"Ich kann das noch nicht begreifen"

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Der 19-jährige Dominic Thiem gewinnt im Achtelfinale des ATP-Turniers in Kitzbühel das ÖTV-Duell gegen Jürgen Melzer sensationell 7:5, 6:3.

Thiem, in der Gamsstadt mit einer Wildcard ausgestattet, startet mit einem sogenannten "Love-Game" perfekt in die Partie und schafft es bis zum 6:5 drei Mal, dass Melzer keinen Punkt bei seinem Service macht.

Offener erster Satz

Aber auch Österreichs Nummer 1 hat lange bei eigenem Aufschlag keine großen Schwierigkeiten.

Als es allerdings darum geht, sich bei 5:6 ins Tiebreak zu spielen, lässt Melzer zwei Breakchancen – die ersten der Partie - zu und Thiem kann gleich die erste zum Satzgewinn verwandeln.

Schnelle 5:0-Führung

Im zweiten Satz serviert Thiem erneut vorne weg und erarbeitet sich bei Melzers erstem Service-Game zwei Breakbälle.

Ein Doppel-Fehler des 32-jährgen Routiniers, der erstmals nach seiner Nierenkolik Anfang Juli ein Einzel-Match bestreitet, bringt dem Youngster das 2:0.

Der Weltranglisten-268. nimmt seinem österreichischen Idol auch den Aufschlag zum 4:0 und schafft den Game-Gewinn zum 5:0. Im folgenden Game kann Melzer einen Matchball abwehren und schreibt erstmals im zweiten Satz an.

Die Sache mit dem Ausservieren

Als Thiem das erste Mal zum Matchgewinn serviert, beginnen die Nerven des Youngsters ein wenig zu flattern und er kassiert das erste Break.

Melzer kommt auf 3:5 heran und kann sich drei weitere Breakchancen auf das 4:5 erspielen, die sein niederösterreichischer Landsmann aber allesamt abwehrt.

Nach 1:16 Stunden verwandelt Thiem seinen zweiten Matchball zum vielumjubelten Einzug ins Viertelfinale.

„Fast noch in die Hose gegangen“

„Ich kann das noch nicht begreifen. Meine Gedanken sind leer. Ich bin überglücklich, dass ich das Match gewonnen habe“, sucht der Überraschungsmann nach seinem sensationellen Sieg nach Worten.

„Ich bin super locker rein gegangen, wie ich es mir vorgenommen habe. Wie es zum Ausservieren gekommen ist, ist die Hand schwerer als alles andere geworden“, lässt der Lichtenwörther das Match Revue passieren. „Zum Schluss ist es fast noch in die Hose gegangen.“

Zur Stimmung am Center Court meint er:  „Die Stimmung war ziemlich fair. Natürlich tut es ein bisschen weh, gegen ihn zu gewinnen, weil er ein Idol von mir ist. Gegen jeden anderen wäre es schöner gewesen.“

„Er hat verdient gewonnen“

Melzer ist nach seiner Niederlage enttäuscht, sucht aber nicht nach Ausreden: „Ich muss mit allem unzufrieden sein.“

Für seinen jungen Kontrahenten ist er voll des Lobes:  „Er hat gut gespielt und verdient gewonnen. Ich freue mich, dass wir einen Jungen haben, der nach oben kommt und so Tennis spielen kann.“

In seinem ersten ATP-Viertelfinale trifft der Thiem auf Albert Montanes (7). Der Spanier ringt den Rumänen Victor Hanescu 7:6(2), 3:6, 7:6(5) nieder.

„Wird ein extrem hartes Match“

„Es wird ein extrem hartes Match. Er ist, glaube ich, einer der zehn besten Sandplatzspieler der Welt. Hat auch schon Roger Federer auf Sand geschlagen“, weiß der Sensationsmann, was ihn in der nächsten Partie erwartet.

Für Melzer beginnt nach dem Doppel-Bewerb in Kitzbühel, in dem er mit Bruder Gerald im Viertelfinale steht, in Montreal die Hartplatzsaison.

Nach einer Sandsaison „zum Vergessen“, erwartet sich Melzer für diese „einiges mehr“.

Für Andreas Haider-Maurer ist in Kitzbühel im Achtelfinale Endstation.

Der Niederösterreicher unterliegt dem als Nummer zwei gesetzten Argentinier Juan Monaco glatt in zwei Sätzen 3:6, 4:6.

Im ersten kann Haider-Maurer gleich zu Beginn drei Breakbälle abwehren, muss allerdings seinen Aufschlag zum 2:3 abgeben. Zwei Doppel-Fehler in Folge besiegeln das 3:6.

Break-Orgie

Im zweiten Durchgang sehen die zahlreichen Zuschauer am Center Court eine wahre Break-Orgie.

Haider-Maurer kann mit etwas Hilfe vom Netzband seine erste Breakchance zur 2:1-Führung nutzen.

Auf das prompt kassierte Rebreak antwortet der Weltranglisten-91. zwar mit seinem zweiten Break zum 3:2, der Argentinier nimmt im Gegenzug allerdings Haider-Maurer zum vierten Mal den Aufschlag ab.

Nachdem der Österreicher erneut das Break zur 4:3-Führung schafft, muss er sein Service gleich wieder abgeben.

Monaco bringt dann zum ersten Mal seit insgesamt sechs Games einen Aufschlag durch und geht 5:4 in Führung.

Haider-Maurer kann bei eigenem Aufschlag zwar zwei Matchbälle abwehren, nach 1:15 Stunden nutzt der Kitzbühel-Sieger 2007 aber seine dritte Chance auf den Matchgewinn.

„Hätte mir dritten Satz verdient“

„Speziell im zweiten Satz habe ich schlechter serviert. Von der Grundlinie habe ich mich besser gefühlt als gestern. Ich hätte mir zumindest einen dritten Satz verdient“, sagt Haider-Maurer nach der Partie.

Wirklich unzufrieden ist er aber nicht: „Mir hat es Spaß gemacht. Ich kann mich nicht erinnern, dass einmal so viele Leute am Center Court waren.“

Im Viertelfinale des mit 410.200 Euro dotierten Sandplatz-Turniers trifft Monaco auf Daniel Gimeno-Traver. Der Spanier setzt sich gegen den tschechischen Qualifikanten Jan Hajek 6:3, 6:3 durch.

Haase behält weiße Weste

Titelverteidiger Robin Haase behält seine weiße Weste.

Der Niederländer gewinnt im Achtelfinale gegen den Deutschen Daniel Brands glatt in zwei Sätzen 6:4, 6:1.

Damit feiert der zweifache "Kitz-"-Sieger in der Gamsstadt seinen elften Sieg im elften Spiel.

In der Runde der letzten Acht trifft Haase auf den Sieger des spanischen Duells Fernando Verdasco gegen Guillermo Garcia-Lopez.

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