Aufmacherbild

Thiem verliert in Runde eins

Unter den Klängen des Rock-Klassikers "I want it all" der Gruppe "Queen" ist Thomas Muster am Montag erstmals seit 13 Jahren auf den Center Court in Kitzbühel einmarschiert.

Und ein fast volles Stadion mit rund 4.000 Fans begrüßte die österreichische Sportlegende in jener Arena, die seinerzeit hauptsächlich für ihn gebaut worden war, auch dementsprechend frenetisch.

Dass der Auftritt des 43-jährigen Steirers gegen den Weltranglisten-43. dann beim 3:6,0:6 nur 66 Minuten dauerte, wirkte sich doch ein wenig auf die Stimmung im Publikum aus.

Muster und Publikum voneinander beeindruckt

Auch wenn man wie im Songtitel angedeutet "alles will", das Rad der Zeit zurückdrehen, ist eben ein Ding der Unmöglichkeit. Doch Muster präsentierte sich in ausgezeichneter körperlicher Verfassung, beeindruckte mit dem ihm eigenen Kampfgeist. Freilich hingen gegen Kohlschreiber die Trauben bei weitem zu hoch. Von der Stimmung her war es aber zumindest zu Beginn wie in alten Zeiten.

"So viele Menschen hat der Center Court wohl beim Hansi Hinterseer zum letzten Mal gesehen. Nicht, dass ich mich mit ihm vergleichen will", scherzte Muster, der davon beeindruckt war.

"6:0 geht in Ordnung"

"Es war ziemlich sicher mein letztes Einzel-Match hier auf dem Center Court. Den Respekt zu kriegen, ähnlich wie in der Stadthalle, das ist enorm", freute sich der frühere Weltranglisten-Erste und 44-fache Turniersieger. "Sportlich gesehen war ich im ersten Satz zu schnell 0:3 hinten. Auch das 6:0 geht in Ordnung, bevor ich ein Game geschenkt gekriegt. So weiß ich, jeder Punkt und jedes Game, das ich gemacht habe, ist erkämpft. Das ist auch der Reiz daran."

Allerdings gestand Muster auch ein, dass es "in dieser Liga" für ihn "nichts zu holen gibt". "Auf der Challenger-Ebene von 70 aufwärts ist es in den letzten Partien immer offen gewesen", sagte der Leibnitzer. Gegenüber dem bisher einzigen Auftritt auf ATP-Tour-Ebene nach seiner "Rückkehr" im vergangenen Herbst in der Wiener Stadthalle habe er sich dennoch wesentlich verbessert.

"Man soll gewisse Dinge nicht ausreizen"

Sein "Projekt" war eigentlich immer bis zum 45. Geburtstag ausgelegt, dennoch ließ Muster anklingen, dass er es im Jahr 2012 nicht mehr ganz so intensiv wie heuer betreiben werde. "Nächstes Jahr soll jemand anderer die Wildcard haben. Man soll gewisse Dinge nicht bis zum Ende ausreizen und auslutschen. Ich habe meine Chance gekriegt. Man muss irgendwann sagen, es hat Spaß gemacht und man hat sich ins Zeug gehaut."

Lehrstunde für Thiem

Für Dominic Thiem kam bei seiner Premiere auf der ATP-Tour in Kitzbühel ebenfalls wie erwartet das Aus in der ersten Runde.

Der erst 17-jährige Jungstar aus Niederösterreich musste sich dem Weltranglisten-80. Daniel Gimeno-Traver aus Spanien nach 66 Minuten mit 4:6,2:6 geschlagen geben.

Thiem, der heuer bei den French Open das Junioren-Finale erreicht hat, war nur dank einer Wildcard im Hauptbewerb.

Er liegt im ATP-Ranking derzeit noch auf Platz 918.

Thiem hält bis zum 4:4 mit

Thiem konnte dabei aber vor allem im ersten Satz nicht zuletzt dank einer sehr starken Aufschlagleistung zeigen, was in ihm steckt.

Bis zum 4:4 hielt der Lichtenwörther mit, überzeugte mit krachenden Aufschlägen bis zu 220 km/h und auch in den wenigen Rallyes des Spiels war sein Potenzial sichtbar.

Gimeno-Traver war freilich dennoch noch zumindest eine Nummer zu groß für den österreichischen Nachwuchsstar.

"Wie ich reingegangen bin, war es ein Wahnsinn. Mir ist die Gänsehaut gekommen, vor so vielen Leuten habe ich noch nie gespielt", beschrieb Thiem seine Emotionen nach seinem ersten Aufmarsch auf einen großen Center Court auf der Tour.

Thiem hadert mit seinem Aufschlag

Der Spielverlauf war ab dem 4:4 freilich nicht nach Geschmack des Niederösterreichers.

"Dadurch, dass die Quote vom ersten Aufschlag gegen Ende des ersten Satzes und am Beginn des zweiten schlechter geworden ist, ist mir das Match aus den Händen geglitten", sagte Thiem, der bei sich den Return als größte Schwäche konstatierte.

"Die Junioren servieren konstant mit 30 km/h langsamer und viel unplatzierter. Das war extrem schwer, mich da drauf einzustellen", stellte er einen großen Unterschied zum Tennis bei den "Großen" fest.

Für seinen ersten Einsatz von etwas mehr als einer Stunde kassiert Thiem sein erstes Preisgeld auf der ATP-Tour in Höhe von 4.120 Euro.

Bresnik mit seinem Schützling zufrieden

Sein Betreuer Günter Bresnik war letztlich zufrieden mit der Premiere Thiems.

Bei jenem Turnier, bei dem sich am Wochenende sein langjähriger Schützling Stefan Koubek in die sportliche Rente verabschiedet hat, ist das nächste heiße Eisen im Feuer erstmals aufgetreten.

"Es war auf keinen Fall enttäuschend. Letztlich ist es doch so, dass er weit unter seinen Möglichkeiten geblieben ist. Der erste Aufschlag war vom Tempo her super, die Quote war aber viel zu nieder. Katastrophal ist der Unterschied in der körperlichen Verfassung und beim Return", sagte Bresnik, der natürlich an den zuletzt genannten Punkten in der näheren Zukunft die meiste Arbeit auf Thiem zukommen sieht.

In den turnierfreien Zeiten werde man den Schwerpunkt auf körperliche Arbeit legen, wie auch schon in den vergangenen vier Wochen nach Wimbledon.

Durchaus möglich, dass Thiem auch beim Erste Bank Open in der Wiener Stadthalle seine nächsten Tour-Auftritt hat.

"Ich möchte niemandem vorgreifen, aber ich glaube, dass Herwig Straka (Wien-Turnierdirektor, Anm.) ihn sicher ganz vorne im Hinterkopf hat", erklärte Bresnik mit einem Lächeln.

Mehr zum Thema Zum Seitenanfang»