Ist heute schon Finale?

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Nadal: "Mein härtestes Viertelfinale in Roland Garros"

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Steigt das Finale der French Open heuer schon am Mittwoch?

Viele Tennis-Fans sehen es wohl so, wenn sich um etwa 15:30 Uhr Rafael Nadal und Novak Djokovic auf dem Court Chatrier gegenüberstehen.

Der in dieser Saison bislang alles überragende Serbe fordert den neunfachen Rekord-Paris-Sieger.

„Mein härtestes Viertelfinale“

„Ich werde gegen Novak sicherlich das härteste Viertelfinale in Roland Garros bestreiten müssen, das ich jemals gespielt habe“, ist sich Nadal, der an diesem Tag noch dazu seinen 29. Geburtstag feiert, vor dem großen Showdown bewusst.

Auch für Djokovic ist das 44. Duell zwischen den beiden Superstars etwas Besonderes: „Es fühlt sich komisch an, schon im Viertelfinale auf ihn zu treffen. Ich bin es nicht gewohnt, so früh gegen ihn zu spielen.“

Nadal spielt Wertigkeit herunter

Nadal, der im Head-to-Head mit 23:20 voranliegt, versucht im Vorfeld trotzdem, den Final-Charakter dieser Partie etwas in den Hintergrund zu stellen. Schließlich müssen bis zum Titel noch zwei weitere Matches gewonnen werden.

„Der Sieger dieser Partie ist kein French-Open-Sieger, sondern nur ein Halbfinalist. Das ist ein großer Unterschied. Obwohl es ein spezielles Match ist, ist es nur ein Viertelfinale“, stellt der neunfache Paris-Sieger klar.

In 70 Partien musste sich Nadal in Roland Garros erst ein einziges Mal geschlagen geben. 2009 verlor er im Achtelfinale gegen den Schweden Robin Söderling. Eine in der Tennis-Geschichte unerreichte Bilanz.

Nadals Wohnzimmer

„Es ist ein großer Unterschied, ob man hier gegen Rafa spielt oder bei irgendeinem anderen Turnier auf der Welt“, weiß Djokovic, der in Paris schon sechs Mal gegen Nadal den Kürzeren zog. „Die Bedingungen kommen seinem Spiel sehr entgegen. Er liebt es, auf dem Court Chatrier zu spielen.“

Dass sich Nadal auf dem Center Court von Roland Garros mindestens so wohl fühlt, wie in seinem eigenen Wohnzimmer, will der 65-fache ATP-Titelträger gar nicht bestreiten.

„Ich liebe Roland Garros. Ich liebe dieses Turnier. Ich liebe die Courts. Ich werde alle seine Stops erlaufen, um dieses Match zu gewinnen und bis zum bitteren Ende kämpfen“, kündigt er Djokovic einen heißen Tanz an.

Problematische Sandplatz-Saison

„Ich weiß aber nicht, ob es am Ende reichen wird. Ich habe keine Kristallkugel. Wenn ich gut spiele und mein Kontrahent besser spielt als ich, werde ich ihm die Hand schütteln, gratulieren und weitergehen“, ist sich der Spanier bewusst, dass es heuer schwierig wird, den angepeilten „Decima“, also den zehnten Titel in Roland Garros, einzufahren.

Unglaubliche fünf Niederlagen musste Nadal heuer schon auf seinem Lieblingsbelag erleiden. Niederlagen, die ihn nicht nur auf den siebenten Weltranglisten-Platz zurückgeworfen, sondern auch an seinem Selbstvertrauen genagt haben. Bei einem Aus gegen Djokovic könnte er sogar aus den Top Ten purzeln.

Der fehlende Glaube an sich selbst war auch bei seinem etwas mühevollen Vier-Satz-Erfolg über Jack Sock im Achtelfinale zu erkennen, wo er teilweise extrem mit seinem Aufschlag haderte. „Das war sicherlich mein schwächster Schlag. Ich konnte mir damit kaum einen Vorteil verschaffen“, so Nadal, der aber im Turnierverlauf durchaus einen Aufwärtstrend erkennen ließ.

„Ich fühle mich mittlerweile wieder wohler auf dem Platz und bin in meinem Spiel wieder ruhiger, als noch vor ein paar Wochen. Ich habe nicht mehr dieses Problem mit den Nerven, wie ich es zu Saisonbeginn hatte. Dadurch bin ich sicher wettbewerbsfähiger“, schöpft er aus seinen vier in Paris errungenen Siegen neue Hoffnung.

„Novak ist der beste Spieler der Welt“

Ob es allerdings gegen den bislang in dieser Saison so dominierenden Djokovic zum Sieg reichen wird, daran hegt selbst Nadal so seine Zweifel.

„Novak ist mit Abstand der beste Spieler der Welt. Er strotzt derzeit nur so vor Selbstvertrauen und befindet sich in einer überragenden Verfassung. Er hat beinahe alle seine Spiele in dieser Saison gewonnen“, verweist er auf die beeindruckende 39:2-Bilanz seines Herausforderers.

Mit Ausnahme von Madrid, wo er nicht am Start war, holte sich der serbische Weltranglisten-Erste mit den Australian Open sowie den ATP-1000-Turnieren in Indian Wells, Miami, Monte Carlo und Rom alle großen Titel in dieser Saison.

Djokovic mit breiter Brust

Im monegassischen Fürstentum traf er heuer bereits auf roter Asche auf Nadal und feierte einen klaren Zwei-Satz-Sieg über den Sandplatz-König.

„Ich habe noch nie in Roland Garros gegen ihn gewonnen. Auf der anderen Seite war ich ein paar Mal wirklich knapp dran. Außerdem habe ich bislang eine großartige Saison gespielt und ich fühle mich in jedem Aspekt meines Spiels gut genug, um an einen Sieg über ihn zu glauben“, geht der 28-Jährige mit breiter Brust in diese Partie.

Djokovic kann sich unsterblich machen

Mit einem Sieg in Roland Garros könnte sich Djokovic in dieser Woche zu einem elitären Kreis gesellen. Dem achtfachen Grand-Slam-Sieger fehlen nur mehr die French Open in seiner Titelsammlung.

Mit Fred Perry (1935), Donald Budge (1938), Rod Laver (1962), Roy Emerson (1964), Andre Agassi (1999), Roger Federer (2009) und Rafael Nadal (2010) konnten bislang erst sieben Spieler in der Geschichte des Tennis-Sports bei allen vier Majors den Sieg einfahren.

Heuer ist für Djokovic im zwölften Anlauf alles angerichtet: Neben seiner überragenden Form, scheint auch Nadal nach einem Jahrzehnt der Dominanz endlich schlagbar zu sein.

Entscheidend wird wohl sein, wie der Serbe mit dem gigantischen Druck umgehen kann. Und zwar vor allem mit jenem, dem er sich selbst aussetzt.

Christian Frühwald

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