"Ich wusste, dass er gut wird"

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Coach Bresnik schwärmt von der Leidenschaft Thiems

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Tennis-Coach Günter Bresnik hat derzeit ein Luxusproblem, wie er es selbst nennt.

In seinem Stall ist Österreichs Riesentalent Dominic Thiem ebenso vertreten wie der im ATP-Ranking bereits auf Platz 17 aufscheinende Lette und Nizza-Sieger Ernests Gulbis.

Und wenn die beiden wie zuletzt in Paris gleichzeitig angesetzt sind, muss er sich entscheiden.

Seit zwölf Jahren bei Bresnik

Darum stieß er zu Thiems French-Open-Premiere bei den Großen erst im dritten Satz.

"Der zahlt mich, der Dominic ist mein Hobby", scherzte Bresnik danach befragt.

Doch jenem Mann, der sich seit zwölf Jahren darum kümmert, dass das Riesentalent Thiem den nötigen Feinschliff für das große Turniertennis erhält, liegt der Niederösterreicher freilich sehr am Herzen.

"Weiß seit Jahren, dass der gut wird"

"Es klingt überheblich, aber ich weiß bei ihm schon seit ein paar Jahren, dass der gut wird", erinnert Bresnik.

Um es genauer zu erfahren, hat er sich vor einiger Zeit Pierre Paganini, der seit mehr als zehn Jahren als Fitnesscoach von Roger Federer und auch von Stan Wawrinka arbeitet, nach Wien geholt.

"Ich wollte nur wissen wie schnell der Kleine ist. Am Ende einer Woche hat er gesagt: 'der Kleine ist nicht schnell, der ist sauschnell'. Von dem Zeitpunkt an habe ich nicht mehr daran gezweifelt, dass er auch gute Leute wird schlagen können."

Bresnik erinnert an schwere Krankheit

Im Hinblick auf den Donnerstag-Schlager gegen Superstar Rafael Nadal in der zweiten French-Open-Runde bleibt Bresnik bescheiden.

"Das ist sein erster Auftritt hier in Paris. Jeder weiß, dass er körperlich noch hinten nach ist", stellt Bresnik fest und erinnert an die Jahre lange in Thiem schlummernden und erst 2013 lokalisierten Campylobacter-Bakterien in dessen Darm.

"Der ist letztes Jahr von den Toten auferstanden. Er war ein Monat im Spital, er war drei Jahre lang wirklich schwer krank."

Durch Zufall wurde das Bakterium entdeckt

Diese Krankheitsgeschichte zeigt auch, aus welchemHolz Thiem geschnitzt ist, versucht Bresnik zu erklären: "Er hat Blut erbrochen und hatte es im Stuhl und hat das nicht gesagt, weil er Angst gehabt hat, dass er nicht Tennis spielen darf. So ein Typ ist das."

Dieses Bakterium habe sich Thiem 2010 bei einem Jugendturnier eingefangen und es ist erst im Vorjahr durch Zufall entdeckt worden.

Beeindruckender Arbeitseifer

Doch was Bresnik, der ja schon mit Stars wie Boris Becker, Henri Leconte und Patrick McEnroe, und auch Horst Skoff und Stefan Koubek gearbeitet hat, besonders fasziniert, ist der Arbeitseifer des 20-Jährigen. "

Der hat in zwölf Jahren Training nicht ein Mal gefragt, wie lange es noch dauert. Nicht ein Mal!" Diese Leidenschaft und Liebe für den Sport sei außergewöhnlich.

"Aber das ist genau das Material, aus dem ich glaube, dass ein Champion entstehen kann."

Technisch eine "Augenweide"

Technisch gesehen ist Thiem für Bresnik ohnehin eine "Augenweide". "Bei ihm habe ich nicht die Angst, ob der nächste Ball im Feld ist oder nicht."

Auch sonst sei Thiem kein typischer Jung-Zwanziger. "Wenn du ihn irgendwo in einer Ecke mit einem Ipad erwischt, dann schreibt der nichts, sondern er schaut sich ein Tennisspiel an."

Auch Gulbis gilt als Riesentalent, aber eben auch als ein launisches - das erst in späteren Jahren zu mehr Disziplin gefunden hat. Im direkten Vergleich sieht Bresnik den 25-jährige Letten und Millionärssohn daher auf lange Sicht im Nachteil.

"Ich glaube, dass Dominic in dem Alter jetzt nicht so gut ist wie Ernests damals war. Aber ich bin mir sicher, dass er mit 25 besser ist, als Ernests heute."

Sponsoren noch zurückhaltend

In Sachen Sponsorenanfragen tut sich bei Thiem laut Bresnik noch nichts, allerdings laufen die Ausrüsterverträge im Dezember 2014 ab.

Der Coach rechnet damit, dass da in den nächsten zwei, drei Monaten Bewegung reinkommen wird.

Die Kontrakte sind freilich alle abhängig vom jeweiligen Ranking. Und in diesem klettert Thiem scheinbar unaufhaltsam nach oben.

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