"Wichtigste, Intensität und Umfang richtig zu wählen"

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Salomon: Dr. Hoser, im Vergleich Trail Running – Asphaltlaufen: Ist die Verletzungsgefahr beim Trail Running höher?
 
Dr. Christian Hoser: Die Verletzungsgefahr für akute Verletzungen ist beim Trail Running höher, als beim Asphaltlaufen. Das Risiko ein Überlastungsproblem zu bekommen ist jedoch beim Asphaltlaufen deutlich höher, somit gleichen sich die Vor- und Nachteile aus. Man kann sinnhafterweise also präventive Maßnahmen für das Trail Running im Sinne von Stabilisierungsübungen machen und einfach aufmerksam Laufen bzw. das Trail Running einsetzen, um das Asphaltlaufen, also die monotone Belastung, die zu Überlastungsproblemen führt, zu minimieren.
 
Salomon: Was sollte ich beim Laufen im Gelände beachten?
 
Dr. Hoser: Gutes Schuhwerk ist sehr wichtig. Weiters sollte die Laufstrecke richtig eingeteilt werden, damit man nicht ermüdet und die Verletzungsgefahr nicht signifikant ansteigt. Durch aufmerksames Laufen kann Umknicken verhindert werden.
 
Salomon: Ist Pulskontrolle sinnvoll bzw. notwendig, und wie kann ich die Signale meines Körpers am Besten deuten und verwerten?
 
Dr. Hoser: Wenn man ganz konsequent auf ein Ziel hin trainiert, ist der Einsatz von Pulskontrolle für viele Athleten sinnvoll. Für jemanden der hobbymäßig / freizeitmäßig aus dem Gesundheitsaspekt heraus trainiert, ist die jährliche Überprüfung auf dem Laufband beim Sportarzt optimal. Dort kann man dann seine Laufgeschwindigkeit für die verschiedenen Trainingsintensitäten ermitteln und ein gutes Gefühl dafür entwickeln, wie hoch der Puls ist. In größeren Abständen sollte vielleicht immer wieder einmal eine Pulsuhr verwendet werden, um genau zu kontrollieren, wie hoch man ist.
 
Salomon: Hat Trail Running Vorteile gegenüber dem reinen Asphaltlaufen?
 
Dr. Hoser: Die Vorteile des Trail Running sehe ich in erster Linie in einer besseren Trainingswirkung auf die Stabilisationsmuskulatur am Stamm, d.h. um das Becken und in der Wirbelsäule und dadurch Verhinderung von Kreuzschmerzen und Instabilitäten im Beckenbereich.
 
Salomon: Warum glauben Sie zieht es die Menschen immer mehr in die Natur?
 
Dr. Hoser: Ich denke, dass wir uns in der Natur am natürlichsten und am wohlsten fühlen. Der Erholungseffekt ist dort sowohl psychisch als auch physisch am größten.
 
Salomon: Für wie wichtig halten Sie es, hochwertiges Equipment im Trail Running Bereich zu verwenden?
 
Dr. Hoser: Es ist mittlerweile kein Geheimnis mehr, dass hochwertiges Equipment verletzungsvorbeugende Wirkung, aber auch Komforteffekte hat, da man einfach weniger schwitzt bzw. im Regen auch trocken bleibt. Außerdem macht es mit gutem schönem Equipment mehr Spaß sich zu bewegen.
 
Salomon: Bei welchem Teil der Ausrüstung kommt es besonders auf eine gute Qualität und eine optimale Passform an? Wo sollte nicht gespart werden?
 
Dr. Hoser: Eine gute Qualität der Ausrüstung schlägt sich unmittelbar in Freude am Sport und auch in der Trainingsqualität nieder.
 
Salomon: Ist die Intensität beim Asphaltlaufen dieselbe, wie beim Trail Running?
 
Dr. Hoser: Laufen im Ebenen, also sei es jetzt Asphalt oder auf der Laufbahn, ist von der Steuerbarkeit der Intensität natürlich deutlich besser als Trail Running. Beim Trail Running wird man immer wieder Phasen mit höheren Intensitäten gefolgt von niedrigen Intensitäten (Abwärtslaufen) haben. Beides ist sinnvoll kombinierbar und kann je nach Trainingsziel eingesetzt werden.
 
Salomon: Wie sollte ein „Anfänger“ sein Training gestalten?
 
Dr. Hoser: Aus meiner Sicht ist es das Wichtigste, die Intensität und den Umfang richtig zu wählen, um Enttäuschungen durch Überlastung oder Verletzungen zu vermeiden. Ausgenommen im jugendlichen und im jungen Erwachsenenalter sind Trainingssteigerungen von einem Jahr zum anderen von mehr als 20 % für viele nicht verkraftbar. Somit ist in der ersten Saison z.B. ein 10 km Lauf als Ziel sinnvoll.
 
Salomon: Ist Trail Running grundsätzlich jedem zu empfehlen oder sollte man bestimmte körperliche oder andere Vorraussetzungen erfüllen, um einzusteigen? Wann raten Sie davon ab?
 
Dr. Hoser: Trail Running ist für Leute ohne Abnützungserscheinungen an den Gelenken und mit kontrolliertem Körpergewicht uneingeschränkt zu empfehlen. Wenn die Gelenke Probleme machen oder das Körpergewicht im oberen Bereich liegt, kann man Trail Running als Aufwärtslaufen einsetzen, die Abwärtsstrecke sollte man dann entweder langsam gehen oder eventuell mit einem Verkehrsmittel nach unten bewältigen. Wenn dann die Belastbarkeit des Körpers durch dieses Aufwärtstraining gesteigert ist, kann man sich langsam in normales Gelände mit Auf- und Abwärtsstrecken wagen.

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