Wie ein "wildes Pferd"

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Del Potro will Lücke zu den Top 4 schließen

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Im zweiten Anlauf hat es für Juan Martin del Potro am Sonntag in der Wr. Stadthalle geklappt.

Nachdem er sich im Vorjahr erst im Endspiel dem Franzosen Jo-Wilfried Tsonga geschlagen geben musste, gelang dem 1,98 Meter großen Argentinier der nächste Schritt bei den Erste Bank Open.

„Ich bin sehr glücklich, dass ich mein zweites Wien-Finale gewinnen konnte“, strahlte der 24-jährige, meist sehr ruhig wirkende Südamerikaner nach seinem dritten Titel in dieser Saison.

Insgesamt hat er mit dem ersten Wien-Triumph das Titel-Dutzend voll gemacht. In diesem ist auch ein Kitzbühel-Sieg zu finden. 2008 schlug er im Endspiel Jürgen Melzer.

Zemlja ließ del Potro zittern

Überraschungsmann Grega Zemlja ließ den US Open-Sieger von 2009 in der Stadthalle freilich lange zittern (Spielbericht). Vor allem im ersten Satz hatte der erste slowenische Finalist der Tour-Geschichte einige Male die Gelegenheit, dem Match eine andere Richtung zu geben.

„Ich hatte keinen guten Start in die Partie und habe viele unerzwungene Fehler gemacht“, gab del Potro zu. „Das Game zum 5:4, in dem ich drei Breakbälle abwehren konnte, war wohl entscheidend. Im zweiten Satz hat mir das frühe Break sehr geholfen.“

Turniersieg nach Verletzung

Del Potro kam zwar als Nummer eins nach Wien, als großen Titel-Favoriten sah er sich aber nicht. Schließlich war es sein erstes Turnier nach einer einmonatigen Zwangspause wegen einer Handgelenksblessur.

„Ich war einen Monat verletzt. Da ist es immer schwer, wenn man dann wieder beginnt. Zudem hatte ich in Wien als Nummer eins den ganzen Druck auf meinen Schultern.“

Umso mehr freute es del Potro, dass es diesmal geklappt hat. „Ich war 2011 schon knapp dran und habe das Finale verloren. Dieser Titel hilft mir sicher, noch mehr Selbstvertrauen für die nächsten Monate mitzunehmen.“

Angriff auf die Top 4

Und dieses Selbstvertrauen wird er brauchen. Schließlich ist es sein großes Ziel, endlich zu den bislang unantastbaren Top 4 aufzuschließen. Roger Federer, Novak Djokovic, Rafael Nadal und Andy Murray sind schon seit Jahren das Maß aller Dinge auf der Tour.

„Diese Kluft zu den großen Vier ist sehr groß – ich und einige andere versuchen, diese Lücke zu schließen“, gibt del Potro sein großes Ziel aus. „Ich habe mein Spiel in diesem Jahr stark verbessert und ich freue mich schon darauf, noch ein bisschen besser zu werden.“

Del Potro sieht sich selbst als größter Herausforderer der Top 4. Schließlich hat er nach diesem Quartett die wenigsten Turniere auf der Tour absolviert.

Und trotzdem ist er als Siebenter beinahe schon der erste Verfolger. Der aktuelle Weltranglisten-Fünfte David Ferrer hat beispielsweise mit 22 Turnieren drei mehr gespielt als der Gaucho.

Dank an die Eltern

Dass die Tennis-Fans Juan Martin del Potro überhaupt regelmäßig auf dem Platz bewundern dürfen, haben sie seinen Eltern zu verdanken.

"Meine Eltern haben mir viel geholfen", erzählte der Sohn eines Tierarztes und einer Lehrerin. "Sie haben mir die Wahl überlassen, was ich in meinem Leben machen will. Ich habe mich für Tennis entschieden – das war anscheinend eine gute Wahl."

Was die Alternative gewesen wäre? "Fußballer natürlich!", grinste der große Fan der Boca Juniors.

Del Potro bedeutet "starkes Pferd"

Für del Potro, im Spanischen bedeutet dieser Name "wildes, starkes Pferd", geht es nun weiter nach Basel. Danach folgen das ATP-1000-Turnier in Paris-Bercy und - bei erfolgreicher Qualifikation - das World Tour Finale in London.

"In den nächsten beiden Wochen muss ich noch gut spielen, damit die Masters-Qualifikation gesichert ist. In Wien habe ich aber einen großen Schritt dorthin gemacht."

Nach 2008 und 2009 wäre es die bereits dritte Teilnahme für del Potro. 2009 musste er sich erst im Endspiel dem Russen Nikolay Davydenko geschlagen geben.

Aber schließlich hat es auch in Wien erst im zweiten Anlauf geklappt.

Christian Frühwald

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