"Micheu ist verhaltensoriginell"

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Boykott-Drohung ist "verhaltensoriginell"

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Die Vergangenheit lehrte uns, dass sich wortgewaltige Auseinandersetzungen im heimischen Volleyball-Lager meist um Peter Kleinmann drehten.

Seit Samstag steht jedoch fest, für Verbal-Smashes braucht es ihn gar nicht.

Denn nach dem zweiten Spiel der Finalserie um den heimischen Volleyball-Titel, in welchem Hypo Tirol durch einen 3:0-Sieg bei Aich/Dob im „Best of seven“ auf 2:0 stellte, lieferten sich die Manager der beiden Klubs, Hannes Kronthaler und Martin Micheu, einen Schlagabtausch erster Güte.

Stein des Anstoßes war eine Schiedsrichter-Entscheidung, die den vorentscheidenden zweiten Satz mit 27:25 an die Innsbrucker gingen ließ. Aus der Sicht von Micheu eine klare Fehlentscheidung.

Angeheizt durch den Aicher Hallensprecher, der wie Kronthaler aufzeigt, als Offizieller neutral sein muss, kippte die Stimmung in der Bleiburger Arena, sodass die Schiedsrichter am Ende sogar Polizei-Schutz benötigten.

Micheu legte nach Schlusspfiff nach und drohte, im dritten Spiel am Mittwoch (20:20 Uhr) in Innsbruck gar nicht erst anzutreten, da als zweite Schiedsrichterin mit Elisabeth Erlacher eine Tirolerin eingeteilt ist. „Stell dir vor, so etwas passiert im Fußball, es gäbe noch vor dem Anpfiff einen Platzsturm“, beteuert Micheu gegenüber LAOLA1, dass er „bloß faire Rahmenbedingungen“ verlangt. Am Dienstag-Nachmittag ließ er weiterhin offen, ob sein Team am Mittwoch antritt.

Vonseiten des Volleyball-Verbandes sieht man die Sache anders. „Micheu ist lächerlich. Er hat schon so oft gedroht, nicht anzutreten“, darf eingangs erwähnter Kleinmann dann doch nicht fehlen. In seiner Funktion als ÖVV-Präsident ist er sich sicher, dass Aich/Dob am Netz der Innsbrucker USI-Halle stehen wird.

Muppets mit dickem Fell

Micheus Forderung ist einfach: Ein Nicht-Tiroler Referee muss Spiel drei pfeifen. „In beiden Spielen waren die Entscheidungen ein Wahnsinn! Das Finale verkommt zu einer Muppetshow“, wettert der Volleyball-Fanatiker.

Um Kontakt mit dem verantwortlichen Schiedsrichter-Referenten Eugen Kulhanek habe er sich bemüht. Ohne Erfolg. „Er verweigert jedes Gespräch. Dabei habe ich den Verband schon vor dem Start der Finalserie gewarnt.“

Zudem hält Micheu Erlacher vor, dass diese noch nie zuvor ein Erstliga-Spiel geleitet hat. „Das ist falsch“, kontert Kleinmann. Die Tirolerin leitete erst am vergangenen Samstag das erste Finalspiel der Damen-AVL zwischen den Wildcats Klagenfurt und SVS Post (0:3).

Die Schiedsrichterin selbst zeigt sich gelassen. „Ich stehe da drüber und muss es auch. In der ersten Emotion sagen die Leute oft Unbedachtes, das kenne ich auch vom Spielfeldrand. Es ist in der Bundesliga durchaus üblich, dass dem Bundesland Zugehörige als zweite Schiedsrichter am Feld agieren“, relativiert Erlacher gegenüber der „Tiroler Tageszeitung“. Ein dickes Fell, dass man oder respektive frau im Volleyball braucht.

Dass für das vierte Finalspiel in Bleiburg ein Kärntner als zweiter Schiedsrichter vorgesehen ist, stimmt Micheu nicht milde, schließlich gehe es ihm um Fairness.

Originelles und Unüberlegtes

Für Kleinmann kommt Micheus Reaktion keineswegs überraschend. „Das ist doch jedes Mal das Gleiche, wenn er verliert. Er ist echt verhaltensoriginell.“

Das Vorgehen, über die Medien eine Umbesetzung zu erzwingen, hält der langjährige hotVolleys-Macher für alles andere als klug. „Das ist das Schlechteste, was er machen kann.“ Kleinmann stuft die fragliche Referee-Entscheidung zudem als „vollkommen regelkonform“ ein. „Ich rate Micheu, lieber einen Regelkurs zu belegen.“

Nichtsdestoweniger wolle der ÖVV mit dem fraglichen Referenten besprechen, ob es notwendig gewesen sei, eine derartige Schiri-Konstellation aufzubieten.

Angespuckt, geschlagen und getreten

Für Micheu könnte der Schuss indes nach hinten losgehen. Die Schiedsrichter zeigten die Vorfälle rund um die zweite Finalpartie nämlich beim Rechtsreferat des ÖVV an.

Kleinmann kennt die Verhältnisse bei Auswärtsspielen gegen Aich/Dob aus eigener Erfahrung. „Ich bin dort schon beschimpft, bespuckt, getreten und mit Bier übergossen worden. Und wenn man dann Micheu auffordert, etwas dagegen zu unternehmen, sitzt er nur da und meint, dagegen könne er nichts machen.“ Daran habe sich bis heute nichts geändert.

Gemäß Kleinmann hätte der Referee beim ersten Auftauchen von Sicherheitsrisiken das Spiel unterbrechen und mit einem Abbruch drohen sollen. Micheu weist jede Schuld von sich: „Zu diesen Emotionen wäre es gar nicht gekommen, wenn die Partie fair abgelaufen wäre.“

Alles einsteigen!

Ob sich Aich/Dob überhaupt in den Bus nach Innsbruck setzen wird, war Micheu nicht zu entlocken, der gebetsmühlenartig entgegnete, dass er und sein Team „ja eh“ spielen wollen.

Sollten sie tatsächlich verweigern, kann das möglicherweise teuer werden. Die Tiroler könnten für den Entfall von Ticket-Einnahmen sowie von TV-Zeit Schadenersatzforderungen geltend machen.

 

Reinhold Pühringer

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