Melzer: "Ich will bei Olympia Doppel spielen"

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Es war einer der wichtigsten Siege von Jürgen Melzer in dieser Saison.

Der 30-jährige Niederösterreicher hat den Kampf gegen die Zeit gewonnen und ist rechtzeitig für das ATP World Tour Finale in London wieder fit geworden.

Nach einem zehntägigen Urlaub auf den Malediven mit Freundin Iveta Benesova und Physiotherapeut Jan Velthuis absolvierte Melzer auch den „Stresstest“ in Marbella mit Davis-Cup-Kapitän Clemens Trimmel nach Wunsch.

Der Rücken ist wieder  schmerzfrei, seinem Antreten beim Doppel-Masters an der Seite des Deutschen Philipp Petzschners steht nichts mehr im Wege.

Im LAOLA1-Interview spricht Melzer über die Vorteile seiner Verletzung, seinen Olympia-Fahrplan und er erklärt, warum für ihn das olympische Motto in London keine Wertigkeit besitzt.

LAOLA1: Wie geht's dir mit deiner Rückenverletzung?

Jürgen Melzer: In Marbella habe ich einen ersten Stresstest absolviert. Am ersten Tag habe ich eine Stunde gespielt und am zweiten Tag eineinhalb Stunden.  Ich bin wieder schmerzfrei. Das ist das Wichtigste. Man wird sehen, wie sich das Ganze in einem echten Match anfühlt. Ich bin aber guter Dinge, dass alles in Ordnung ist. Ein Masters will man sich natürlich nicht entgehen lassen.

LAOLA1: Wie hat sich das Training in Marbella mit Davis-Cup-Kapitän Clemens Trimmel eigentlich ergeben? War das schon länger geplant?

Melzer: Sein ehemaliger Chef hat dort sein Haus und Clemens war auf Besuch. So hat sich das Ganze ergeben.

LAOLA1: Wird es in Zukunft öfters derartige Zusammentreffen mit Trimmel geben?

Melzer: Wenn es sich ergibt, auf jeden Fall. Das ist ja auch die Aufgabe eines Davis-Cup-Kapitäns, dass er sich einmal anschaut wie die Spieler trainieren. Das wird sicher öfters vorkommen, aber natürlich nicht nur mit mir.

LAOLA1: Die letzten Monate waren für dich ziemlich turbulent und liefen nicht immer nach Wunsch. Wie wichtig war es da für dich, auf den Malediven wieder etwas den Kopf freizubekommen und Kraft für die neue Saison tanken zu können?

Melzer: Es war das Ziel vom Urlaub, dass man den Körper wieder hinkriegt und im Kopf abschalten kann. Ich musste wieder frisch werden und den Sport richtig vermissen. Das ist uns auch gut gelungen.

LAOLA1: Inwiefern hat dieser Zwangsurlaub deinen Plan auf die Vorbereitung verändert?

Melzer: Ich werde schon nach London mit der Vorbereitung auf die neue Saison anfangen. Wie und wo genau, werden wir in einem Meeting mit Ronnie (Anm.: Leitgeb), Joki (Nyström), Jan (Velthuis) und Michi Buchleitner in den nächsten Tagen abklären. Wir haben auf jeden Fall zehn Tage gewonnen, die man natürlich sehr gut nützen kann. Der Vorteil ist, dass ich dadurch in der ersten Jahreswoche spielen kann. Ich werde in Brisbane beginnen.

LAOLA1: Du kannst aus der Verletzung also auch einige positive Dinge mitnehmen.

Melzer: Natürlich hat es auch Vorteile gebracht. Der Nachteil ist, dass ich die Saison wahrscheinlich nur als Nummer 33 der Welt abschließen werde  und dadurch bei den Australian Open nicht gesetzt bin, falls keiner absagt. Ich hatte aber einfach nicht die Möglichkeit, noch in Basel und Paris zu spielen. Deshalb muss ich es nehmen, wie es ist.

LAOLA1: Wie sind die Erwartungen für London?

Melzer: Ich habe jetzt zwei Wochen nicht gespielt. Dabei sein ist sicher nicht alles. Im Vorjahr konnte „Petzsche“ zehn Wochen vorher nicht spielen und selbst da haben wir ein Match gewonnen. Wir sind gut genug, um uns für das Halbfinale zu qualifizieren.

LAOLA1: Das World Tour Finale wird von der ATP mit einer richtigen Show zelebriert. Ist das Turnier dadurch etwas ganz Besonderes?

Melzer: Klar. Es macht unglaublich viel Spaß. Deshalb wollte ich auch unbedingt in London dabei sein. Man bekommt nicht oft die Chance, vor so vielen Leuten und so einer tollen Inszenierung zu spielen. Das ist der Grund, warum man Tennis spielt.

LAOLA1: Zudem ist der Doppelbewerb in den Turnierverlauf so gut integriert wie sonst wohl nirgends.

Melzer: Genau, das kann man durchaus so sagen. Auf der ATP-Tour läuft der Doppelbewerb bei kleineren Turnieren oft nur so nebenbei mit. Bei den Grand-Slam-Turnieren ist er auch gut integriert, aber in London ist es schon einzigartig. Andererseits ist es natürlich das Flaghship der ATP. Wenn sie es hier nicht schaffen, wo sonst?

LAOLA1: Wie schaut dein Doppelplan für Olympia aus? Oliver Marach und Alex Peya haben sich gerade deshalb für einen gemeinsamen Start in die nächste Saison entschieden.

Melzer: Wenn ich den Top 10 stehe, kann ich mir meinen Partner aussuchen. Wir haben untereinander viel gesprochen. Man wird sehen, wer sich mit wem qualifiziert und wie das Ganze dann ausschaut. Ich will auf alle Fälle Doppel spielen. Ich habe schließlich schon einmal in Wimbledon gewonnen. Ich gehe mal davon aus, dass derjenige spielen wird, der im Ranking am weitesten vorne steht. Natürlich muss man aber auch schauen, wer mit wem am Besten zusammenpasst.

LAOLA1: Eine Möglichkeit wäre auch noch Julian Knowle.

Melzer: Den darf man sicherlich auch nicht abschreiben, wenn er sich im Ranking wieder verbessern kann. Julian stand in Wimbledon schließlich auch schon mal im Finale. Nach den French Open ist jedenfalls der Stichtag. Ich glaube, dass ich nicht so schlechte Karten habe. Der US-Open-Sieg und auch der Titel in Stuttgart sind bei mir auf jeden Fall dabei. Das sind schon mal 2.250 Punkte. Ich will aber keinen übergroßen Konkurrenzkampf vom Zaun brechen. Dafür kennen wir uns alle zu gut.

Das Gespräch führte Christian Frühwald

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