Becker: "Wir lagen uns lange in den Armen"

Aufmacherbild
 

35 Mal trafen Boris Becker und Stefan Edberg auf der ATP-Tour aufeinander. 20 Mal hatte der Deutsche das bessere Ende für sich.

Zwei seiner Siege fuhr der Schwede allerdings jeweils im Endspiel von Wimbledon ein (1988 und 1990).  Nur 1989 hatte Becker in seinem Wohnzimmer das bessere Ende für sich.

24 Jahre nach dem letzten Wimbledon-Finale der beiden Tennis-Legenden gelang dem 46-jährigen Leimener nun quasi der 2:2-Ausgleich.

Djokovic überholte Becker

Becker-Schützling Novak Djokovic zwang am Sonntag in einem packenden Fünf-Satz-Match nach knapp vier Stunden den von Stefan Edberg betreuten Roger Federer in die Knie (Spielbericht).

Für den 27-jährigen Serben war es der bereits siebente Grand-Slam-Titel, womit er nun einen mehr als sein Trainer vorweisen kann (Grand-Slam-Sieger-Statistik).  

Allerdings war es auch sein erster Major-Triumph an der Seite von Becker, der Ende des vergangenen Jahres überraschend seine Zusammenarbeit mit dem „Djoker“ verkündete.

Becker: „Lagen uns lange in den Armen“

Nachdem es zu Saisonbeginn nicht sonderlich vielversprechend lief und Djokovic in Indian Wells und Miami ausgerechnet ohne seinem Neo-Betreuer seine ersten Saison-Titel holte, ertönten schnell einige Unkenrufe.

Schließlich machte Becker in den vergangenen Jahren weniger sportliche, als vielmehr private Schlagzeilen.

Dementsprechend emotional fiel nach dem verwandelten Matchball der gemeinsame Jubel mit Djokovic aus: „Groß etwas gesagt, haben Novak und ich uns nach dem Sieg nichts“, meinte Becker später im Sky-Interview. „Wir haben uns nur lange in den Armen gelegen.“

Djokovic widmet Sieg verstorbener Trainerin

Den Sieg widmete der Serbe allerdings nicht seinem neusten, sondern seiner ersten Trainerin überhaupt, Jelena Gencic, die im vergangenen Jahr verstarb.

Außerdem bedankte er sich bei der Siegerehrung mit Tränen in den Augen „bei meiner zukünftigen Frau und unserem zukünftigen Baby“.

Federer gratulierte fair zum Sieg

Federers verpasste Rekorde

Dabei hätte der Eidgenosse allen Grund dazu gehabt, zumindest etwas verärgert zu sein. Federer wäre der erste Spieler der Geschichte gewesen, der acht Mal in Wimbledon triumphiert hätte.

Außerdem wäre er der älteste Wimbledon-Sieger der Offenen Ära geworden. Dieser Titel bleibt weiterhin dem leider schon verstorbenen Arthur Ashe vorbehalten, der 1975 als 31-Jähriger siegte. Federer feiert in einem Monat seinen 33. Geburtstag.

Neues Jahr, neues Glück?

Aufgeschoben ist allerdings nicht aufgehoben. Schließlich verabschiedete sich Federer mit einem "Wir sehen uns im nächsten Jahr!" von den englischen Fans.

"Ich bin sehr glücklich, dass ich immer noch solche Vorstellungen abliefern kann. Die vergangenen zwei Wochen geben mir den Glauben, dass ich in der Zukunft noch einige tolle Erfolge feiern kann", meinte der 17-fache Grand-Slam-Gewinner, der bis zum Finale nur einen einzigen Satz und nur ein einziges Mal seinen Aufschlag abgeben musste.

Folgt 2015 also wieder der ganz große Wurf? Garantieren könne Federer für nichts, wie er später meinte. "Manche Dinge kann man nicht wissen. Wir werden sehen, was die Zukunft bringt."

Christian Frühwald

Djokovic wird am Mittwoch in Montenegro seine langjährige Lebensgefährtin Jelena Ristic, die ihn hochschwanger auf der Tribüne anfeuerte, vor den Traualtar führen.

Dies wird er nicht nur als amtierender Wimbledon-Sieger, sondern auch als neue Nummer eins tun. Dank seinem Triumph am Sonntag wird Djokovic am Montag im ATP-Ranking Rafael Nadal als Weltranglisten-Führenden ablösen.

"Roger ist ein unglaublicher Champion"

Bei aller Freude vergaß der Serbe aber auch in der Stunde des Triumphs nicht auf den unterlegenen Finalisten.

"Roger ist ein unglaublicher Champion. Ich habe großen Respekt vor ihn, seiner Karriere und alles was er erreicht hat", meinte Djokovic. "Danke, dass du mich heute gewinnen hast lassen."

Schließlich sah es eine zeitlang nicht gut für Djokovic aus, als dieser es im vierten Satz verabsäumte, bei 5:3 auszuservieren.

Federer machte unter dem Jubel des Publikums, das mehrheitlich eindeutig dem Lager des Schweizers angehörte, vier Games in Folge und erzwang einen entscheidenden fünften Satz.

"Ich habe einfach weitergespielt"

"Ich habe einfach weitergespielt", erklärte Federer seinen Siegeswillen. "Ich wusste nicht, warum ich einmal Chancen hatte und dann wiederum Novaks Service nicht brechen konnte. Ich habe einfach an mich geglaubt und weiter offensives Tennis gespielt."

"Ich bin froh, dass es sich zumindest in manchen Szenen ausgezahlt hat. Am Ende hat Novak verdient gewonnen - auch wenn es verdammt knapp war!" erwies sich Federer wieder einmal als großer Sportsmann.

Zum Seitenanfang»
Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen