Darum klappt das EM-Wunder

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Die Vorbereitung dauerte lange. Die Anstrengungen waren groß. Doch nun geht es endlich los.

Am Samstag (15:30 Uhr) beginnt für Österreichs Volleyballer mit dem Spiel gegen Slowenien das Abenteuer Heim-EM.

Zumindest ein Sieg muss her, um den Aufstieg aus der Gruppenphase zu schaffen. Ein schwieriges Unterfangen, denn die rot-weiß-rote Auswahl ist sowohl gegen Slowenien, als auch gegen die Türkei (Sonntag, 20:10 Uhr) und Titel-Mitfavorit Serbien (Montag, 20:10 Uhr) Außenseiter.

LAOLA1 hat sich auf die Suche gemacht und erklärt, warum das Volleyball-Wunder trotzdem klappt:

1. Achtungserfolge in der Vorbereitung

Das 3:1 über Brasilien sorgte für eine breite Brust bei Österreichs Herren

Auch wenn das Gros der Vorbereitungsmatches verloren ging (Bilanz: 5 Siege und 16 Niederlagen), konnte das ÖVV-Team mit einigen Prestige-Erfolgen aufwarten.

„Uns ging es in keinem Spiel um Ergebnisse, wir haben uns stets darauf konzentriert, uns in Teilbereichen zu verbessern“, wurde Teamchef Michael Warm nicht müde zu betonen. Enorm wichtig war in Sachen Selbstvertrauen wohl das überraschende 3:1 im August über Brasilien.

Beim Kräftemessen mit den Südamerikanern konnten die ÖVV-Herren am eigenen Leib spüren, dass sie selbst mit der nicht topbesetzten Nummer eins der Weltrangliste mithalten können.

Auch in puncto Stimmung versprühte das mit 3.000 Zuschauern besetzte Multiversum in Schwechat bereits eine Brise EuroVolley. Als Draufgabe folgte das 3:1 über Europameister Polen.

2. Aufspieler Oliver Binder

Oliver Binder ist Österreichs Aufspieler bei der Heim-Europameisterschaft

Oliver Binder ist Dreh- und Angelpunkt im österreichischen Offensivspiel. Als Aufspieler läuft praktisch jeder Angriff über den 26-Jährigen.

Es liegt auf der Hand, dass auf seinen Schultern besonderer Druck lastet. Doch der hotVolleys-Akteur hat in der Vorbereitung eindrucksvoll bewiesen, dass er den in ihn gesetzten Erwartungen gerecht werden kann.

„Ich bin davon überzeugt, dass Oliver für die EM bereit ist“, bestätigt Warm, der den eher ruhigen Blondschopf nach fast jedem Spiel lobend hervorstrich.

Das galt auch für das 3:1 gegen Brasilien. „Da war er der bessere Aufspieler auf dem Court“, so Warm. Zum Stolperstein könnte allerdings Binders geringe internationale Erfahrung werden. Halten die Nerven?

3. Der Heimvorteil

Der Verband wünscht sich eine ausverkaufte Wiener Stadthalle

Österreich hat in der Wiener Stadthalle, der Heimstätte während der Europameisterschaft, bereits einige Trainings und zwei Testspiele gegen Belgien in den Beinen. Sie deshalb als „ÖVV-Wohnzimmer“ zu titulieren, ist zwar zweifelsohne überzogen, doch der Erfahrungsvorsprung könnte ein entscheidender Vorteil werden.

Da im Volleyball das Spielgerät oft hoch in der Luft steht, müssen sich die Akteure anhand der Deckenbeschaffenheit im Raum orientieren können. „Dies kommt speziell beim Service und der Annahme von hohen Bällen zum Tragen“, bestätigt Warm.

Doch auch die anderen EM-Teams dürfen mit der Stadthalle Freundschaft schließen. „Jeder Mannschaft stehen Trainingseinheiten in der Stadthalle zu“, weiß Warm. Abgesehen vom Faktor Orientierung darf freilich der Rückhalt durch die Fans nicht außer Acht gelassen werden.

Bleibt nur zu hoffen, dass auch ausreichend rot-weiß-rote Anhänger mobilisiert werden können. Präsident Peter Kleinmann ließ bereits durchblicken, dass etliche Schulklassen die Ränge füllen werden.

4. Der Warm-Faktor

Ist Michael Warm tatsächlich der erhoffte Heilsbringer für die Heim-EM?

Sein Erfolgsrezept heißt System, sein Arbeitsweise ist Fleiß und sein Schmäh bayrisch. Als der ÖVV im April vergangenen Jahres Michael Warm zum neuen Teamchef bestellte, glückte ein Goldgriff.

Davor schien das Augenmerk bei der Trainerwahl stets auf taktischer Raffinesse und internationalem Renommee zu liegen. Die ohne Zweifel qualifizierten taktischen Forderungen der Teamchefs gingen dann zumeist in der Umsetzung verloren. Denn das eigentliche Problem lag woanders – und zwar beim Spielermaterial.

Warm hingegen eilte nicht der Ruf eines großen Strategen voraus, sondern vielmehr jener eines Entwicklers. Bereits im deutschen Verband half der 43-Jährige mit, Strukturen aufzubauen. Das Know-how nahm er mit nach Österreich und verbessert nun schrittweise den ÖVV-Kader sowohl in Breite, als auch Leistungsfähigkeit.

Fraglich bleibt nur, ob knapp eineinhalb Jahre Amtszeit ausreichen, um den gewünschten Erfolg herbeizuführen. EM-Wunder hin oder her – der ÖVV hat Warms Wert erkannt und seinen Vertrag vorzeitig bis zu den Olympischen Spielen 2016 verlängert.

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