Sharapovas Aufstieg zur besten Sandplatz-Spielerin

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“Wie eine Kuh auf Eis!”

So lautete noch vor wenigen Jahren Maria Sharapovas Selbstbeschreibung, wenn es darum ging, ihre Performance auf Sandplätzen zu beschreiben.

Spätestens seit ihrem French-Open-Triumph 2012 kann von einer Schwäche keine Rede sein.

Sechs der letzten acht Titel auf Sand

Ganz im Gegenteil: So wie im Märchen der Frosch zum König wurde, verwandelte sich die "Kuh" zur "Sand-Queen".

Mittlerweile ist die rote Asche nämich der stärkste Belag der ehemaligen Weltranglisten-Ersten, die ihren ersten von mittlerweile vier Grand-Slam-Titel als 17-Jährige im All England Club von Wimbledon einfahren konnte.

Sechs ihrer letzten acht Turniersiege fuhr Sharapova auf Sand ein. Zuletzt triumphierte sie am vergangenen Sonntag beim WTA-Premier-Turnier in Stuttgart zum dritten Mal in Folge.

Nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass Sharapova erst im Jahr 2008, als sie schon drei Grand-Slam-Titel auf dem Konto hatte, ihren ersten Titel auf diesem Belag einfahren konnte. In Amelia Island triumphierte sie auf dem etwas schnelleren grünen Sand.

Sand-Liebe nach Schulter-Verletzung entdeckt

Danach warf sie eine schwere Schulter-Verletzung aus der Bahn. Erst nach zwei Jahren fand Sharapova wieder in die Weltklasse zurück. Und plötzlich gehörte sie auch auf Sand zur Elite.


Bei den French Open 2011 schaffte sie es erstmals bis ins Halbfinale, wo sie der späteren Siegerin Li Na unterlag. Im folgenden Jahr komplettierte Sharapova dann ihren Karriere-Grand-Slam und etablierte sich endgültig als echte Macht auf Sand.

Beste Sand-Bilanz aller aktiven Spielerinnen

Da sie diesen Belag in ihren Anfangsjahren eher mied, ist die Russin auf dem Papier nun sogar die erfolgreichste Sandplatz-Spielerin der aktuellen Damen-Riege.

Laut WTA-Statistik gewann sie 81,8 Prozent ihrer Matches auf diesem Untergrund.

Die zweitplatzierte Serena Williams liegt mit 80,9 Prozent knapp, aber doch dahinter. Deren Schwester Venus hat als Dritte bereits nur mehr ein Percentage von 76,3. Ansonsten kommen nur mehr Jelena Jankovic (70,4), Svetlana Kuznetsova und Li Na (jeweils 70,3) über 70 Prozent.

Platz
Spielerin Land Titel
1. Anabel Medina Garrigues ESP 10
1.
Serena Williams USA 10
3.
Venus Williams USA 9
4.
Flavia Pennetta ITA 7
4.
Maria Sharapova RUS 7

Größere Erfahrung

Doch wie ist die Steigerung Sharapovas auf Sand zu erklären? Wer hat die Kuh zur Königin geküsst? Im Gegensatz zum Froschkönig ist die Erklärung simpler.

In erster Linie kommt ihr schlichtweg ihre größere Erfahrung zu Gute. Trotz ihrer erst 27 Jahre ist sie schließlich bereits seit über zehn Jahren im Tennis-Zirkus mit dabei.

Zudem ist Sharapova auf den Hartplätzen in Florida groß geworden. Obwohl sie Russin ist, kam sie mit den europäischen Sandplätzen gerade in ihrer Ausbildung nur selten in Kontakt.

Diese unersetzlichen Erfahrungswerte konnte sie erst auf die harte bzw. eben auf der WTA-Tour sammeln.

Taktisches Rüstzeug

Mittlerweile weiß die 30-fache Titelträgerin, wie sie sich auf Sand bewegen und vor allem auch, wie sie sich taktisch verhalten muss.

Platz Spielerin Land Percentage
1.
Maria Sharapova RUS 81,8%
2.
Serena Williams USA 80,9%
3.
Venus Williams USA 76,3%
4.
Jelena Jankovic SRB 70,4%
5.
Li Na CHN 70,3%
5.
Svetlana Kuznetsova RUS 70,4%
7.
Andrea Petkovic GER 69,8%
8.
Vera Zvonareva RUS 69,7%
9.
Eugenie Bouchard CAN 68,8%
10.
Victoria Azarenka BLR 68,5%

Während man auf Hartplätzen und Rasen meist mit Power-Tennis gut zurechtkommt, ist es auf dem etwas langsameren Sand wichtig, dass man seine Punkte von der Grundlinie aus langsam aufbauen kann.

Eine Martina Hingis oder Agnieszka Radwanska wird Sharapova in dieser Hinsicht zwar keine mehr, eine in der Vergangenheit ausnutzbare Schwäche ist ihr taktisches Spiel allerdings auch keine mehr.

Kampfgeist als zusätzlicher Pluspunkt

In dieser Hinsicht kommt Sharapova auch ihr großer Kampfgeist zugute. Zu keinem Zeitpunkt einer Partie lässt sie einmal den Schläger hängen.

Um jeden Punkt kämpft die nahe Tschernobyl geborene und in Sotschi aufgewachsene Russin erbittert. So hätte sie erst am vergangenen Sonntag im Finale von Stuttgart gegen Ana Ivanovic beinahe noch einen 0:5-Rückstand im ersten Satz wettgemacht. Beispiele derartiger Aufholjagden gibt es in Sharapovas Vita zur Genüge.

Sharapova peilt in Madrid den Titel an

Nächste Woche versucht Sharapova beim WTA-Premier-Turnier in Madrid (täglich live im Video-Stream auf LAOLA1.tv) ihr Glück. Im Vorjahr verlor sie in der spanischen Hauptstadt im Endspiel gegen Serena Williams.

"Ich habe hier schon in der Vergangenheit gut gespielt, aber leider nie den Titel gewonnen. Heuer will ich das Turnier gewinnen", gibt sich die Russin nach den ersten Trainingseinheiten selbstbewusst.

So wie es sich eben für eine Sandplatz-Queen gehört.

Christian Frühwald

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