Anders zu sein machte Bartoli stark für Wimbledonsieg

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"Ich fühle mich, als würde ich fliegen."
 
Marion Bartoli hat "Tränen und Schmerz" im Training hingenommen, "Tausende von Stunden" von dem Sieg in Wimbledon geträumt und sich am Samstag ihren Herzenswunsch mit einer eindruckvollen Darbietung erfüllt.
 
Mit dem 6:1,6:4 im Finale des Tennis-Grand-Slam-Turniers in London stürzte die Französin ihre deutsche Kontrahentin Sabine Lisicki ins Tal der Tränen, sie selbst saß für andere bereits vorher auf dem Thron.
 
"Queen Marion", hatte die Sportzeitung "L'Equipe" die 28-Jährige schon vor dem Endspiel genannt.
 
Enge Beziehung zum Vater
 
Als sie nach dem verwandelten Matchball zu ihrer Box emporstieg und ihre engsten Vertrauten umarmte, war da auch ihr Vater und langjähriger Coach Walter Bartoli dabei.
 
Von ihm hatte sie sich nach den French Open getrennt. Marion Bartoli hat ihm aber viel zu verdanken, ihre Spielweise mit beidhändiger Vor- und Rückhand, die teils leicht schrullig wirkenden Bewegungen und die schon fast manische Konzentration auf dem Platz und vieles mehr gehen auf seine Kappe.
 
"Ich bin kein Tennisspieler, vielleicht waren meine Ideen daher komplett neu. Deshalb haben sich die anderen lange auch an mir gestört", sagte Vater Bartoli in London zu Journalisten.
 
Im Alter von sechs Jahren begann er seine Tochter zu trainieren, vorher hatte er den Stil von Monica Seles genau studiert.
 
"Die Spieler dachten, dieser Typ ist verrückt und die Ideen sind vollkommen dumm. Aber ich habe weiter an mich und Marion geglaubt, wir haben unseren Weg gefunden", meinte er. "Sie bat mich darum, ihr zu helfen, ein Champion zu werden, und das habe ich getan."
 
Bartoli ist anders
 
Auch die neue Wimbledonsiegerin weiß, dass sie anders ist.
 
"Anders zu sein war immer Teil meiner Persönlichkeit. Ich denke, wie alle anderen zu sein, ist langweilig. Und am Ende des Tages, wenn die Zuschauer zehn Matches angesehen haben, werden sie sich an das Mädchen erinnern, dass etwas anders gemacht hat", sagte Bartoli auf der Pressekonferenz und ließ den Triumph noch einmal Revue passieren.

 "Ich habe in zwei Sätzen gewonnen. Ich habe während der ganzen Meisterschaften keinen Satz abgegeben. Sogar im perfektesten Traum hätte ich nicht von solch einem perfekten Moment träumen können. Das ist jenseits der Perfektion."
 
Lisicki will aus Erfahrung lernen
 
Lisicki, deren Nerven nach einem großartigen Turnier gerade im Finale versagten, will aus dem Geschehenen lernen.
 
"Erfahrung hat mir immer geholfen. Ich hoffe, dass es mir nächstes Mal helfen wird, den einen Schritt weiter zu gehen."
 
Es sei einfach nicht möglich gewesen, noch einmal das abzuliefern, was ihr in den Partien zuvor gelungen sei.
 
Auch wenn das Endspiel eine einseitige Angelegenheit war, so ist sie stolz auf ihre Turnierbilanz.
 
"Es ist immer noch ein großartiges Turnier. Es waren zwei wunderbare Wochen. Ich habe mein bestes Tennis gespielt. Ich musste den Champion und die Finalistin vom letzten Jahr rauswerfen, ich denke schon, dass das etwas Großes ist. Dieses Turnier hat definitiv eine bessere Spielerin aus mir gemacht."

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