"Eine Nervosität ist natürlich vorhanden"

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Clemens Trimmel ist der neue starke Mann im österreichischen Tennis.

Als ÖTV-Sportdirektor und Davis-Cup-Kapitän in Personalunion soll der 33-jährige Wiener in der heimischen Szene für wichtige Impulse sorgen.

LAOLA1 weiß, was Trimmel zu sagen hat über...

...die Riesenverantwortung, die er mit gerade mal 33 Jahren übernimmt:

Eine Nervosität ist natürlich vorhanden. Diese wirkt allerdings nicht hemmend, sondern ich freue mich auf die Herausforderung. Wenn wir alle an einem Strang ziehen, können wir viel bewegen. Das wird aber nicht von heute auf morgen passieren. Es gibt gewisse Strukturen, die einfach gegeben sind. Man muss schauen, was man verbessern kann.

...die Pläne für die nächsten drei Jahre:

Wir versuchen, ein professionelles Umfeld zu schaffen, damit der Nachwuchs an die Weltspitze gelangen kann. Man muss sich das jetzt alles erst einmal anschauen und dann Konzepte entwickeln, die wir im zweiten oder dritten Jahr umsetzen können. Ziel muss sein, im Davis Cup ins Viertelfinale und im Fed Cup wieder in die Weltgruppe zu kommen. Wir brauchen auch starke Jugend-Nationalteams.

...grundsätzliche Ideen:

Wir haben das Problem, dass die Südstadt derzeit nicht als dieses nationale Leistungszentrum gesehen wird. Zu meiner Zeit war es als Jugendlicher etwas ganz Besonderes in die Südstadt zu kommen. Dort müssen wir wieder hin. Wir brauchen die besten Spieler und Trainer in der Südstadt. Erfolg kann man nicht garantieren, wir wollen aber das bestmögliche Umfeld schaffen.

...prominente Trainer aus dem Ausland

Man sollte zuerst schauen, ob es in Österreich Leute gibt, die solche Aufgaben übernehmen können. Dann muss man auch international die Augen offen halten. Ideal wäre jemand, der schon internationale Erfahrung vorweisen kann. Das ist natürlich alles eine Kostensache. Wichtig wäre auch, dass diese Person Deutsch spricht. Das hilft natürlich im Umgang mit den Jugendlichen. Zwischen 14 und 18 ist ein heikles Alter.

...Joki Nyström als möglichen Davis-Cup-Assistenz-Coach?

Das ist durchaus ein Thema. Darüber wird es Gespräche geben. Natürlich in enger Absprache mit den Spielern.

...externe Förderungen?

Wenn die finanziellen Mittel da sind, soll man junge Talente fördern. Auf der einen Seite wollen wir das nationale Leistungszentrum. Das heißt aber nicht, dass wir gegen Landesverbände oder private Institutionen arbeiten. Wenn es da Möglichkeiten zur Kooperation gibt, bin ich der Erste, der das will.

...seinen Nobody-Status?

Der Verband ist auf mich zugekommen. Ich habe das Anforderungsprofil, um diesen Job auszüben. Ich komme aus der Tennis-Schiene, habe aber auch eine wirtschaftliche Ausbildung. Das zu kombinieren ist eine tolle Aufgabe.

...seine unglückliche Profi-Karriere?

Wehmut ist natürlich dabei, aber im kontrollierten Rahmen. Wenn ich in der Stadthalle sitze, breche ich nicht in Tränen aus. Ich war nach meiner aktiven Zeit im Gegensatz zu vielen anderen weiter tennis-interessiert. Der Sport konnte ja nichts dafür, dass ich verletzt war.

... die zukünftige Rolle von Gilbert Schaller?

Ich halte von Gilli als Mann auf dem Platz relativ viel. Er ist ein hervorragender Trainer. Ich kenne den laufenden Vertrag nicht, es wird aber sicher Gespräche geben. Wenn man solche Leute mit internationaler Erfahrung einbringen kann, ist das immer gut. Ich möchte Gilli auf jeden Fall im Trainerteam halten. Ich weiß aber noch nicht, wie er meine Besetzung sieht.

...die Einbindung von ehemaligen Profis?

Mein großes Vorbild ist der französische Verband. Der hat natürlich mehr Geld als wir. Die Franzosen beziehen alle ehemaligen Spieler ein – in welcher Position auch immer. Das ist meine Vision. Viele haben wir nicht, aber die, die wir haben, sollten wir versuchen, ins Tennis einzubringen. Zwingen kann man natürlich niemanden. Den Kontakt muss man aber einmal aufnehmen.

…die geplante Internationalisierung der Südstadt?

In erster Linie sind die nationalen Spieler wichtig. Mittlerweile sind wir aber auf einem globalen Markt. Damit wir als Verband nicht den Anschluss verlieren ist es gut, wenn internationale Leute bei uns trainieren. Dafür muss aber auch ein optimales Angebot da sein. Da geht es nicht nur um Coaches sondern auch um medizinische, mentale oder schulische Betreuung. Das Setup muss passen.

...fehlende Kommunikation

Schon zu meiner Zeit war die Kommunikation oft nicht vorhanden. In der letzten Woche war ich mit den Davis-Cup-Spielern essen. Die freuen sich, wenn man mit ihnen redet und Themen offen anspricht. Ich hatte das Gefühl, dass die sehr froh waren, dass man sich einmal gemeinsam hinsetzt. Ich werde auch versuchen, dass sich der Verband nach außen besser präsentiert. Der Verband muss eine Marke werden. Ich weiß von meinem jetzigen Unternehmen, wie wichtig Image-Bildung ist. Der Verband hat ein eher negatives Image und das muss man aufpolieren. Dann ist es auch leichter, Sponsoren zu finden. (Anm.: Trimmel hat 2008 seine Diplomarbeit über Sport-Sponsoring im österreichischen Tennis-Profi-Sport geschrieben)

…die Beschwerden der zu geringen externen Förderungen

Es wird immer Nörgler geben. Man wird nie ganz Tennis-Österreich befriedigen können. Das gelingt keinem Politiker und keinem Fußball-Teamchef. Du kannst nicht alle glücklich machen. Wenn du Spieler A Geld gibst und Spieler B nicht, ist der natürlich sauer. Du kannst aber ein bisschen was mit Kommunikation abfedern.

Aufgezeichnet von Christian Frühwald

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