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Warm: "Werde Brasilienspiel nicht überbewerten"

Das Netz kann schon einmal gespannt, die Schuhe allmählich bereitgestellt und das Tape für die lädierten Finger gekauft werden.

In einem Monat, genauer gesagt am 10. September, startet das größte Ballsportevent des Jahres auf heimischen Boden – die Volleyball-EM in Österreich und Tschechien.

Wie seit der Auslosung im Oktober des Vorjahres bekannt, bekommt es das ÖVV-Team in der Vorrunde mit Slowenien, Türkei und Serbien zu tun. Zumindest ein Sieg sollte her, um das große Ziel – den Aufstieg in die Zwischenrunde – zu realisieren.

Warm-up vor der EM

Vor nicht einmal einem Jahr trauten den ÖVV-Herren das Überstehen der EM-Vorrundengruppe nur kühne Optimisten zu. Doch spätestens seit dem sensationellen 3:1-Testerfolg über Weltmeister Brasilien hat sich das Blatt gewendet, Österreich ist auch bei der EM für eine Überraschung gut.

Der jüngste Aufschwung kann wohl an vielen Faktoren fest gemacht werden, doch der Hauptgrund ist wohl Teamchef Michael Warm. Seit seiner Amtsübernahme im April 2010 geht es bei den heimischen Smash-Kanonen stetig bergauf. Die Spieler huldigen ihm, Funktionäre preisen ihn.

Der Verband erkannte die Qualität von Warms Engagement und verlängerte den Vertrag des Deutschen vorzeitig bis zu den Olympischen Spielen 2016. Im Interview mit LAOLA1 gibt sich der (womögliche) Heilsbringer aber keineswegs euphorisch. Im Gegenteil: Bodenständig mit dem Blick gerichtet auf das Wesentliche – die Heim-EM.

LAOLA1: Herr Warm, mit ein paar Tagen Abstand, was hat der Erfolg gegen Brasilien bewirkt?

Michael Warm: Selbstvertrauen entsteht dadurch, dass man merkt, was man kann. Unseren Spielern hat das 3:1 gezeigt, dass man das, was man Woche für Woche im Training leistet, dann auch im Match umsetzen kann. Das hat sehr viel Energie gegeben.

LAOLA1: Hat dieser Achtungserfolg Ihre Arbeit erleichtert?

Warm: Intern sehen die Jungs ohnehin jeden Tag, wie es voran geht. Ich glaube, dass sie sich selber gut einschätzen können. Aber es ist schon angenehm, da viele Externe das jetzt auch sehen. Alle sagen plötzlich: „Wahnsinn, super wie ihr gespielt habt.“ Das stärkt den Jungs, die sich dadurch bestätigt fühlen, den Rücken.

LAOLA1: Sie haben vor wenigen Wochen gegenüber LAOLA1 gemeint, dass sie darauf achten müssen, dass die Spieler nicht abheben. Ist diese Gefahr nach dieser Überraschung noch größer geworden?

Warm: Nein, das ist überhaupt nicht der Fall. Die Mannschaft ist so intelligent und vernünftig, dass sie genau weiß, was wir gut gemacht haben und was wir noch nicht können. Da mache ich mir überhaupt keine Sorgen. Bei den Trainings danach ist eher das Gegenteil eingetreten. Von Überheblichkeit war nichts zu spüren. Ganz im Gegenteil: Wir haben super trainiert.

LAOLA1: In einem Monat beginnt die EM. Was wird da im Trainingsalltag anders gemacht als zuvor?

Warm: Gerade in der European League haben wir versucht, uns sehr viele neue Dinge zu erarbeiten und anzutrainieren. Das dauert dann immer bis diese auch ankommen. Also man trainiert sie und die klappen aber natürlich nicht schon am nächsten Tag, sondern das dauert eine Weile. Jetzt habe ich das Gefühl, dass ganz viele Dinge durchbrechen. Abseits davon versuchen wir, neue Akzente zu setzen, auf einem neuen Niveau einen draufzusetzen. Am Ende geht es auch viel um Stabilisation. Irgendwann muss man aufhören, immer alles umzuschmeißen. Und in der Vergangenheit haben wir ja schon alles umgeschmissen (schmunzelt). Aber je näher es die EM rückt, umso ruhiger wird trainiert.

LAOLA1: Heißt das auch, dass für die restlichen Testspiele bis zur EM Ihre Erwartungshaltung gestiegen ist?

Warm: Nein, wir haben auch weiterhin bei jedem Spiel gewisse Ziele, die wir erreichen wollen. Es haben vorher die Ergebnisse für uns nicht so im Vordergrund gestanden, warum sollte sich das ändern? Auch das Ergebnis aus dem Brasilienspiel werde ich nicht überbewerten.

LAOLA1: Aufspieler Oliver Binder wird von Ihnen regelmäßig hervorgehoben. Ist er schon so weit, uns erfolgreich durch die Heim-EM zu führen?

Warm: Mit Sicherheit. Man ist zwar nie vor Überraschungen gefeit, aber was er mittlerweile spielt, ist schon sehr, sehr gut. Auch gegen Brasilien war er der bessere Zuspieler der beiden Mannschaften. Er hat sich wirklich prächtig entwickelt und kann die Mannschaft gut führen. Da habe ich viel Vertrauen.

LAOLA1: Denken Sie schon über Auftaktgegner Slowenien nach?

Warm: Nach den Tunesien-Spielen werden wir beginnen, uns gezielt auf unsere EM-Gegner vorzubereiten. Da werden wir bestimmte Dinge trainieren, die wir dann brauchen.

Das Interview führte Reinhold Pühringer

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