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Nervenflattern: ÖVV-Team zahlt Lehrgeld

Mit voller Hose ist bekanntlich leicht stinken. Für Volleyball taugt eine volle Hose allerdings scheinbar nichts.

Zugegeben ist Österreich beim 0:3 (-20, -21, -21) zum Heim-EM-Auftakt gegen Slowenien keineswegs in Ehrfurcht erstarrt. Zudem sei zur Ehrenrettung der ÖVV-Sechs auch gesagt, das die Balkan-Truppe nicht irgendwer, sondern Dritter der abgelaufenen European League ist.

Nichtsdestotrotz flatterten bei einigen Spielern in der mit rund 6.000 Zuschauern gut gefüllten Wiener Stadthalle gehörig die Nerven.

Opfer der Nerven

Augenscheinlich wurde der überhohe Puls unter anderem bei Marcus Guttmann. Der 20-Jährige wirkte in der Annahme anfangs völlig überfordert.

"Ich muss zugeben, dass ich die Nervosität am Beginn sehr stark gespürt habe", verriet Guttmann nach dem Schlusspfiff.

Doch der 2,04-m-Mann war beleibe nicht der einzige im rot-weiß-roten Verbund, der schwächelte. "Wir können es wesentlich besser, als wir es gegen Slowenien gezeigt haben", war Guttmann bemüht zu betonen.

Erfolglos kombiniert

Teamchef Michael Warm blieb das Treiben auf dem Court nicht verborgen, er brachte anstelle Guttmanns Simon Frühbauer.

Seine Idee, Ersteren wider Erwarten in die Grund-Sechs zu beordern, verteidigte der Deutsche wie folgt:

"In den vergangenen Wochen hat sich gezeigt, dass wir mit der Kombination Guttmann/Ichovsky am gefährlichsten sind, auch wenn uns das verwundbarer macht. Da wir aber auf Sieg spielen wollten, habe ich mich letztendlich für diese Variante entschieden."

Der feine Unterschied

Im Nachhinein sah Warm freilich ein, dass seine Risiko-Aufstellung nach hinten losgegangen war.

"Wir wollten aggressiv in die Partie gehen, doch Slowenien hat uns geschockt. Wir sind ihnen ins offene Messer gelaufen, wollten zu viel", meinte der Deutsche, der sein System daraufhin umstellte.

Auch wenn die Nervosität mit Fortdauer der Partie allmählich abflaute, rissen die vielen leichten Fehler nicht ab. "Genau diese vier bis fünf Patzer pro Satz waren es, die am Ende den Unterschied ausmachten", analysierte Fred Laure zähneknirschend.

Eine Erfahrung reicher

Laures Vereinskollege bei Hypo Tirol, Daniel Gavan, ortete die Hauptursache für das 0:3 in der Jugend der ÖVV-Truppe.

"Die Erfahrung war der große Unterschied", erklärte der 34-Jährige. In seiner Funktion als Teamkapitän hatte er es während des Spiels aber unterlassen, auf seine unroutinierten Kollegen einzureden.

"Ich habe sie in Ruhe gelassen, weil ohnehin viel Druck auf ihnen lastet. Das wollte ich nicht verstärken", meinte Gavan, dessen Blick bereits auf dem Türkei-Match liegt.

"Wir haben gewusst, dass Slowenien stark ist. Nun müssen wir die Partie abhaken und gegen die Türkei (Sonntag, Anm.) Vollgas geben."

Reinhold Pühringer

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