Das Handicap als großer Vorteil

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Leitgeb: "Haben in Österreich keine Trainer-Kultur"

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Nach den für ÖTV-Präsident Ronnie Leitgeb turbulenten letzten Wochen, in denen ihm von seinem ehemaligen „Vize“ unter anderem Untreue vorgeworfen wurde, versucht der ehemalige Muster-Macher nun die Aufmerksamkeit auf seine Verbands-Arbeit zu richten.

Am Freitag nützte der Niederösterreicher bei einer Pressekonferenz in Wien die Präsentation eines neuen Sponsors, um wieder für positive Schlagzeilen zu sorgen.

Der Energy-Drink-Hersteller „Power Horse“ wurde vom Verband als Unterstützer für den „Generali ITN-Cup“ gewonnen. Diese im Vorjahr gestartete Breitensport-Turnierserie umfasst heuer bereits neun Turniere und ein Masters, das im Rahmen des Generali Ladies Linz ausgetragen wird.

Hobby-Spieler unter Profi-Bedingungen

Dort sollen begeisterte Hobby-Spieler die Möglichkeit bekommen, unter Profi-Bedingungen Wettkämpfe zu bestreiten. Das Besondere bei diesem Format ist die Einteilung der TeilnehmerInnen in sieben Spielstärkekategorien zwischen ITN 4.00 und 10.00. Sowohl Geschlechter als auch Altersgruppen werden zusammengemischt.

Durch diese neue Turnierserie wird auch das heimische Ranglisten-System eine Veränderung erfahren. Das schon vor einigen Jahren eingeführte ITN-System soll das alte ÖTV-Ranking ersetzen.

„Ab 2014 wollen wir nur mehr eine Rangliste haben“, erklärt Leitgeb, der sich wünscht, dass irgendwann jeder aktive Tennis-Spieler eine ITN (International Tennis Number) hat, wodurch man auf einen Blick seine aktuelle Spielstärke erkennen kann. Außerdem würde man sich in derselben Rangliste wie ein Jürgen Melzer oder Andreas Haider-Maurer befinden.

Leitgeb ist Musters Meinung

„Das ist der Vorteil des Golfsports. Durch das Handicap, das jeder Spieler haben muss, kennt der Verband alle seine Mitglieder. Mit den ITN-Einstufungen wollen wir etwas Ähnliches schaffen.“ Die Einstufungen sollen in Zukunft nur mehr vom ÖTV lizenzierte Trainer machen dürfen.

Womit wir auch schon bei der Trainer-Ausbildung wären, die Leitgeb schon bei seinem Amtsantritt vor etwas über einem Jahr als Chef-Sache für sich auserkor.

„Wir haben in Österreich keine Trainer-Kultur“, klagt er erneut über die Versäumnisse der letzten 30 Jahre. Trotz Engagements von Top-Trainer wie Jan Kukal oder Stan Francker blieb nur wenig Know-How im Land zurück.

Dies sei in Österreich aber ein allgemeines Problem. „Ein österreichischer Spitzen-Sportler ist ein Zufallsprodukt“ urteilte Thomas Muster in dieser Woche. Sein ehemaliger Betreuer ist in diesem Fall derselben Meinung.

Skepsis über neue Sportförderung

„In einem kleinen Land wie Österreich müssten wirklich alle zusammenarbeiten. Geld alleine macht noch keinen Spitzen-Athleten“, ist er auch hinsichtlich des erst am Donnerstag präsentierten Olympia-Projekts „Rio 2016“ skeptisch. Unter Führung von ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel sollen hier mit 20 Millionen Euro konkurrenzfähige Sportler für die Olympischen Spiele 2016 geformt werden.

„Und das soll in nur drei Jahren gelingen? Da kann ich nur ‚Good luck!‘ wünschen“, fehlen Leitgeb langfristige Planungen. Idealerweise müsste man eine ordentliche Breite erschaffen, indem man ab dem dritten Lebensjahr allgemeine motorische Fähigkeiten lehrt. Nur dann könne man irgendwann auch über eine breite Spitze verfügen.

 „Das werde ich aber wohl nicht mehr erleben“, gibt sich Leitgeb keinen allzu großen Hoffnungen hin. „Ich würde aber gerne einen Impuls dafür geben.“

Einigung mit Babsi Haas

Abseits dieser langfristigen Planungs-Philosophien freute sich der ÖTV-Präsident, dass man sich nach monatelangen Diskussionen endlich über einen Förderungs-Vertrag mit Barbara Haas einigen konnte.

Die 17-jährige Niederösterreicherin gilt als eines der größten Talente des Landes und wird ab sofort finanziell vom Verband unterstützt. „Das soll ein Zeichen für junge Spielerinnen sein, dass wir sie auf dem langen und teuren Weg zum Tennis-Profi unterstützen.“

Als Gegenleistung sei Haas in Zukunft verpflichtet, für das österreichische Fed-Cup-Team anzutreten.

Aussprache mit Paszek

Hier hat man anscheinend aus der Causa „Tamira Paszek“ gelernt. Nachdem man sich im Vorjahr für einen Olympia-Start für die Vorarlbergerin stark gemacht hatte, sagte sie 2013 prompt wieder für den Fed Cup ab.

Leitgeb, bis Ende 2012 ihr Manager, zeigt sich darüber auch heute noch enttäuscht, dass Paszek dieser „moralische Verpflichtung“  nicht nachkam. „Meine Botschaft ist bei ihr oder ihrem Umfeld leider nicht angekommen.“ Bei den French Open in Paris will er deshalb auch das Gespräch mit ihr suchen.

Christian Frühwald

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