"Habe Federer eine ausverkaufte Halle versprochen"

Aufmacherbild
 

Es ist ein historischer Tag.

Am Freitag startet der offizielle Vorverkauf für die Erste Bank Open 2015, das erste ATP-500-Turnier in Österreich.

„Für mich ist Wien ganz speziell“, freut sich Dominic Thiem bereits auf das mit beeindruckenden 2,32 Millionen Euro dotierte Top-Event in der Wr. Stadthalle, das vom 19. bis 26. Oktober über die Bühne gehen wird.

"Alleine schon deshalb, weil ich hier zuhause schlafen kann. Wenn ich mich in andere Spieler reinversetze, dann würde ich sagen, dass Wien im Herbst einfach ein eigenes Flair hat", macht Österreichs aktuelle Nummer eins Werbung für sein Heimturnier.

"Wien ist gemütlicher"

"Es ist im Vergleich zu Asien oder Amerika wesentlich angenehmer zu spielen. Dort ist es heiß und irgendwie unruhiger. In Wien ist es wesentlich gemütlicher", so Thiem, der als rot-weiß-rotes Zugpferd die Zuschauer in die Stadthalle locken soll.

Den neuen ATP-500-Status findet er einfach nur "unglaublich. Ich habe immer darauf gehofft, weil es sich Herwig, sein Team und die Stadt einfach verdient haben.“

Herwig ist Turnierdirektor Herwig Straka, der das Turnier mit seiner Event-Agentur emotion seit dem Jahr 2009 veranstaltet.

Im LAOLA1-Interview erklärt der 49-jährige Steirer wie die Finanzierung auf die Beine gestellt wird, welche Superstars man durch die Aufwertung nach Wien locken will, wieso man sich einen ordentlichen Besucher-Zuwachs erwartet und welchen Einfluss der Song Contest auf das Turnier hatte.

LAOLA1: Wie groß ist die Freude über den neuen ATP-500-Status?

Herwig Straka: Die Freude ist natürlich groß. Es war ein sehr langer Prozess mit vielen Ups und Downs. Eine dementsprechend intensive Zeit war es. Jetzt haben wir das Turnier und müssen es dementsprechend promoten. Bis jetzt war das Feedback überwältigend positiv.

LAOLA1: Das Budget hat sich von 3,2 Millionen Euro auf 6 Millionen Euro fast verdoppelt. Wie schwierig wird dadurch die Finanzierung?

Straka: Das Budget ist jetzt war doppelt so hoch, die Netto-Rechnung fällt aber nicht so schlimm aus, weil wir durch die internationale TV-Vermarktung mehr Geld lukrieren können. Auch die ATP-Sponsoren zahlen mehr. Es ist aber trotzdem noch ein Millionenbetrag, den wir finanzieren müssen. Ich bin aber zuversichtlich, dass uns das gelingt. Es gibt in Österreich aber nicht viele Firmen, die Millionenbeträge zur Verfügung haben. Das wird die Herausforderung der nächsten Monate werden.

LAOLA1: Wie läuft die Sponsoren-Suche?

Straka: Ich versuche jeden Tag, neue Firmen anzusprechen, schaue dabei fast ausschließlich international. Die erhöhte weltweite TV-Ausstrahlung bringt der Erste Bank nämlich relativ wenig. Der ist es aber wichtig, dass das Turnier langfristig existiert. Sie würde auch den Titel abtreten – das ist eine noble Geste. Es ist zugleich leichter als auch schwieriger, einen internationalen Sponsor an Land zu ziehen. Zwar hast du mehr Möglichkeiten, dafür stehst du weltweit mit vielen anderen Sportarten und im Tennis speziell mit zwölf anderen 500ern in Konkurrenz. Ideal wäre ein Sponsor, der regional mit Zentraleuropa verbunden ist – das würde sich anbieten.

LAOLA1: War der Schritt zum 500er-Turnier unabdingbar?

Straka: Ich bin der vollen Überzeugung, dass Wien ein solches Top-Produkt braucht und die 500er-Kategorie ist das höchste, was man erreichen kann. Die neun 1000er-Turniere sind Traditions-Events die einfach außer Reichweite sind. Auch der Termin ist super. Mit Basel hat man nur ein zeitgleich stattfindendes Turnier. Entweder spielt ein Top-10-Spieler in Wien, Basel oder gar nicht.

LAOLA1: Heuer steigt das Turnier aber noch beim alten Termin.

Straka: Richtig. Die Stadthalle war in dieser Woche schon besetzt. Heuer ist ein Übergangsjahr.

LAOLA1: Der Vorteil an dieser Situation ist, dass dadurch Chancen auf einen Start von Roger Federer, der sonst fix in Basel spielt, noch gegeben sind.

Straka: Ich habe schon mehrfach mit ihm gesprochen – so wie auch mit allen anderen Stars. Die meisten wollen jetzt einmal abwarten, wie es bis Wimbledon bei ihnen läuft und vielleicht auch noch ein, zwei amerikanische Turniere spielen. Wenn Roger einen Lauf hat und viel gewinnt, glaube ich nicht, dass es ein Thema wird. Er hat aber gesagt, dass er unbedingt noch einmal in Wien spielen will. 2003 hat er zuletzt hier gespielt und gewonnen. Er hat sich damals nur gewundert, dass die Halle nicht ausverkauft war. Ich habe ihm versprochen, dass sie es diesmal sein wird, wenn er kommen sollte.

LAOLA1: Wie groß ist die Chance auf einen erstmaligen Start von Rafael Nadal in Wien?

Straka: Wir haben mit ihm seit Jahren ein super Verhältnis. Für uns spricht, dass er jetzt sogar um die Top 10 kämpfen muss und dringend Punkte brauchen wird. Wenn er körperlich gut beieinander ist, schaut es wohl relativ gut aus. Ihn haben wir in erster Linie ins Auge gefasst. Für die Stars es wichtig, dass so Dinge wie der Belag passen. Auf das haben wir immer Wert gelegt. In Barcelona hat Andy Murray bei einer Pressekonferenz ungefragt den Belag von Wien gelobt. Das ist natürlich eine unbezahlbare Werbung, wenn der dann mit anderen Spielern spricht. Diese klassische Mundpropaganda ist sehr wichtig. Oft sind es diese Kleinigkeiten, die entscheiden.

LAOLA1: Was habt ihr euch bei den Zuschauer-Zahlen vorgenommen?

Straka: Ich glaube, der Rekord liegt bei über 60.000 Besuchern. 9.000 Zuschauer passen in die Stadthalle, die in den letzten 40 Jahren allerdings nur zwei Mal ausverkauft war. Das erste Mal war dies Jimmy Connors zu verdanken, beim zweiten Mal beim Abschiedsspiel von Thomas Muster gegen Dominic Thiem. Wenn man es wie in anderen Städten schafft, jedes Mal die Halle voll zu bekommen, hätte man einen neuen Rekord. Das ist aber noch weit weg. Wenn wir zehn Prozent auf 55.000 Zuschauer zulegen könnten, wäre es schon eine super Sache.

LAOLA1: Was soll neben den zusätzlichen Stars die Steigerung ermöglichen?

Straka: Das Gute ist, dass die Top 4 jetzt kein Freilos mehr haben und das Programm am Montag und Dienstag dadurch wesentlich stärker wird. Am Montag schätzen wir, dass wir drei Top-20-Spieler haben könnten. Das hat dann auch einen Nachhall-Effekt. Wenn die ersten Tage schon gut besucht sind, werden auch die restlichen Tage besser.

LAOLA1: Gibt es noch weitere Wunschspieler abseits der Top 4?

Straka: Es wäre sicher schön, wieder neue Gesichter in die Stadthalle zu bekommen wie zum Beispiel einen Berdych, Dimitrov oder Kyrgios. Kurios ist, dass wir Berdych als Tschechen noch nie in Wien hatten, er aber schon mit 17 Jahren bei unserem damaligen Challenger-Turnier in Graz am Start war. Damals haben wir schon gewusst, dass der richtig gut wird.

LAOLA1: Kommt Andy Murray als Titelverteidiger zurück nach Wien?

Straka: Wenn Murray so weiter spielt, ist er bald die Nummer zwei der Welt. Das wäre schon eine tolle Sache, wenn er als Titelverteidiger oder Grand-Slam-Sieger wieder kommt. Es hat ihm im vergangenen Jahr sehr gut gefallen.

LAOLA1: Welche Veränderungen wird es bei der Infrastruktur geben?

Straka: Wir benötigen auf jeden Fall einen dritten Platz. Da stehen wir mit der Stadthalle noch in Verhandlungen. Es kann sein, dass es da für heuer noch eine Übergangslösung gibt. Grundsätzlich war die Stadthalle aber schon wie ein 500er-Turnier – da muss nicht mehr viel gemacht werden.

LAOLA1: Inwiefern hat der Song Contest positive Auswirkungen auf die Stadthalle bzw. das Turnier gehabt?

Straka: Sie haben viele kosmetische Veränderungen gemacht, von denen wir sicher auch profitieren. Das Image ist besser geworden.

Das Gespräch führte Christian Frühwald

Zum Seitenanfang»
Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen