Martin erklimmt erneut den Zeitfahr-Thron

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Der Deutsche Tony Martin hat seinen WM-Titel im Einzelzeitfahren der Radprofis erfolgreich verteidigt.

Der Olympia-Zweite und Top-Favorit gewann am Mittwoch in Valkenburg nach 45,7 Kilometern 5,37 Sekunden vor dem US-Amerikaner Taylor Phinney.

Der drittplatzierte Weißrusse Wasil Kirjienka hatte bereits 1:44,99 Minuten Rückstand.

Nicht am Start waren unter anderen der vierfache Weltmeister Fabian Cancellara aus der Schweiz sowie der britische Olympiasieger Bradley Wiggins.

Starke Leistung von Zoidl

Gut verkauft hat sich Österreichs einziger Starter Riccardo Zoidl, der mit 2:57,27 Minuten Rückstand auf Rang 14 landete. Der ÖRV-Meister aus Oberösterreich sorgte damit gleich bei seinem WM-Debüt in der Elite für die beste österreichische WM-Platzierung im Einzelzeitfahren.

Die bisher besten Leistungen aus heimischer Sicht hatten Florian Wiesinger (1999) und Georg Totschnig (2002) jeweils mit Rang 30 abgeliefert.

Größter Karriere-Erfolg

"Das ist der bisher größte Erfolg meiner Karriere", meinte Zoidl, der in dieser Saison neben dem nationalen Zeitfahrtitel auch die Gesamtwertung der Tchibo Top-Rad.Liga gewann.

"Schon vor dem Rennen habe ich mich richtig stark gefühlt. Aber ich hatte auch eine große Ungewissheit, denn ich bin noch nie so ein langes Zeitfahren gefahren und wusste nicht, wie ich es mir einteilen soll. Aber das hat perfekt gepasst", sagte der 24-jährige Linzer.

ÖRV-Nationaltrainer Franz Hartl war begeistert: "Er hat sämtliche Erwartungen um Meilen übertroffen - vor allem auch seine eigenen. Riccardo hat sich das Rennen perfekt eingeteilt und dieses längste Zeitfahren seiner Karriere mit einer unglaublichen Kaltschnäuzigkeit abgespult."

Hartl und Zoidl sind sich sicher, dass vor allem im Bereich Material noch sehr viel Luft nach oben ist. "Vom Material her ist sicher noch einiges drin. Und vor allem was die Aerodynamik betrifft", erklärte Zoidl.

Contador wird überholt

Für Martin war es nach dem Titelgewinn zum Auftakt im Teamzeitfahren bereits die zweite Goldene bei den Titelkämpfen in Valkenburg. Das mit viel gesundheitlichem Pech und sportlichen Rückschlägen begonnene Jahr 2012 endete damit für den 27-Jährigen doch noch sehr versöhnlich.

Martin war vor allem im mittleren Teil der Strecke so stark unterwegs, dass er den zwei Minuten vor ihm gestarteten Mitfavoriten Alberto Contador 15,3 Kilometer vor dem Ziel überholte. Bei der ersten Zwischenzeit hatte der Wahl-Schweizer noch Rückstand auf den ehemaligen Junioren- und U23-Weltmeister Phinney gehabt.

Lange vom Pech verfolgt

Bis zum Olympia-Silber in London war Martin vom Pech verfolgt gewesen. Im April übersah eine Autofahrerin den Vorrang und beförderte Martin ins Krankenhaus. Schwere Gesichtsverletzungen sorgten für eine Zwangspause.

Die Tour de France sollte zur großen Wiedergutmachung dienen. Aber beim ersten Saisonhöhepunkt machte im Prolog erst ein zerschnittener Reifen alle Hoffnungen auf Gelb zunichte. Dann stürzte er schwer und brach sich das Kahnbein der linken Hand.

Ohne Operation und nur mit einer stabilisierenden Spezialschiene überstand Martin die nächsten Wochen und bereitete sich stark gehandicapt auf die Spiele vor.

Obwohl beim Kampf gegen die Uhr am Mittwoch einige Protagonisten fehlten, hatte der Sieg für Martin keinen geringeren Wert als im Vorjahr. "Ich bin unheimlich stolz darauf", sagte der Zeitfahr-Spezialist.

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