René Lacoste - mehr als nur ein Polo-Hemd

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Billig ist so ein Polo-Hemd von Lacoste ja nicht gerade.

Um die 80 Euro muss der Mode-Liebhaber hinblättern, um ein Leibchen mit einem der berühmten Krokodil-Logos käuflich zu erwerben.

Für die meisten Menschen ist Lacoste heutzutage meist nur mehr ein teures, aber bewährtes Fashion-Label.

Siebenfacher Grand-Slam-Sieger

Nur die Wenigsten wissen, dass der Bekleidungs-Konzern von einem der besten Tennis-Spieler aller Zeiten gegründet worden ist.

Sieben Grand-Slam-Titel konnte Jean Rene Lacoste in seiner Karriere einfahren. In den Jahren 1926 und 1927 galt der 1904 in Paris als Sohn einer wohlhabenden Familie Geborene als bester Tennis-Spieler der Welt.

Dabei war Lacoste ein richtiger Spätstarter. Erst mit 15 Jahren begann  er seine Karriere. Dazu bedurfte es allerdings auch viel Überredungskunst.

Ultimatum vom Vater

Sein Vater Pere Lacoste hatte mit dem Berufswunsch seines Sohnemanns nämlich keine große Freude.

Deshalb stellte ihm der Herr Papa ein Ultimatum: Er dürfe seiner Tennis-Karriere nur nachgehen, wenn er innerhalb von fünf Jahren zu einem Weltklassespieler reifen würde.

Mit halben Sachen konnte Jean René Lacoste aber sowieso nichts anfangen und so erwies sich die Aufgabenstellung als schnell realisierbar.

Pünktlich zu seinem 20. Geburtstag holte er 1924 bei den Olympischen Spielen in Paris an der Seite von Jean Borotra im Doppel die Bronzemedaille.

Verzicht auf Australian Open

Es sollte nur der Startschuss einer großartigen, aber leider nur sehr kurzen Karriere sein. Im folgenden Jahr triumphierte Lacoste erstmals bei den French Open, wo er noch zwei weitere siegreich bleiben sollte (1927 und 1929).

Dazu holte er sich je zwei Mal den Sieg in Wimbledon (1925, 1928) und bei den US Open (1926, 1927).

Der Grand Slam, also der Gewinn aller vier Grand-Slam-Turniere, blieb Lacoste allerdings verwehrt, da er auf die damals sehr anstrengende Reise nach Down Under verzichtete und nie an den Australian Open teilnahm.

"Die vier Musketiere"

Legendär waren dafür seine Auftritte im Davis Cup. Gemeinsam mit Henri Cochet, Jean Borotra und Jacques Brugnon bildete er „Die vier Musketiere“, die Frankreich 1927 zum ersten Mal zum Sieg im Davis Cup führten.

Bis 1932 dauerte die französische Vorherrschaft im wichtigsten Mannschaftsbewerb im Tennis an.

Dem Davis Cup hatte Lacoste auch seinen Spitznamen zu verdanken. Schon zu Beginn seiner Karriere bekam er die Bezeichnung „das Krokodil“ verliehen.

Viele Gerüchte um "das Krokodil"

Um dessen Entstehung ranken sich viele Gerüchte. Die plausibelste Erklärung ist eine verlorene Wette.

Für einen Sieg in einem wichtigen Davis-Cup-Spiel soll Lacoste mit seinem Mannschafts-Kapitän um einen Koffer aus Krokodilshaut gewettet haben.

Lacoste verlor zwar gegen den Australier James Anderson, ein Reporter tröstete ihn danach aber damit, immerhin wie ein Krokodil gekämpft zu haben.

Aufgrund seiner am Platz gelebten großen Ausdauer und Bissigkeit passte dieser Spitzname wie die Faust aufs Auge. 1927 ließ sich Lacoste das bekannte Krokodil mit dem großen Maul sogar auf sein Leiberl sticken.

Frühes Karriereende

Da Lacoste 1929 seine aktive Tennis-Karriere wegen einer schweren Lungenkrankheit beenden musste, sah er sich mit 25 Jahren nach einem neuen Tätigkeitsumfeld um.

Seine neue Leidenschaft fand Lacoste in der Modebranche. Da er schon immer mit der Qualität der im Tennis getragenen Polo-Hemden unzufrieden war, versuchte er für seine ehemaligen Kollegen ein wesentlich weiteres zu entwickeln, mit dem man besser spielen konnte.

So kam es, dass sechs Jahre nach der Premiere des Krokodil-Logos auf Lacostes Polo-Hemd, dieses den Weg in die Massenproduktion fand.

Großer Boom in den 70er Jahren

Das berühmte Krokodil, das auch heute noch die Konzern-Artikel auszeichnet, war überhaupt das erste Firmen-Logo, das jemals auf einem Hemd zu sehen war.

Bis 1951 wurde es allerdings nur im traditionellen Weiß produziert. Erst später wurden die Polo-Hemden bunt. Vor allem in den 70er Jahren galten die verschiedenfarbigen Lacoste-Polos als letzter Schrei.

Auch auf dem Material-Sektor feierte René Lacoste Erfolge. 1963 sorgte er mit einer Weltneuheit für Furore, als er mit der Patentierung des ersten aus Stahl gebauten Tennis-Rackets das Ende der Holzschläger-Ära einläutete.

Drei Kinder mit Golfspielerin

Im Privatleben führte Lacoste ebenfalls ein Vorzeige-Leben: Mit der Golfspielerin Simone de la Chaume zeugte er drei Kinder. Sohn Bernard übernahm 1964 die Firmen-Geschäfte. 2005 gab dieser kurz vor seinem Tod im Jahr 2006 das Amt an den jüngeren Bruder Michel weiter.

Lacoste war ein langes Leben beschieden, um seine Errungenschaften auch angemessen zu genießen.

Erst im Alter von stattlichen 92 Jahren trat das „Krokodil“ im Jahr 1996 zu seinem letzten Tauchgang an.

Seine Todes-Anzeige war ähnlich kreativ und außergewöhnlich wie er selbst: Sie bestand nur aus dem Lacoste-Logo und der Aufschrift: „See you later…“

Christian Frühwald

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