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US-Open-Finali im Zeichen von 9/11

Das riesige Sternenbanner weht stets hoch über dem größten Tennisstadion der Welt.

Wenn wie jedes Jahr vor den Endspielen der US Open im Arthur-Ashe-Stadion die Marinesoldaten in Paradeuniform mit weißen Handschuhen eine große "Stars and Stripes"-Fahne festhalten, wird an diesem Wochenende weniger der Stolz als die Trauer der US-Amerikaner überwiegen.

Das Herren-Finale findet exakt am zehnten Jahrestag der Terror-Anschläge in New York und Washington statt.

Sicherheitsdenken der Spieler hat sich verändert

Vor dem Damen-Endspiel am Samstagabend erklingt traditionell "God Bless America" (Gott segne Amerika) vom bekannten Komponisten Irving Berlin, tags darauf vor dem Herren-Finale "America the Beautiful" (Amerika die Schöne).

Die beiden patriotischen Lieder sind sehr populär, auch wenn sie nur als inoffizielle Hymnen gelten. Der US-Tennis-Verband (USTA) schließt sich den zahlreichen Gedenkveranstaltungen an, mit denen an die Opfer im World Trade Center, im Pentagon und den Flugzeugen erinnert wird.

"Ich habe nicht wirklich verstanden, was da passiert ist, bis ich das Jahr darauf nach New York zurückgekommen bin. Es war ein Schock", erinnerte sich Superstar Roger Federer, der sich zum Zeitpunkt der Anschläge in der Schweiz befunden hatte.

Sein Blick auf Sicherheitsbelange hat sich natürlich wie bei vielen Menschen verändert. "Aber man versucht im Leben so sicher wie möglich zu sein, ohne in einem goldenen Käfig zu leben. Für uns sind die Auswirkungen sehr groß. Als Tennisspieler haben wir keine Wahl - wir müssen viel reisen."

"Spezielle Verantwortung, die Gefallenen zu ehren"

Die USTA möchte diesen ernsten Anlass in einem würdigen und respektvollen Rahmen begehen, versicherte USTA-Verbandschef Jon Vegosen.

"Wir sind am zehnten Jahrestag einer der weltweit beachteten Schauplätze dieser Nation. Wir haben eine spezielle Verantwortung, die Gefallenen zu ehren und jene, die an jenem schicksalhaften Tag heldenhaft reagiert haben."

Auf dem Platz im 23.700 Zuschauer fassenden Stadion wird zum Endspiel-Wochenende der Schriftzug "9-11-01" aufgemalt und ist per Fernsehen weltweit zu sehen. Im Oberring des Stadions wird das USTA-Logo durch ein eigens von der Stadt New York entwickeltes Erinnerungslogo ersetzt.

Die Herren-Finalisten werden den Platz durch ein Spalier von Polizisten, Feuerwehrleuten und Mitarbeitern der Hafenbehörde betreten. Die Behörde war Besitzer des World Trade Centers und ist Eigentümerin des Grundstücks. Zudem sollen Militärflugzeuge das Stadion überqueren.

Tennis-Stars erinnern sich den 9/11

Als Showstar hat der Tennis-Verband für den Samstag Pop-Sängerin Cyndi Lauper angekündigt. Musikerin und Schauspielerin Queen Latifah leitet am Sonntag die Zeremonie, wie sie das schon 2002 getan hatte, als die Finali am ersten Jahrestag ebenfalls an die verheerenden Anschläge erinnerten.

Die US Open 2001 hatten zwei Tage vor der Katastrophe geendet. Der Australier Lleyton Hewitt entzauberte US-Idol Pete Sampras im Finale. Zu den Ehrengästen gehörte "Beatle" Paul McCartney.

Er saß am 11. September morgens in einem Flugzeug in New York, kehrte dann in die Stadt zurück und organisierte später ein Benefizkonzert. Eine Dokumentation darüber läuft am Samstag im US-Fernsehen.

Bei den Damen gewann Venus Williams gegen ihre Schwester. Serena erzählte während des laufenden Turniers, wie sie den schicksalhaften Tag damals in Washington erlebte.

"Das hat mir wirklich Angst gemacht"

"Überall waren viele Armee-Lastwagen. Das hat mir wirklich Angst gemacht. Es ist schwer zu glauben, dass es schon zehn Jahre her ist. Es scheint nicht so lange her zu sein und irgendwie doch. Es ist merkwürdig", sagte die 29-Jährige.

Die Ereignisse hätten die Sichtweise aller verändert. "Überall gibt es jetzt mehr Sicherheit", erklärte Williams und erinnerte an die Opfer: "Die Menschen, die wir am 11. September verloren haben, werden niemals vergessen sein."

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