Tamiras Olympia-Drama

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Aktuelles Reglement ist "wettbewerbsverzerrend"

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Am Dienstagabend ging der Erfolgslauf von Tamira Paszek in Wimbledon im Viertelfinale zu Ende.

Die 21-jährige Vorarlbergerin zog sich gegen eine überragende Victoria Azarenka achtbar aus der Affäre und brachte sogar die Weltranglisten-Zweite einige Male in Bedrängnis.

Soviel Freude uns Paszek in Wimbledon in den letzten beiden Wochen machte, so muss man ihre Leistungen beinahe schon mit einem weinenden Auge betrachten.

Schließlich unterstrich jeder Sieg der Dornbirnerin, wie groß eigentlich ihre Medaillen-Chance bei den Olympischen Spielen in London gewesen wäre.

Der möglichen Jagd auf Edelmetall setzte allerdings der Internationale Tennis-Verband (ITF) ein jähes Ende.

Aufgrund fehlender Fed-Cup-Teilnahmen verweigerte ihr dieser in der vergangenen Woche die Start-Erlaubnis für Olympia.

Tränen bei Paszek

Ein herber Schlag für Paszek, die nach nach dem ITF-Beschluss in Tränen ausbrach.

"Es war mein absoluter Traum, dieses Jahr bei Olympia daibe zu sein und für mein Land zu spielen", so Paszek.

Auch die österreichischen Tennis-Fans konnten und können es bis jetzt nicht fassen, dass eine der besten Rasen-Spielerinnen der Welt nicht bei den Olympischen Spielen in Wimbledon antreten darf.

"Wir waren sehr verwundert, dass Tamira nicht die Starterlaubnis erteilt wurde", gesteht ÖTV-Präsident und Manager Ronnie Leitgeb auf tennisnet.com.

Unverständnis für die Entscheidung zeigt auch jener Mann, den Paszeks Fed-Cup-Absenz eigentlich am meisten ärgern müsste.

"Habe nicht damit gerechnet"

„Ich habe nicht damit gerechnet“, wundert sich Jürgen Waber, der seit 2009 das Amt des österreichischen Fed-Cup-Kapitäns bekleidet und dessen Vertrag heuer ausläuft, im Gespräch mit LAOLA1

Für den Oberösterreicher ist das aktuelle Reglement „wettbewerbsverzerrend, da Tamira einfach nicht die Gelegenheit hatte, öfter zu spielen.“

Serena Williams spielt auch nur 2012

So trat zum Beispiel auch eine Serena Williams bis 2012 kein einziges Mal für die USA an.

Die Amerikaner hatten allerdings durch ihre Zugehörigkeit in der Weltgruppe II im Februar und April zwei Spieltermine, bei denen Williams mit ihren Teilnahmen in letzter Minute die Anforderungen erfüllte.

Schüttler erkämpfte sich die Starterlaubnis

Waber erinnert sich: „Schüttler hat einen Einspruch vor dem CAS (Internationaler Sportgerichtshof) erhoben. Damals wurde die Entscheidung revidiert und er durfte starten.“

Waber appelliert an die Fairness

Auch Paszek könnte diesen Weg nun einschlagen. Vorerst begnügte sich Leitgeb aber mit einem offiziellen Protestschreiben an den ITF.

"ITF-Präsident Francesco Ricci Bitti hat am Montag mein Schreiben erreicht. Er hat mir bestätigt, dass der Fall Paszek noch einmal untersucht wird", so Leitgeb. "Ich hoffe, dass wir da einiges aufklären können."

Waber appelliert an die Fairness der Verantwortlichen. „Man muss das Reglement überdenken und einzelne Situationen vergleichen. Man darf nicht alle Spielerinnen über einen Kamm scheren.“

"Chance liegt bei einem Prozent"

Recht ist allerdings wie so oft nicht gleich Gerechtigkeit. Dementsprechend sieht Leitgeb die Erfolgs-Aussichten nicht unbedingt rosig.

"Die Chance liegt vielleicht bei einem Prozent. Wir müssen uns jetzt aber an jeden Strohhalm klammern."

Paszek: "Ich hoffe wirklich, dass die ITF mich spielen lässt. Es wäre sehr schade, wenn es nicht so ist. Ich habe super Tennis gezeigt in den letzten Wochen, habe alles gegeben, und mit viel Herz und Kampfgeist gespielt."

Fans auf Paszeks Seite

Durch Paszeks aktuellen Erfolgslauf in Wimbledon hat die Dornbirnerin in der Olympia-Frage auf jeden Fall die Tennis-Fans auf ihrer Seite.

Die meisten reagieren auf die ITF-Entscheidung mit Unverständnis. Schließlich sollten ja die besten Spielerinnen der Welt um olympisches Edelmetall kämpfen dürfen.

"Tamira ist eine der wenigen Damen, die in London echte Medaillen-Chancen haben", meint auch Leitgeb.

In der Entscheidungsfindung dürfe dies laut Waber aber keine Rolle spielen.

„Darauf dürfen sie keine Rücksicht nehmen. Das wäre gegenüber den anderen Spielerinnen unfair. Den Cut über die sportliche Leistung hat sie ja sowieso erbracht.“

Schwieriges Verhältnis zu Olympia

Gerade deshalb muss sich allerdings auch Paszek einen kleinen Vorwurf machen lassen. Schließlich ist die Vorarlbergerin ein gebranntes Kind, was die Qualifikation für die Olympischen Spiele betrifft.

2008 schaffte sie zwar die internationale Qualifikation für Peking 2008, der ÖOC verweigerte ihr aber die Teilnahme, weil laut der Funktionärenkeine realistische Medaillen-Chance bestand.

Fehler von Paszek?

Hätte Paszek also nicht darauf achten müssen, diesmal ja keine Diskussionen aufkommen zu lassen?

„Wenn man so im Tennis-Zirkus drinnen ist, denkt man nicht schon drei, vier Jahre vor den Olympischen Spielen an eine Teilnahme“, weiß Waber aus eigener Erfahrung.

Allerdings gibt er doch zu, dass man sich zwei Jahre vorher „schon Gedanken machen sollte, wenn man eine realistische Chance auf eine Teilnahme hat.“

„Und wenn ich dorthin möchte, muss ich eben versuchen, dieses Reglement zu erfüllen.“

Christian Frühwald

Da Österreich in der Euro-Afrika-Zone I in den letzten Jahren immer nur eine Fed-Cup-Woche im Jahr auf dem Programm stand, gab es für die Spielerinnen natürlich auch nur einmal pro Saison die Chance, einen der zwei nötigen Starts zu absolvieren.

„Wenn ich nur einmal im Jahr Fed Cup spiele, dann kann es halt leicht passieren, dass ich einmal einfach nicht kann. Da wird es dann schwierig. Vor drei Jahren war Tamira lange verletzt und hat deshalb nicht gespielt. Dann hat sie einmal nicht gespielt und heuer schon“, lässt Waber seine Jahre als ÖTV-Kapitän Revue passieren.

Parallelen zum Fall Schüttler

Der ehemalige Coach von Sybille Bammer sieht Parallelen zum Fall von Rainer Schüttler vor vier Jahren. „Da hat es auch eine große Diskussion gegeben.“

Der Deutsche stand damals am Stichtag nicht unter den besten 56 der bereinigten Weltrangliste, sorgte kurz danach aber mit seinem Halbfinal-Einzug in Wimbledon für Furore.

Der Deutsche Olympische Sportbund nominierte Schüttler daraufhin in letzter Sekunde nach. Die ITF verweigerte dies zwar, musste dann aber doch klein beigeben.

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