Das Pendel schlägt wieder nach unten aus

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Als Favorit war Österreichs Davis-Cup-Team nach Kasachstan geflogen.

Mit einer 1:3-Niederlage im Gepäck ist das ÖTV-Team Montagfrüh vom Weltgruppen-Länderkampf aus Astana abgereist.

Dazwischen liegt ein Erstrunden-Duell, das nicht nach dem Geschmack von Jürgen Melzer und Co. sowie der rot-weiß-roten Tennis-Fans verlaufen ist.

Nun muss man sich wieder nach unten orientieren, im Herbst geht es wieder einmal gegen den Abstieg aus dem Kreis der 16 weltbesten Nationen.

"Es gibt keine Weltrangliste"

Die Bilanz nach vier gespielten Matches: ein Doppelsieg und nur ein Satzsieg in drei Einzeln - und ein kasachisches Team, das sehr wohl besser gespielt hat, als es die Weltrangliste besagt.

Die sogenannte Papierform zählt eben gerade im Davis Cup wenig. "Für mich hat sich bestätigt, was ich immer schon gesagt habe: Im Davis Cup gibt es keine Weltrangliste. Der Davis Cup hat eine ganz starke emotionale Seite. Wenn man diese emotionale Seite in einem Heimspiel abrufen kann, dann kann man über sich hinauswachsen", lautete die Analyse von ÖTV-Präsident Ronnie Leitgeb im Gespräch mit der APA - Austria Presse Agentur.

Erinnerung an bessere Tage

 "Man darf nicht vergessen: so ist auch Österreich berühmt geworden mit unseren Heimspielen im Praterstadion gegen Amerika oder im Radstadion gegen Schweden", erinnerte Leitgeb an frühere Glanzzeiten.

"Wir haben uns damals als kleine Nation mit viel Nationalstolz in diese Weltgruppe reingespielt und dort etabliert."

Weder die Enttäuschung über das Abschneiden, noch die Tatsache, dass Jürgen Melzer als Weltranglisten-30. nicht seine Bestleistung abrufen konnte, wollte Leitgeb verheimlichen.

In Zagreb trifft er als dortige Nummer vier nach einem Freilos auf einen Qualifikanten oder den Inder Somdev Devvarman.

"Das Beste, was man machen kann, ist Matches gewinnen", ist Melzers Rezept, um den Rückschlag von Astana wegzustecken. Nach Zagreb geht es für ihn zur Titelverteidigung nach Memphis, danach erstmals nach Acapulco sowie nach Indian Wells und Miami.

Zukunft entscheidet sich am 10. April

In Sachen Davis Cup muss man nun die Auslosung am 10. April abwarten, bis dahin werden am Wochenende davor auch noch die Zonen-Gewinner für das Play-off vom 13. bis 15. September ermittelt.

Zusätzlich in den Auslosungs-Topf kommen alle Erstrunden-Verlierer der Weltgruppe. "Ich hoffe, dass wir ein Heimspiel haben. Im Herbst sind wir von den Möglichkeiten her viel besser aufgestellt, irgendwo ein attraktives Heimspiel zu organisieren. Von St. Pölten über Pörtschach, Wien und Kitzbühel gibt es da viele Möglichkeiten, aber zunächst brauchen wir das Heimspiel", sagte Leitgeb.

Mängel im Einzel

Für die fernere Zukunft sieht der gebürtige Mödlinger als große Aufgabe des Tennisverbands in den kommenden zwei, drei Jahren, "das Potenzial an möglichen Singlespielern für unser Davis-Cup-Team zu erhöhen, damit wir nicht nur die Abhängigkeit von ein oder zwei Spielern haben."

Es gelte die Jungen wie Dominic Thiem, Gerald Melzer oder Michael Linzer gezielt an den Davis Cup heranzuführen.

Derzeit sei man im Doppel extrem gut aufgestellt, aber im Einzel fehle es.

Abhängig von Melzer

Auch Österreichs Team hängt stark von der Performance seiner Nummer eins ab.

"Aber das ist in fast jedem Land so. Wenn wir uns die Weltgruppe anschauen: Kanada steht und fällt mit Raonic, die Schweiz mit Federer. Das ist jetzt nicht das Thema für mich", erklärte der ÖTV-Präsident und Manager von Melzer.

Sein Schützling habe auf Sand nicht sein Konzept gefunden, dies gelte es zu analysieren.

"Es ist enttäuschend"

Melzer selbst will diesen Davis Cup so schnell wie möglich abhaken. "Wir sind eine Nation, die immer gependelt ist. Klar ist es enttäuschend, aber jetzt müssen wir schauen, gegen wen wir im September spielen", sagte der Deutsch Wagramer, für den es am Montag nach dem Rückflug direkt mit dem Auto zum ATP-Turnier nach Zagreb weiterging.

"Eine Davis-Cup-Woche ist immer für einige Zeit im Kopf drinnen, vor allem so eine", gestand der 31-jährige Melzer.

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