"Thiem hat das Zeug zum Titel"

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"Thiem spielt für mich eine kleine Außenseiterrolle"

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 "Vom Erstrunden-Aus bis hin zum Turniersieg ist alles möglich!"

Nicht festlegen will sich Tennis-Legende Thomas Muster im LAOLA1-Interview hinsichtlich der Titel-Chancen von Dominic Thiem bei den Erste Bank Open.

"Das ist im Tennis nun mal so", erklärt der 47-jährige Steirer seine zögerlichen Prognosen. "Das Zeug dazu hat er aber allemal."

Außerdem spricht Muster bei uns anlässlich des 40-jährigen Turnier-Jubiläums über seine schönsten und bittersten Momente in der Stadthalle, eine mögliche Aufwertung in die 500er Kategorie und er erklärt, warum er die Zusammenkürzung des ATP-Kalenders als "Lüge par excellence" bezeichnet. 

LAOLA1: Am Montag war Kid’s Day in der Wr. Stadthalle. Bist du noch das große Idol bei den Kindern oder läuft dir Dominic Thiem schön langsam den Rang ab?

Thomas Muster: Das sind einfach unterschiedliche Generationen. Da liegen 20 Jahre dazwischen. Ich habe damit überhaupt kein Problem, wenn das so wäre. Die Marschrichtung stimmt, Dominic hat aber noch einen langen, steinigen Weg vor sich. In ein paar Jahren werden wir mehr wissen. Rekorde sind da, um gebrochen zu werden – und wenn er es ist, würde es mich ganz besonders freuen.

LAOLA1: Das Stadthallen-Turnier feiert heuer 40-jähriges Jubiläum. Ist es für dich das Tennis-Event mit der größten Tradition in Österreich?

Muster: 40 Jahre sprechen für sich. In dieser Halle haben schon Leute wie Goran Ivanisevic, Andre Agassi, Michael Stich oder Boris Becker gespielt. Es haben hier fast alle Stars gespielt, die es im Tennis in den letzten 40 Jahren gegeben hat.

LAOLA1: Du hast das Turnier selbst über ein Jahrzehnt geprägt. Was waren deine schönsten und bittersten Momente in dieser Halle?

Muster: Ich habe vorwiegend gute Erinnerungen an die Stadthalle. Ich bin sehr oft sehr weit gekommen. Ich war fast immer im Halbfinale und stand drei Mal im Endspiel. Bitter war die Niederlage 1988 im Finale gegen Horst Skoff. Einfach deshalb, weil ich krank war und nicht die Möglichkeit hatte, zu gewinnen. Ich habe nur aufgrund der Umstände gespielt, dass die Halle ausverkauft ist und mir der Turnierdirektor Leo-Günther Huemer gesagt hat, dass ich bitte spielen soll. Ich wusste, dass ich verlieren werde, weil ich einfach nicht die nötige Kraft dazu hatte. Ich weiß bis heute nicht, wie ich den ersten Satz gewinnen konnte. Das ist natürlich bitter. Wenn man ganz normal verliert, weil man einfach schlecht spielt, dann ist das einfach so. Aber unter diesen Voraussetzungen war es enttäuschend.

LAOLA1: Ärgert es dich noch, dass du trotz dreier Finali nie den Titel holen konntest?

Muster: Nein, überhaupt nicht. Ich habe 44 Turniersiege auf der ATP-Tour gefeiert, wenn jedes verlorene Finale ein schwarzer Fleck sein soll, dann nehme ich das gerne in Kauf.

LAOLA1: In diesem Jahr ist Dominic Thiem unsere große Hoffnung. Mit Vorjahres-Finalist Robin Haase hat er allerdings eine schwierige Erstrunden-Aufgabe vor sich.

Muster: Von dem Aus in Runde eins bis hin zum Turniersieg ist alles möglich. Das ist im Tennis nun einmal so. Es ist alles drin, obwohl das Feld natürlich sehr, sehr stark ist. Wenn ich alle Ergebnisse im Vorhinein wüsste, würde ich wahrscheinlich nicht hier, sondern woanders stehen. Tatsache ist, dass er das Zeug dazu hat, zu bestehen.

LAOLA1: Mit Andy Murray und David Ferrer sind zwei echte Top-Stars am Start. Wer sind deine Favoriten auf den Titel?

Muster: Ferrer und Murray muss man klarerweise zum engsten Favoritenkreis zählen. Dominic Thiem spielt für mich eine kleine Außenseiterrolle. Wenn das Feld zusammenbleibt, muss er aber ein paar aus dem Weg räumen. Karlovic darf man nicht vergessen. Durch seine Aufschlagdominanz kommt es aber stark auf die Tagesverfassung an.

LAOLA1: Die Erste Bank Open liebäugeln schon seit längerem mit einer Aufwertung in die ATP-500-Kategorie. Wie schätzt du die Chancen ein, dass dies in Bälde gelingen kann?

Muster: Wien verdient so ein Turnier und muss früher oder später größer werden. Auf diesem Level ist das Turnier jetzt schon sehr lange. Von der ganzen Konstellation her, die Größe der Halle und der Stadt, ist grundsätzlich ein 500er Event möglich und das ist auch ein realistisches Ziel. Es gibt aber derzeit noch budgetäre Limits, die uns gesetzt sind. Da bedarf es schon noch einiger Milliönchen im Budget, um das aufzustellen. Ich glaube aber, dass es machbar wäre.

LAOLA1: Ein Dominic Thiem in den Top 10 wäre dafür wohl hilfreich, oder?

Muster: Ein starker Lokalmatador spielt für ein 500er natürlich eine Rolle. Wenn man einen Nadal oder Djokovic holen kann, wäre es aber auch schon eine andere Sache. Man muss immer nach Höherem streben und ich bin immer für große Lösungen.

LAOLA1: Was sagst du zum neuen ATP-Kalender, durch die Turniere enger zusammenrücken und eine längere Pause zu Saisonende möglich ist. Ist das für Wien hilfreich?

Muster: Für mich ist das die Lüge par excellence. Wenn ich sage, man macht die Turniere enger, damit die Spieler mehr Pause haben und dann präsentiert man im Herbst eine große Exhibition-Tour in Indien, dann passt das für mich nicht zusammen. Wenn man als Spieler eine längere Off-Season fordert, dann muss man das Reglement so anpassen, dass es wie in der Formel 1 ein Testverbot gibt. Spieler dürften dann also keine Schaukämpfe bestreiten – das wäre die logische Konsequenz daraus. Sonst wäre der Einwand, dass die Saison zu lange ist, völliger Quatsch.

LAOLA1: Du spielst damit auf die neue indische Champions League des Tennis an.

Muster: Genau. Das spielt einfach für mich nicht zusammen, wenn ich die geforderte Pause dazu nutze, noch mehr Geld zu verdienen.

LAOLA1: Schadet so eine Millionenliga dem Tennis?

Muster: Sie schadet nicht, aber ich kann sie nicht darauf aufbauen, dass ich die Turnierkalender enger zusammenrücke. Und dann spielen ein paar Spieler für Millionenbeträge in der Champions League.

LAOLA1: Sollen die Spieler von sich heraus auf diese Millionen verzichten, um Solidarität zu zeigen?

Muster: Die Spieler werden nicht darauf verzichten. Da wären sie ja blöd. Die ATP muss ein passendes Reglement vorlegen.

Das Gespräch führte Christian Frühwald

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