"Lachen über Kampf um Nr. 1"

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Melzer: "Die Herausforderung hat mir gefehlt"

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Jürgen Melzer ist wieder zurück!

Mitte April kehrte der 33-jährige Deutsch-Wagramer nach einer sechsmonatige Verletzungspause wegen Schulterproblemen auf die ATP-Tour zurück.

Mit sieben Siegen aus 13 Partien fiel das Comeback bislang durchaus beachtlich aus.

Mit dem Viertelfinal-Einzug in Düsseldorf verlief auch die Generalproble für die am Sonntag beginnenden French Open nach Wunsch.

Daran änderte auch das 1:6, 1:6-Debakel gegen Jiri Vesely nichts.

Melzer für Paris zuversichtlich

"Leider gibt es solche Tage, an denen man sich einfach schlecht fühlt. Ich war sowohl körperlich als auch mental einfach nur müde", so Melzer im LAOLA1-Interview.

Für die French Open, wo er in der ersten Runde auf den Belgier David Goffin trifft, ist der ÖTV-Routinier aber trotzdem zuversichtlich. 

Außerdem spricht er bei uns über die Gründe für sein erfolgreiches Comeback, mögliche Fernziele des "Melzer-Clans" und er erklärt, warum Dominic Thiem und er über den "Kampf um die Nummer 1" nur lachen können.

LAOLA1: Du spielst in der ersten Runde gegen David Goffin. Danach würde es wohl zum Duell mit Publikums-Liebling Jo-Wilfried Tsonga kommen. Bist du zufrieden mit der Auslosung?

Jürgen Melzer: Ich habe die bisherigen Duelle gegen Goffin gewonnen. Es ging zwar jedes Mal nur über zwei Sätzen, trotzdem waren es immer hart umkämpfte Partien. Er ist ein geschickter Spieler, der auf Sand sicherlich gefährlich als auf Hartplatz ist. Wenn man nicht gesetzt ist, muss man mit so einer Auslosung zufrieden sein. Wenn es zum Match gegen Tsonga kommen sollte, wäre es natürlich cool.

LAOLA1: Wenn man das Viertelfinal-Match gegen Jiri Vesely in Düsseldorf ausklammert, hast du eine vielversprechende Generalprobe für Roland Garros hingelegt. Warum hat es gegen Vesely so gar nicht geklappt?

Melzer: Ich bin wohl mit dem falschen Fuß aufgestanden. Im Ernst: Ich habe einfach das Match vom Vortag gegen Sousa in den Beinen gehabt. Leider gibt es solche Tage, an denen man sich einfach schlecht fühlt. Ich war sowohl körperlich als auch mental einfach nur müde. Leider habe ich es nicht geschafft, dass ich irgendwie in dieser Partie bleibe. Das Ganze ist mir zu schnell weggelaufen.

LAOLA1: Wahrscheinlich muss sich auch der Körper wieder daran gewöhnen, längere Drei-Satz-Partien wie jene gegen Sousa schnell wegzustecken.

Melzer: Keine Frage. Und die Partie am Vortag war wirklich sehr intensiv.

LAOLA1: Sieben Siege, sechs Niederlagen – Spieler wie Isner, Cilic oder Sousa geschlagen – lief dein Comeback nach einer fast siebenmonatigen Pause besser als erwartet ?

Melzer: Sagen wir mal: Es lief so wie erhofft. Es war sicher nicht davon auszugehen, dass ich so schnell wieder auf der Tour Fuß fassen kann. Normalerweise braucht man ein bisschen Zeit, bis man wieder reinfindet. Ich bin natürlich sehr, sehr froh, dass ich genau dort wieder anschließen konnte, wo ich aufgehört habe. Vor allem, weil es auf Sand so gut geklappt hat. Gerade dort habe ich in den letzten Jahren nicht sonderlich erfolgreich agiert. Ich bin happy, dass ich nun auch wieder auf Sand meine Partien gewinne.

LAOLA1: Gibt es für das gelungene Comeback besondere Gründe? Was hast du richtig gemacht?

Melzer: Wir haben einfach sehr hart gearbeitet. Ab dem Zeitpunkt, an dem ich das „Go“ für meine Schulter bekommen habe, haben wir einfach sehr viel Zeit investiert. Die vier Wochen auf Marbella waren extrem wichtig. Da ist viel weitergegangen. Ich habe viel Vertrauen in meine Schläge und auch in meinen Körper wieder gefunden.

Möglicher Start im Mixed: Iveta und Jürgen

LAOLA1: Hast du körperlich noch irgendwelche Beschwerden?

Melzer: Ich bin am Donnerstag 33 Jahre alte geworden. Irgendwo zwickt immer irgendetwas. Es geht mir jetzt aber sicherlich bedeutend besser als in den vergangenen beiden Jahren.

LAOLA1: Genießt du die Turniere nach dieser langen Pause besonders? Was hat sich in deinem Tagesablauf im Vergleich zu vor zehn Jahren geändert?

Melzer: Eigentlich nichts. Ich genieße jetzt einfach mehr die Herausforderung und das Match selbst. Das hat mir nach dieser langen Zeit einfach schon sehr gefehlt. Man freut sich darauf, sich wieder mit anderen zu messen. Der Sport steht jetzt noch mehr im Mittelpunkt.

LAOLA1: Wie läuft die Zusammenarbeit mit Markus Hipfl?

Melzer: In Düsseldorf hat mich Ronnie (Anm.: Leitgeb) betreut, in Paris sind aber wieder alle dabei. Die Zusammenarbeit läuft gut. Das ganze Team funktioniert sehr gut. Auch Ronnie hat sehr viel Zeit investiert und viel Einfluss.

LAOLA1: Paris wird dein erstes Grand-Slam-Turnier seit deinem Comeback sein. Ist die Freude deshalb besonders groß?

Melzer: Ich habe nur ein Grand-Slam-Turnier versäumt. Die Vorfreude ist deshalb nicht viel anders, als früher. Auf ein Grand Slam freut man sich sowieso immer.

LAOLA1: Hast du durch den Aufstieg von Dominic Thiem das Gefühl, dass nun weniger Druck auf deinen Schultern lastet? Schließlich steht er nun wesentlich stärker im Blickpunkt.

Melzer: Es ist klar, dass man weniger im Blickpunkt steht, wenn man sechs oder sieben Monate nicht und ein anderer eine bislang sehr, sehr gute Saison spielt. Ich glaube, dass es für die Medien interessanter ist als für uns. Denn in erster Linie spiele ich für mich und ob jetzt der Dominic Thiem oder der Hans Huber vor mir stehen, macht für mich nicht viel Unterschied. Ich war mit einer kurzen Unterbrechung zehn Jahre lang Nummer eins  – für mich ändert sich aber nicht viel. Mit dem Dominic lache ich meistens über diese ganze Nummer-1-Diskussion.

LAOLA1: Der „Kampf um die Nummer 1“ ist aber natürlich auch förderlich für die Medien Tennis-Geschichten zu verkaufen und im Endeffekt dann auch wieder für euch hilfreich.

Melzer: Natürlich ist es hilfreich, in den Medien zu sein. Es wird deshalb aber keine Rivalität zwischen uns entstehen. Dafür ist auch der Altersunterschied zu groß.

LAOLA1: Dein Bruder Gerald hat in der Paris-Qualifikation eine bittere Niederlage einstecken müssen – 11:13 im dritten Satz. Da leidet man als Bruder wohl mit. Was sagst du zu seiner Entwicklung der letzten Monate?

Melzer: Er befindet sich auf einem sehr, sehr guten Weg. Im letzten Jahr hat er sich stetig verbessern können und auch sein Ranking nach oben geschraubt. Er hat heuer seinen ersten Challenger gewonnen. Ich hoffe, dass es so weitergeht und er so schnell wie möglich in die ersten 100 kommt. Paris ist eines der wenigen Turniere, bei denen wir zumindest für kurze Zeit gemeinsam vor Ort waren. Am Freitag sind wir noch essen gegangen. Am Samstag musste er dann schon wieder zurückfliegen.

LAOLA1: Wäre es ein witziges Fernziel, in Zukunft sowohl im Einzel, im Doppel mit deinem Bruder Gerald, als auch im Mixed mit deiner Frau Iveta bei einem Grand-Slam-Turnier somit als Melzer, Melzer/Melzer und Melzer/Melzer vertreten zu sein?

Melzer: Die Sanchez-Geschwister Emilio, Javier und Arantxa und auch die Black-Geschwister Byron, Wayne und Cara haben das früher ja schon einmal geschafft.  Das waren sogar Geschwister, wir sind ja nur zugeheiratet. Es wäre aber natürlich eine schöne Sache, sollte es sich ergeben.

LAOLA1: Bist du diesmal im Mixed-Bewerb wieder mit deiner Frau am Start?

Melzer: Das muss ich noch abklären. Ich weiß noch nicht, ob wir unser Protected Ranking anwenden können.

LAOLA1: Zum ersten Mal seit eurer Hochzeit seid ihr beide wieder aktiv auf der Tour unterwegs. Hat sich für euch dadurch etwas geändert?

Melzer: Man sieht sich natürlich weniger. Jetzt sind aber ohnehin Paris und Wimbledon, wo wir gemeinsam spielen können.

Das Gespräch führte Christian Frühwald

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