Lineup zurückgekehrten Hugh Jessiman, der mit Leistenproblemen in der Kabine blieb. „Das zeigt, was für eine Moral in der Mannschaft steckt. Was die Spieler in den letzten zweieinhalb Monaten geleistet haben, ist unglaublich. Egal wer ausfällt, wir finden immer einen Weg“, so Pokel.

Im Mitteldrittel konnten die Gastgeber, die von 4.500 Fans frenetisch angefeuert wurden, offensiv zwar einen Zahn zulegen, durch Konzentrationsfehler in der Abwehr ging man aber mit einem 2:3-Rückstand in die letzte Pause.

In dieser fand Pokel dann anscheinend die richtigen Worte, denn sein Team kam wie ausgewechselt aus der Kabine und drehte die Partie dank eines regelrechten Energieanfalls, den der Coach auch auf das veränderte Lineup zurückführt: „Es ist völlig anders, wenn man mit vier Linien spielen kann.“

Kabinenansprache zeigte Wirkung

„Das dritte Gegentor war völlig unnötig, das galt es zu verarbeiten. Ich habe den Jungs gesagt, dass wir das nicht mehr ändern können. Wenn wir das dritte Drittel für uns entscheiden, dann gewinnen wir unsere Gruppe. Es ist jetzt ein 20-Minuten-Spiel, es steht quasi 0:0, wir müssen nur das nächste Tor schießen. Heute Abend schreiben wir Geschichte für das österreichische Eishockey“, motivierte der 47-jährige US-Amerikaner seine Mannschaft, will jedoch nicht die Ansprache alleine als Grund für den Sieg wissen.

„Wichtig war natürlich auch, dass die Jungs reagiert haben. Was ich gesagt habe, war vielleicht passend, die Partie gedreht hat aber die Mannschaft.“

Vor allem Fraser schien sich die Worte seines Coaches sehr zu Herzen zu nehmen, dem 28-jährigen Verteidiger gelang fünf Minuten nach Wiederanpfiff der Ausgleich, 180 Sekunden vor dem Ende der Partie stellte er mit seinem dritten Treffer an diesem Abend die Weichen auf Sieg.

„Es war das erste Mal, dass ich drei Tore geschossen habe, aber wenn ich ehrlich bin, hatte Kris Foucault seinen Stock beim letzten Treffer im Spiel“, gab sich der Kanadier bescheiden.

„Müssen uns vor niemandem verstecken“

Bescheidenheit wird auch bei Pokel weiter groß geschrieben, der anfängliche Respekt vor den europäischen Spitzenteams ist aber einem gesunden Selbstbewusstsein gewichen, schließlich gehört man jetzt zu den besten 16 Mannschaften Europas.

„Am Anfang haben wir gehofft, dass wir vielleicht mit ein bisschen Glück den zweiten Platz erreichen können, jetzt haben wir die Gruppenphase souverän gewonnen, haben nur drei Punkte liegen gelassen“, so der Coach, der sich auf jeden Gegner freut, egal wer kommt.

„Wir haben Färjestadt zweimal geschlagen, wir haben vier von sechs möglichen Punkten gegen Zürich geholt, wir müssen uns vor niemandem verstecken.“

Auslosung am Freitag

Auf wen die Vienna Capitals und RB Salzburg im Achtelfinale treffen, wird am Freitag in Helsinki ausgelost (LAOLA1.tv übertragt die CHL-Auslosung am Freitag ab 12 Uhr LIVE), als Gruppensieger müssen die beiden EBEL-Vertreter erst am 4. November auswärts ran und haben dann eine Woche darauf Heimrecht.

„Wir müssen jetzt vorausschauend planen, schließlich stehen uns englische Wochen ins Haus. Die Mannschaft ist ständig gefordert und meine Aufgabe wird es sein, den unbedingten Siegeswillen aufrecht zu erhalten. Das ist nicht einfach“, weiß Pokel auch um die Kehrseite der Medaille.

Am Ende des Tages überwiegt aber die Freude, schließlich war es „ein wichtiger Sieg für die Vienna Capitals und für das österreichische Eishockey.“

 

Fabian Santner

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