"Pulver noch nicht veschossen"

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"Seine Ansprüche sind im Vergleich zu 2014 gestiegen"

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„Eine Schwalbe macht noch keinen Frühling“, versucht Günter Bresnik im Gespräch mit LAOLA1 die Euphorie noch etwas zu bremsen.

Aber auch der Coach kann seine Freude nicht verhehlen, dass Dominic Thiem scheinbar wieder den Weg auf die Erfolgsspur gefunden hat.

„Wenn ein junger Spieler wie Dominic bei einem ATP-1000-Turnier in der zweiten Woche dabei ist, dann ist das ein schöner Erfolg“, meinte der Niederösterreicher nach dem 6:4, 6:3-Erfolgs seines Schützlings über den US-Amerikaner Jack Sock in Miami.

Bresnik-Gespräch als „Schlüssel zum Erfolg“?

Auch Thiem selbst war mit seiner Leistung zufrieden: „Es war ein gutes Match, ich habe gut serviert und zum Anschauen war es auch gut, wie ich glaube.“

„Ich bin sehr konzentriert in das Match hineingegangen, Günter und ich haben uns - wie immer - zwei Minuten vor Matchbeginn unterhalten. Diesmal aber nicht über Taktik oder Technik, sondern über etwas ganz anderes und das war mitunter der Schlüssel zum Erfolg“, hatte er für seinen langjährigen Betreuer Extra-Lob über.

„Bei Dominic mache ich mir keine Sorgen“

Der ehemalige Coach von Boris Becker volliert die Komplimente sogleich zurück: „Dominic ist ein Spieler, bei dem ich mir nie Sorgen mache. Andere brechen irgendwann weg. Der Kleine hat aber ein hohes Leidenspotenzial und ein sehr starkes Durchhaltevermögen. Es war nur eine Frage der Zeit, bis er wieder gewinnt“, spricht Bresnik über die schwierigen vergangenen Monate.

Aufgrund einer Viruserkrankung verpasste Thiem im Dezember beinahe die komplette Saison-Vorbereitung. Danach kam er in Folge nur mühsam auf Touren.

Bei sechs Turnieren setzte es vier Erstrunden-Niederlagen. Auch bei einem nach Indian Wells eingeschobenen Challenger in Texas war schon im Achtelfinale Endstation.

Training über dem Limit

„Nach dem Aus in Texas hat er drei Tage sehr, sehr hart trainiert. Das war schon fast über dem Limit. Das ist einfach seinem Willen zuzuschreiben. Der Bursche hat eine außergewöhnliche Willensstärke. Er lässt sich durch niemanden aus der Fassung bringen und zieht seine Sache einfach durch“, erklärt Bresnik, für den die nachfolgenden Siege in Miami über Diego Schwartzman, Feliciano Lopez und eben Sock dann auch „keine Überraschung“ waren.

Doch welcher Erfolg war überhaupt jener, der den Thiem-Knoten endgültig wieder zum Platzen brachte?

Mannarino ist laut Bresnik der Favorit

„Mannarino spielt zurzeit das beste Tennis seiner Karriere“, weiß Thiem, der sich vor seinem Match gegen Sock mit dem Franzosen eingeschlagen hat. „Er ist ein ausnehmend guter Linkshänder und spielt stark von der Grundlinie. Ich will nicht tiefstapeln, aber das wird ein sehr taffes Match werden.“

„Ähnlicher Spielertyp wie Rios oder Koubek“

Bresnik: „Er ist ein ähnlicher Spielertyp wie Marcelo Rios oder Stefan Koubek. Seine Vorhand hat sehr viel Spin, die Rückhand ist gerade. Er bewegt sich sehr gut und hat geschickte, schnelle Hände beim Return. Er kann vollieren und hat einen klassischen Linkshänder-Aufschlag, mit dem er sehr gut nach außen servieren kann. Damit hat er Wawrinka richtig wehgetan.“

Dementsprechend sieht er seinen Schützling auch in der Außenseiter-Position. „Mannarino ist 20 Plätze vor ihm und hat heuer deutlich mehr Partien gewonnen."

"Man darf die Erwartungen jetzt nicht ins Unendliche wachsen lassen. Dominic hat bislang ein sehr gutes Turnier gespielt, aber die Favoriten sind jetzt andere“, so Bresnik, der aber auch davon überzeugt ist: „Das Pulver ist noch nicht verschossen.“

Christian Frühwald

„Seine Ansprüche sind im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Damals hat er sich noch über die erfolgreiche Qualifikation gefreut. Wenn er jetzt gegen Schwartzman gewinnt, der für mich ein guter Spieler ist, aber im Ranking hinter Dominic steht, dann ist das für ihn auch noch nicht so gut“, so Bresnik, der Erfolg Nummer zwei schon höher bewertet.

„Der Sieg über Lopez hat einen anderen Stellenwert. Lopez hat in den vergangenen Wochen gut gespielt und ist als Nummer 12 der Welt ein Top-20-Spieler. Nach dieser Partie war er sicherlich mit sich zufrieden.“

Für Bresnik war aber vor allem die Partie gegen den ein Jahr älteren Jack Sock „eine besondere Partie. Die beiden sind Jahrgangs-Nachbarn. In Amerika war er der überragende Jugendspieler, gewann einmal die US Open und wird seitdem als kommender Top-10-Spieler gehandelt. Zudem sind beide bei adidas unter Vertrag. Das ist schon eine andere Rivalität als wie gegen Lopez.“

Französischer Wawrinka-Bezwinger

Im Achtelfinale kämpft Thiem nun am Dienstag (MEZ 17 Uhr) gegen den Franzosen Adrian Mannarino um den größten Erfolg seiner Karriere.

Der 26-jährige Franzose, der in der dritten Runde von Miami überraschenderweise den an sieben gesetzten Schweizer Stan Wawrinka eliminierte, ist zwar eher nur Tennis-Insidern bekannt, seine Entwicklung in den vergangenen Monaten ist aber beachtlich.

Seitdem er vor eineinhalb Jahren unter dem ehemaligen Profi Eric Prodon eine neue Trainingsheimat fand, schnellte er von einem Platz um die 100 auf den aktuellen 32. Weltranglistenplatz nach vorne.

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