"Für die Stars geht es nur mehr um Titel"

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Die Wimbledon-Veranstalter verteidigen die am Dienstag verkündete 40-prozentige Preisgelderhöhung. 

"Das ist eine ordentliche Steigerung. Wir haben sie aber nicht gemacht, weil wir es mussten, wir wollen das einfach machen", erklärt Philip Brook, der Vorsitzende des All England Club. Die Erhöhung erfolgte laut Brook nicht auf Druck der Spieler.

"Ich weiß, dass wir in einer wirtschaftlich schwierigen Zeit leben. Ich akzeptiere das auch. Wir müssen aber auch auf die Konkurrenz schauen. Wir stehen mit anderen internationalen Tennis-Events im Wettbewerb und wir müssen auch ein Auge auf die Geschehnisse in anderen Sportarten werfen."

Zweite Reihe darf sich freuen

Über die Erhöhung des Preisgelds darf sich in Wimbledon vor allem die zweite Reihe der Tennis-Asse freuen. Erstrunden-Verlierer bekommen heuer satte 23.500 Pfund (27.582 Euro) ausbezahlt. Im Vergleich zum Vorjahr, wo nur 14.500 Pfund (17.018 Euro) ausgeschüttet worden sind, ist das eine Erhöhung um 62 Prozent.

Noch zwei Prozent mehr bekommen jene Spieler, die in Runde zwei die Segel streichen. Statt 23.125 Pfund (27.142 Euro) gibt es heuer für diese 32 Akteure 38.000 Pfund (44.600 Euro). Dagegen fällt die Erhöhung für Halbfinalisten, Finalist und Sieger mit je 39 Prozent beinahe spärlich aus.

Für den Turniersieger wird  aber – sowohl bei den Herren als auch bei den Damen – trotzdem die stattliche Summe von je 1,6 Millionen Pfund (1,877 Millionen Pfund) ausbezahlt.

Spieler, die in der letzten von drei Qualifikationsrunde verlieren, dürfen sich über immer noch ordentliche 12.000 Pfund (14.084 Euro) freuen.

32.250 Pfund für drei Niederlagen

Sollte ein Athlet in allen Bewerben antreten (Einzel, Doppel, Mixed) und dort jeweils sein Auftaktmatch verlieren, darf er oder sie sich mit 32.250 Pfund (37.852 Euro) trösten. Dabei geht der Mixed-Bewerb bei den Preisgeld-Erhöhungen leer aus.

„Wir haben schon im letzten Jahr damit begonnen, die ersten Runden und den Qualifikationsbewerb finanziell zu verbessern“, erklärt Brook bei Reuters.

90 Prozent Steigerung in zwei Jahren

„Das sind keine Superstars, sondern Spieler, die erst ihren Weg machen müssen und normalerweise nicht viel Geld verdienen. Diesen Weg wollen wir weiter verfolgen und dementsprechend reflektieren unsere Erhöhungen dies auch.“

Im Vergleich zu 2011 dürfen sich Erst- bis Drittrunden-Verlierer damit sogar über eine 90-prozentige Steigerung ihrer Einkünfte freuen. Auch die Qualifikationsbewerbe wurden  in diesem Zeitraum um 71 Prozent erhöt.“

Rusedski verteidigt Erhöhungen

Für den ehemaligen Spitzenspieler Greg Rusedski ist dies die richtige Entscheidung. „Normalerweise gewinnen nur Novak Djokovic, Rafael Nadal, Andy Murray oder Roger Federer die großen Summen“, sagt der Brite im Gespräch mit BBC Sport.

„Für diese Leute ist Geld nicht wichtig. Für die geht es nur mehr um die Titel. Für die Spieler, die in der Weltrangliste zwischen 50 und 200 stehen, ist diese Erhöhung aber sehr wichtig. Dadurch können sie ihre Trainer, ihre Reisen und ihre Physiotherapeuten bezahlen.“

Wimbledon kann sich die erhöhten Ausgaben auf jeden Fall leisten. Schließlich scheffeln die vier Grand-Slam-Turniere in Melbourne, Roland Garros, Flushing Meadows und eben in Wimbledon seit Jahren Millionen-Gewinne.

Court 1 wird überdacht

Da bleibt dann auch noch Geld übrig, um auch den 11.500 Zuschauer fassenden Court 1 mit einem mobilen Dach zu versehen. Über das Design soll in den nächsten beiden Jahren entschieden werden, bis 2019 soll der vor kurzem beschlossene Ausbau fertiggestellt sein.

„Wir brauchen das, um wettbewerbsfähig zu bleiben“, so Brook, der damit vor allem den TV-Stationen entgegen kommen will. Schließlich waren die Live-Übertragungen immer wieder von den in London gewohnten Regen-Unterbrechungen betroffen.

Für Rusedski ist dies eine absolute Notwendigkeit: „In der heutigen Zeit ist das für den Live-Sport unabdingbar. Sonst sehen die TV-Zuschauer die Wiederholungen von John McEnroe gegen Björn Borg aus den 80er Jahren.“

Christian Frühwald

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