Stärken, Skandale, Trainer: So ticken die neuen Helden

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Stan Wawrinka, Rafael Nadal, Novak Djokovic plus X.

Erstmals seit 16 Jahren endet das Tennis-Jahr der Herren mit vier unterschiedlichen Grand-Slam-Siegern.

Zur Überraschung aller Experten haben sich mit Marin Cilic und Kei Nishikori zwei Spieler aus der "zweiten Reihe" ins Rampenlicht gespielt und die Favoriten bei den US Open in New York reihenweise aus dem Turnier gekegelt.

Der Kroate, Nummer 16 der Welt, und der Japaner, die Nummer elf, feiern jeweils Premiere und bestreiten ihr erstes Major-Endspiel.

Damit gehen gleich mehrere unglaubliche Serien zu Ende. Erstmals seit zwölf Jahren bzw. 49 Turnieren auf höchster Ebene bestreiten zwei Spieler außerhalb der Top 10 ein Finale.

Erstmals seit 2005 findet ein Finale ohne Roger Federer, Novak Djokovic oder Rafael Nadal statt. Und erstmals seit 41 Majors (French Open 2004 - Gaston Gaudio) wird ein Akteur außerhalb der Top 8 gewinnen.

LAOLA1 nimmt die beiden Überflieger ins Visier und erklärt den Weg zum größten Erfolg ihrer Karriere, ihre Stärken und ihre historische Chance:

DER WEG INS FINALE

Für beide war der Weg ins Endspiel mühsam, Nishikori hatte dabei auf den ersten Blick - er musste zweimal über fünf Sätze gehen - etwas mehr Mühe als sein Kontrahent. Rechnet man allerdings die „Arbeitszeit“ zusammen, stellt man fest, dass Cilic mit 889 Minuten sogar um drei mehr auf dem Platz stand als der Japaner. Die Auslosung war allerdings, was die Papierform betrifft, für den Mann aus dem Land der aufgehenden Sonne schwieriger. Neben dem topgesetzten Novak Djokovic (SRB) und dem Schweizer Stan Wawrinka (3) eliminierte er auch den Kanadier Milos Raonic, die Nummer fünf des Turniers. Cilic hingegen musste „nur“ zwei große Kaliber – Roger Federer (SUI/2) und Tomas Berdych (CZE/6) – aus dem Weg räumen. Ein kleiner Vorteil für Cilic könnte sein, dass er seine Siege seit dem Achtelfinale deutlich rascher in trockene Tücher brachte (490 zu 686 Minuten).

DIE TRAINER

Fast genauso spannend wie das Duell der beiden Spieler ist jenes der Trainer, die hinter den Kulissen die Strippen ziehen. Seit seiner Rückkehr auf die Tour nach einer Dopingsperre (mehr dazu später) wird Cilic von niemand Geringerem als Goran Ivanisevic betreut. Dieser hat einen Wimbledon-Sieg (2001) zu Buche stehen und stand auf dem „Heiligen Rasen“ drei weitere Male im Endspiel. Seine höchste Weltranglistenplatzierung war Rang zwei (1994).

Auf Seiten des Japaners fungieren zwei Männer als Coaches. Dante Bottini kümmert sich bereits seit 2010 um die Belange Nishikoris. Der Durchbruch gelang diesem allerdings erst in dieser Saison, in der er erstmals mit Michael Chang zusammenarbeitet. Der 42-Jährige war wie Ivanisevic die Nummer zwei der Welt (1996) und hat einen Major-Erfolg auf seiner Vita stehen. 1989 triumphierte er in Paris und avancierte zum – bis heute – jüngsten Grand-Slam-Sieger aller Zeiten. Österreichs Tennis-Fans ist Chang vor allem als Endspielgegner von Thomas Muster bei den French Open 1995 in Erinnerung.

DIE STÄRKEN

Ein Blick auf seine Größe (1,98 m) lässt es bereits erahnen. Das Service ist eine der größten Waffen von Cilic. Der 25-Jährige hat bislang 81 Asse geschlagen und damit deutlich mehr als sein Final-Rivale, der es auf insgesamt 30 brachte. Wenig überraschend spricht auch die Aufschlag-Geschwindigkeit – Cilic‘ Bestwert liegt bei 132 Meilen (212,4 km/h), Nishikoris bei 124 (199,6 km/h) klar für den etwas älteren der beiden Finalisten. In puncto Breaks schenken sich die beiden hingegen nichts. Der Japaner nutzt etwas mehr Chancen (41,8 zu 37,7 Prozent), der Kroate hingegen wehrt mehr Breakbälle gegen sich ab (64,3 zu 61,3 Prozent).

Cilic besticht zudem mit einer starken Rückhand, während Nishikori eher über die Vorhand kommt. Mit seinem Semi-Western-Griff überzeugt er mit extremen Topspin-Schlägen. Überdies gilt der 24-Jährige als Laufwunder. Wo andere einem Ball erst gar nicht mehr nachjagen, gräbt er diesen noch aus. Das Spiel am Netz beherrschen beide in etwa gleich gut, wobei Nishikori mit einer Punktquote von 75,7 im Laufe des Turniers vor seinem Gegner liegt, der „nur“ auf 70,9 kommt.

DIE DIREKTEN DUELLE

Im Head-2-Head liegt Nishikori aktuell komfortabel mit 5:2 voran, die letzten drei Aufeinandertreffen konnte er allesamt für sich entscheiden. Auf Hartplatz liegt er 4:2 in Front. Kurios: Es ist bereits das dritte Duell, das die beiden in New York bestreiten. 2010 behielt Nishikori nach einem Fünfsatz-Krimi die Oberhand, vor zwei Jahren ging allerdings Cilic nach vier Sätzen als Sieger hervor. Zum ersten Mal begegnen sich die beiden in einem Endspiel.
 

DER SKANDAL

Mit einer weißen Weste bestreitet Kei Nishikori das Finale in Flushing Meadows. Der ATP Newcomer des Jahres 2008 hat sich bislang nichts zu Schulden kommen lassen und gilt als äußerst pflegeleicht. Sein Pendant hingegen hat einen schwarzen Fleck abbekommen. Im Vorjahr wurde der Kroate im Rahmen der BMW Open in München bei einer Dopingprobe des Missbrauchs überführt. „Mrnja“, so sein Spitzname, erklärte, das verbotene Mittel Nikethamid unwissentlich über eine Tablette zu sich genommen zu haben. Zunächst wurde er für neun Monate gesperrt, der Internationale Sportgerichtshof (CAS) verkürzte diese später auf vier.

DIE HISTORISCHE CHANCE

Die US Open 2014 werden definitiv einen neuen Grand-Slam-Triumphator hervorbringen. Doch für Kei Nishikori und Marin Cilic geht es um mehr. Nishikori würde zum ersten Asiaten überhaupt avancieren, der ein Herren-Einzel gewinnt und könnte seinen Status als japanischer Superstar noch einmal deutlich untermauern. Cilic hingegen will in die Fußstapfen seines Trainers treten und als erster Kroate im „Big Apple“ die Siegertrophäe einheimsen. Sein großes Vorbild kam nie über die Vorschlussrunde hinaus.


Christoph Nister

<span style=\'color: #ffff00;\'>MARIN CILIC

<span style=\'color: #ffff00;\'>KEI NISHIKORI

Alter

25

<span style=\'color: #ff0000;\'>24

Weltranglistenplatz

16

<span style=\'color: #ff0000;\'>11

Höchste Platzierung

<span style=\'color: #ff0000;\'>9

<span style=\'color: #ff0000;\'>9

Größe

<span style=\'color: #ff0000;\'>1,98 m

1,78 m

Schlaghand

Rechts

Rechts

Trainer

Goran Ivanisevic

Michael Chang/Dante Bottini

Turniersiege

<span style=\'color: #ff0000;\'>11

5

Head-2-Head

2 Siege

<span style=\'color: #ff0000;\'>5 Siege

Preisgeld Karriere

<span style=\'color: #ff0000;\'>7,7 Mio. US-Dollar

5,4 Mio. US-Dollar

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