Miljkovic: "Wunder können geschehen"

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Sein Blick ist müde. Müde von den fünf Spielen innerhalb von neun Tagen. Müde von den vielen Fragen, welche die unzähligen Reporter, die alle ein Stück von ihm haben wollen, ihm stellen. Ihm: Ivan Miljkovic, dem Mann dieser Volleyball-Europameisterschaft.

Gold behangen steht er. Einerseits durch die EM-Medaille, die er sich soeben vor der Pokalübergabe umgehängt bekam, andererseits durch die goldenen Luftschlangen, die er sich im Freudentaumel um den Körper wickeln ließ.

"Wunder können geschehen, das habe ich hier gesehen", strahlt Miljkovic nach dem 3:1 im Finale über Italien, das den zweiten EM-Titel Serbiens bedeutet.

Der neue Leader

Wunder deshalb, weil die Form nach dem enttäuschenden Abschneiden in der World League zu schlecht gewesen sei, um mit einer guten EM zu rechnen. Zudem befand sich das Team im Umbruch.

Nikola Grbic zog sich nach der letzten Weltmeisterschaft aus der Nationalmannschaft zurück und hinterließ eine große Lücke im Teamgefüge, die es auszufüllen galt. Auszufüllen von Miljkovic.

"Uns hat ein Leader gefehlt. Ivan ist in diese Rolle geschlüpft und hat die anderen geführt", lobt Teamchef Igor Kolakovic den 31-Jährigen, der den EM-Titel deshalb von einer ganz besonderen Warte aus betrachtet.

"Ich habe schon sehr viel gewonnen, aber diese Trophäe ist meine erste als Kapitän", erklärt Miljkovic zufrieden. "Es war sehr wichtig, dass es gelungen ist, eine Gruppe zu formen. Ich hoffe, dass wir etwas geschaffen haben, das eine lange Zeit überdauert."

Erstes Gold für Kolakovic

Die mäßigen Ergebnisse vor der EM hatten die Erwartungshaltung sowie das Selbstvertrauen im serbischen Lager dramatisch gesenkt.

"Als wir hierher kamen, hat niemand an Gold geglaubt. Nicht die Presse, nicht die Spieler, nicht einmal ich", gesteht Kolakovic, der Platz sechs als Ziel ausgegeben hatte.

"Nun aber hier zu stehen, macht mich ganz besonders stolz", jubelt er über seine erste Goldene mit dem serbischen Team.

Unterschiedliche Schlüsselmomente

Miljkovic und sein Teamchef sind sich in vielen Dingen einig. Auf die Frage nach dem schwierigsten Spiel dieser EM fallen ihre Antworten aber unterschiedlich aus.

Miljkovic: "Das war unser erstes Match. Als wir das mit 3:0 gegen die Türkei gewonnen hatten, ging alles viel leichter."

Für Kolakovic sticht hingegen die Glanzleistung im Halbfinale heraus, als Favorit Russland in einem packenden Thriller mit 3:2 niedergerungen wurde. "Das war echt hart. Wir haben in der Defensive eine perfekte Leistung geboten."

Ob der serbische Sturmlauf auch in der Olympia-Quali und in weiterer Folge bei den Spielen in London anhalten würde, können und wollten die beiden Erfolgsgaranten nicht sagen.

"Das ist Zukunft. Jetzt feiern wir erst einmal unsere Goldene", grinst Kolakovic.

Reinhold Pühringer

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