Söderling kämpft weiter um Rückkehr auf ATP-Tour

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Eigentlich sollte Robin Söderling gut drauf sein. Schließlich hat der Schwede sein letztes auf der ATP-Tour bestrittenes Turnier in souveräner Manier gewonnen.

Im Endspiel von Bastad fegte er über David Ferrer mit 6:2, 6:2 hinweg. Insgesamt gab er im Turnierverlauf keinen Satz und nur 13 Games ab.

Das Problem an der ganzen Sache:  Das Endspiel ging am 18. Juli 2011 (!) über die Bühne. Seitdem fehlt Söderling, der damals noch die Nummer fünf der Welt war, auf der Tour.

Der zweifache French-Open-Finalist (2009, 2010) kämpft seit eineinhalb Jahren mit einer schweren Erkrankung des Pfeifferschen Drüsenfiebers.

Ähnliches Schicksal wie Mario Ancic

Erfahrungen mit dieser hartnäckigen Virus-Infektion mussten auch schon Roger Federer und Andy Roddick machen. Das Duo kam zum Glück mit einer „leichten“ Erkrankung davon.

Söderling erwischte es aber ähnlich schlimm wie seinerzeit Mario Ancic, der vor über zwei Jahren mit nur 26 Jahren seine Karriere beenden musste.

Ein ähnliches Schicksal droht nun auch dem mittlerweile 28 Jahre alten Schweden.  „Wenn es 2013 nicht klappt, muss ich wohl aufgeben“, erklärte er vor ein paar Tagen der schwedischen Nachrichtenagentur „TT“.

Achterbahnfahrt der Gefühle

Auch in einem ESPN-Gespräch zeigte sich Söderling ratlos. Durch seine Krankheit erlebe er eine ständige Achterbahnfahrt der Gefühle.

 „Manchmal fühle ich mich richtig gut. Dann beginne ich mit dem Training und schöpfe Hoffnung, dass ich bald wieder dabei sein werde. Doch dann mache ich ein bisschen zu viel und plötzlich wache ich am nächsten Morgen völlig erschöpft auf.“

Erst vor ein paar Wochen musste er einen erneuten Rückschlag hinnehmen. Nachdem er endlich wieder ins tägliche Training einsteigen konnte, zwang ihn eine heftige Grippe zu einer fast dreiwöchigen Pause.

„Insgesamt wird es sicher besser“

„In den Monaten davor habe ich mich wirklich gut gefühlt. Derartige Rückschläge schmerzen dann umso mehr“, so Söderling, der grundsätzlich trotzdem positiv bleibt und auf seine langsame, aber stetige Genesung verweist.

„Insgesamt wird es sicher besser. Ich werde es auch sicher noch einmal probieren. Ich habe aber auch schon gelernt, dass ich mit meiner Krankheit leben muss. Ganz egal was passiert: Ich muss mir nachher sicher nichts vorwerfen.“

Vaterschaft sorgt für Trost

Der 1,93 Meter große Schwede, der in seiner Karriere schon über zehn Millionen Dollar Preisgeld erspielt hat, kann sich zumindest mit einem glücklichen Privatleben trösten. Langzeitfreundin Jenni Mostrom machte ihn vor sechs Wochen zum glücklichen Vater seiner Tochter Olivia.

„Meistens schläft sie die Nacht durch. Wir haben also Glück“, lächelt Söderling, der ab und an auch mal selbst die Windeln wechselt.

„Zum ersten Mal in meinen Leben, stelle ich mich nicht mehr an die erste Stelle. Das ist ein eigenartiges Gefühl, aber es ist sehr schön. Ich habe mich mein ganzes Leben lang auf das Tennis konzentriert. Jenni und ich wollten eigentlich erst später Kinder bekommen. Jetzt weiß ich nicht, warum wir damit so lange gewartet haben.“

„Habe noch fünf gute Jahre in mir“

Für seine Jung-Familie hat Söderling in Stockholm auch ein neues, geräumiges Appartment gekauft. Geht es nach ihm, will er in den nächsten Jahren aber schon wieder vermehrt auf Reisen gehen.

„Ich will nicht, dass meine Karriere jetzt schon zu Ende geht“, gibt er sich kämpferisch. „Ich fühle, dass ich noch mindestens fünf gute Jahre in mir habe.“

Zudem hätte es auch schlimmer können. „Ich bin dankbar dafür, dass ich die Krankheit nicht schon mit 18 oder 20 Jahren hatte, sondern erst mit 27. Sollte ich jetzt aufhören müssen, hätte ich trotzdem eine ganz gute Karriere gehabt.“

Christian Frühwald

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