ÖRV-Profis als Außenseiter in offenes WM-Rennen

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Völlig offen scheint der Ausgang des Elite-Straßenrennens der Herren zum Abschluss der Rad-WM in Ponferrada am Sonntag (10.00 Uhr).

Die Teilnehmer - unter ihnen sechs Österreicher - müssen auf 254,8 Kilometern (14 Runden) eine Höhendifferenz von 4.284 m bewältigen, der Kurs bevorzugt aber weder Sprinter noch Kletterer.

Das Ziel der ÖRV-Profis ist ein Top-Ten-Platz.

Eisel muss pokern

Bernhard Eisel ist der erfahrenste Mann im ÖRV-Sextett. 2006 hat der Steirer bei der Heim-WM in Salzburg als Elfter seine beste Platzierung erreicht.

Am Ende der Saison sieht der Sky-Profi jedoch viele Fahrer mit besserer Form. Er hat seine Erwartungen niedrig angesetzt.

"Von den Favoriten bin ich weit entfernt, ich möchte versuchen, möglichst lange mitzufahren, ich kann nur pokern."

"Sind gut aufgestellt"

Für das ÖRV-Team sei aber eine achtbare Platzierung möglich, glaubt der 33-jährige Wahl-Klagenfurter.

"Wir sind gut aufgestellt, vielleicht können wir überraschen. Wie versuchen, im Finish noch zwei Leute vorne dabeizuhaben."

Sollte einem sogar der große Coup gelingen, hat Eisel schon einen Plan. "Dann wird er mit dem Trikot zu Fuß von Santiago de Compostela (auf dem Jakobsweg, Anm.) nach Hause gehen."

Zoidl hofft auf Top Ten

Riccardo Zoidl (im LAOLA1-Interview) erwartet einen offenen Schlagabtausch. "Wenn man taktisch clever fährt, kann man da schon seinen Nutzen daraus ziehen", meinte der 26-jährige Oberösterreicher, dessen Schweizer Trek-Teamkollege Fabian Cancellara zum großen Favoritenkreis zählt.

Er selbst sei zum richtigen Zeitpunkt in Form gekommen. "Zuletzt habe ich vor allem versucht, meine Spitzigkeit zu verbessern", sagte Zoidl angesichts des kurzen, zweiten Anstiegs auf dem 18-km-Rundkurs, auf dem eine Vorentscheidung fallen könnte.

Ein Top-Ten oder Top-15-Rang sei für einen des Sextetts durchaus drinnen.

Gute Form

Auch Matthias Brändle, der zweifache Etappensieger der Großbritannien-Tour, und Georg Preidler sind sehr gut in Form.

Der Vorarlberger könnte sich wie schon so oft einer Fluchtgruppe anschließen.

Der Steirer, ansonsten im Giant-Team oft Helfer der Stars wie John Degenkolb (GER) und Tom Dumoulin (NED), kann diesmal auf eigene Rechnung fahren. Die Debütanten Marco Haller (Sprinter) und Patrick Konrad (Kletterer) ergänzen das Team von Nationaltrainer Franz Hartl.

Spanien will Heim-Titel

Gastgeber Spanien wartet schon seit dem dritten Titelgewinn von Oscar Freire 2004 auf einen Erfolg. Zum wiederholten Mal ruhen in der Provinz Leon die Hoffnungen auf Alejandro Valverde.

Der fünffache WM-Medaillengewinner (zweimal Silber, dreimal Bronze) hat mit 34 Jahren wohl die letzte Chance auf den Gewinn des Regenbogentrikots. 2012 und 2013 war der Movistar-Profi nach der Rückkehr von einer Dopingsperre zweimal Dritter gewesen.

Joaquim Rodriguez akzeptierte die Chefrolle seines Rivalen. Der Disput nach dem umstrittenen WM-Finish des Vorjahres, als der Portugiese Rui Costa dem Duo den Titel weggeschnappt hatte, scheint beigelegt. Vuelta-Gewinner Alberto Contador hat zum Leidwesen von Teamchef Javier Minguez, der ihn als Helfer wollte, abgesagt. Der Kurs komme ihm nicht entgegen, sagte der Star. Olympiasieger Samuel Sanchez (2008) wurde nicht berücksichtigt.

Sorgen in Italien und Deutschland

Der Großmacht Italien (vier Titel seit 2002, zuletzt 2008) fehlt diesmal ein Topfavorit. Denn Tour-Sieger Vincenzo Nibali hat seit Ende Juli nur fünf Rennen bestritten und laboriert zudem an einer kürzlich erlittenen Sturzwunde. Er soll das Team unterstützen, aus dem keiner herausragt. Sonny Colbrelli und Co. könnten dennoch für eine Überraschung sorgen.

Nicht frei von Problemen war im Vorfeld auch einer der Topfavoriten, der vierfache Vuelta-Etappensieger John Degenkolb. Der Deutsche musste wegen einer entzündeten Wunde Antibiotika nehmen.

So könnte der Champion so wie 2009 (Cadel Evans) durchaus aus Australien kommen. Der 34-jährige Simon Gerrans hat zuletzt zwei World-Tour-Rennen auf Rundkursen in Kanada gewonnen.

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