"Der verrückteste Tag im Tennis"

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Federer. "Es ist noch nicht das Ende einer Ära"

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Der 26. Juni 2013 wird in die Geschichtsbücher des Tennis-Sports eingehen. Insgesamt zwölf gesetzte Spieler strichen in der zweiten Runde von Wimbledon vorzeitig die Segel.

„Das ist einer der verrücktesten Tage der Wimbledon-Geschichte“, staunte ein verblüffter John McEnroe.

Für Trainer-Legende Nick Bollettieri war es gar der verrückteste Tag im Tennis, „den ich je erlebt habe. Und ich mache das hier schon seit 60 Jahren.“

Stakhovsky machte sich unsterblich

Für den historischen Eintrag in die Annalen des weißen Sports sorgte aber trotz der zahlreichen Überraschungen und Verletzungen nur ein einziger Spieler.

Sensations-Mann Sergiy Stakhovksy machte sich mit dem Zweitrunden-Sieg über Roger Federer unsterblich.

Nach 36 Grand-Slam-Turnieren in Folge war für den Schweizer Großmeister erstmals vor dem Viertelfinale Endstation.

„Das war pure Magie“

„Das war pure Magie“, konnte der 27-jährige Ukrainer seinen hauchdünnen 6:7 (5), 7:6 (5), 7:5, 7:6 (5)-Erfolg selbst kaum fassen. „Ich hätte heute nicht besser spielen können und trotzdem war es beinahe nicht genug.“

Stakhovsky schlug Rasenkönig Federer mit den Waffen eines klassischen Rasen-Spezialisten. Nämlich mit bedingungslosem Offensiv-Tennis.

Als Weltranglisten-116. ist Stakhovsky der schlechtestplatzierte Spieler seit Mario Ancic im Jahr 2002, der einen Sieg über Federer einfahren konnte. Der Kroate siegte damals als Nummer 154 der Welt in der ersten Runde von Wimbledon.

Absturz aus den Top 4 fix

Gegen einen Spieler außerhalb der Top 100 verlor der Schweizer zuletzt im Jahr 2005.

Damals musste sich Federer in Monte Carlo dem damals erst 18-jährigen und auf dem 101. Rang klassierten Richard Gasquet geschlagen geben.

Der 17-fache Grand-Slam-Gewinner wird durch das frühe Wimbledon-Aus erstmals seit zehn Jahren aus den Top 4 der Welt rutschen. Je nach Turnierverlauf könnte Federer sogar auf Rang sechs „abstürzen“.

Federer will kühlen Kopf bewahren

Trotz dieser historischen Negativ-Werte versuchte Federer nach der bitteren Niederlage einen kühlen Kopf zu bewahren.

Mit harten Aufschlägen (17:16 Asse) und schnellen Netzangriffen (insgesamt 96, davon 61 erfolgreich) brachte der 1,93 Meter große Rechtshänder aus Kiev den siebenfachen Wimbledon-Sieger zur Verzweiflung.

„Ich kann es kaum glauben“, stammelte Stakhovsky, der sich nach seinem Meisterstück von Model-Ehefrau Anfissa Bulgakova abbusseln ließ. Für den seit 2003 auf der ATP-Tour spielenden Ukrainer war es überhaupt erst der erste Sieg über einen Top-10-Spieler.

„Du spielst gegen zwei Personen“

„Wenn du gegen einen Roger Federer in Wimbledon spielst, spielst du gegen zwei Personen. Zuerst spielst du gegen Roger Federer, dann spielst du gegen sein Ego, weil er am Centre Court in Wimbledon einfach eine historische Größe ist“, versuchte er Federers Status im All England Club in Worte zu fassen.

„Roger auf diesem Court zu schlagen, ist etwas ganz Besonderes. Er ist eine Legende. Er ist der größte Spieler aller Zeiten, der größte Name im Tennis-Sport und ein anständiger Kerl, den jeder bewundert.“

„In solchen Momenten darfst du nicht in Panik verfallen. Geh zurück an die Arbeit und komme stärker zurück als zuvor. Normalerweise kann ich Rückschläge gut verkraften.“

Wie es sich für Gentleman Roger gehört, versuchte er die Leistung seines Bezwingers herauszustreichen. „Er war sehr unangenehm zu spielen. Ich habe von ihm Serve-and-Volley erwartet, das macht er oft. Es gebührt ihm alle Hochachtung, wie er unter diesem enormen Druck den Sack zugemacht hat.“

„Manche Final-Niederlagen haben nicht so wehgetan“

Statistik-Freak Federer gab allerdings auch zu, dass die Niederlage auch sehr schmerzt. „Manche Final-Niederlagen haben nicht so wehgetan – obwohl ich mir heute wenigstens die Sieger-Zeremonie ersparen konnte.“

„Ich bin sehr enttäuscht, dass ich keinen Weg gefunden habe, diese Partie zu gewinnen. Ich hatte meine Möglichkeiten, aber ich konnte sie nicht nützen. Ich wünschte, die Viertelfinal-Serie (36 in Folge) wäre nicht ausgerechnet hier in Wimbledon zu Ende gegangen. Aber das ist nun mal so und ich muss es akzeptieren und nach vorne schauen.“

Abschreiben lassen wolle sich der 77-fache Turniersieger noch nicht. „Für mich ist es nicht das Ende einer Ära, denn ich habe noch Pläne und noch einige gute Jahre vor mir“, blickt Federer in die Zukunft.

Christian Frühwald

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