Auf der Suche nach dem Favoriten

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Spannend, spannender, Vuelta a Espana.

Zehn von 21 Etappen sind absolviert, dabei hätte sich längst die Spreu vom Weizen trennen sollen. Doch falsch gedacht, noch immer rechnen sich rund zehn Athleten Chancen auf den Sieg aus.

Die Dichte ist höher denn je, denn selbst schwere Etappenankünfte – ob nun kurze, selektive Schlussanstiege oder eine klassische Bergankunft – konnten für keine Selektion sorgen.

Der erste Ruhetag der Spanien-Rundfahrt bietet dennoch Gelegenheit, ein Zwischenfazit zu ziehen. Zumal das Einzelzeitfahren in Salamanca wertvolle Aufschlüsse brachte und den einen oder anderen Favoriten in den nächsten Tagen zum Handeln zwingt.

Rodriguez nicht unzufrieden

Joaquim Rodriguez, der vor dem Kampf gegen die Uhr nur eine Sekunde hinter dem Roten Trikot lag, war der große Verlierer des Sonntags und büßte als 71. auf sämtliche direkte Konkurrenten wertvolle Zeit ein. 5:24 Minuten verlor der Spanier auf Tagessieger Tony Martin, selbst durchschnittliche Zeitfahrer wie Jurgen van den Broeck (OLO) nahmen dem Katusha-Profi rund eineinhalb Minuten ab.

Etwas überraschend zeigte er sich nicht unzufrieden. „Ich habe diese Abstände erwartet. Das Gute war nicht unbedingt die Zeit, dafür aber das Gefühl, dass ich während meiner Fahrt hatte. Ich habe mich stark gefühlt, was mir Moral gibt für den Rest der Rundfahrt.“

Trotzdem fiel der zweifache Etappensieger auf Gesamtrang 14 zurück, womit er auf den nächsten Teilstücken zum Attackieren verdammt ist. Ähnlich verhält es sich mit Denis Menchov und van den Broeck, die ebenfalls einem Rückstand hinterherlaufen.

Angliru & Co. warten

Positiv für das Trio ist die Tatsache, dass es noch genügend Möglichkeiten gibt, um am Vorsprung der Rivalen zu knabbern. Schon am Mittwoch wartet eine schwere Bergankunft in Estacion de Montana Manzaneda, Samstag steht der Schlussanstieg nach La Farrapona-Lagos de Somiedo auf dem Programm.  Doch es kommt noch dicker, denn am Sonntag wartet mit dem Angliru einer der schwersten Anstiege überhaupt.

Negativ ist, dass auch die vor ihnen liegenden Fahrer allesamt starke Kletterer sind. Ob Bauke Mollema (RAB/7.), Ö-Tour-Sieger Fredrik Kessiakoff (AST/5.), Titelverteidiger Vincenzo Nibali (LIQ/4.), Dauphine-Triumphator Brad Wiggins (SKY/3.) oder Jakob Fuglsang (LEO/2.) – sie alle haben ihre Klasse auf ansteigendem Terrain bereits mehrfach bewiesen.

Ein großes Fragezeichen steht hingegen hinter Chris Froome, der sich als siebenter Profi das Leadertrikot überstreifen durfte. Der Brite überzeugte sowohl in den Bergen, als auch im Zeitfahren. Problem für den in Kenia geborenen 26-Jährigen: Er ist als Helfer für Wiggins vorgesehen.

Fluch und Segen zugleich

Nach Übernahme des Roten Trikots wollte er sich damit allerdings nicht beschäftigen. „Ich bin überglücklich. Ich hatte einen fantastischen Tag, der im Führungstrikot endete. Damit wurde ein Traum wahr!“

Für Sportdirektor Steven de Jongh ist die aktuelle Ausgangslage Fluch und Segen in einem. Durch das „Zeitfahren seines Lebens“ (de Jongh) hat sich Froome in eine komfortable Ausgangslage gebracht, wenngleich sein Boss Wiggins keinesfalls abschreibt.

„Wir dürfen nicht vergessen, dass sich Bradley bei der Tour de France das Schlüsselbein brach und operiert werden musst. Es ist wundervoll, dass er so kurz danach wieder auf so einem hohen Level fährt.“

Erst sauer, dann glücklich

Ein ähnlich hohes Niveau legt auch Jakob Fuglsang an den Tag. Der Teamkollege von Thomas Rohregger – der Tiroler verrichtet täglich wichtige Helferdienste für seinen Kapitän – hielt sich im Zeitfahren schadlos (Platz 6) und liegt damit nur zwölf Sekunden hinter Froome.

„Ehrlich gesagt: Ich war ein bisschen sauer, als ich zunächst den knappen Rückstand sah“, so der Däne, der nach dem Teamzeitfahren schon einmal in Rot fuhr. Nachdem er die Etappe sacken ließ, fiel sein Fazit deutlich positiver aus: „Ich bin richtig glücklich, auf dem zweiten Platz zu liegen.“

Die Ausgangsposition für die kommenden Berge ist damit günstig, abgesehen von Sky müssen alle weiteren Konkurrenten Zeit gutmachen. Auch für Leopard-Trek ist das ein Vorteil, da in erster Linie die britischen Kollegen für die Tempoarbeit sorgen werden.

Nibali: Wiggins ist Favorit

Indes nimmt sich Titelverteidiger Nibali, mit nur 31 Sekunden Rückstand Vierter und noch mit allen Chancen auf den Sieg, selbst aus der Schusslinie. Der Italiener gibt die Favoritenrolle ab, für ihn ist Wiggins „einer der größten Favoriten“.

Er glaubt zudem, das richtige Erfolgsrezept für eine erfolgreiche Vuelta gefunden zu haben. „Wenn ich etwas aus der letztjährigen Rundfahrt gelernt habe, dann war es, dass man solche Rennen mit Konstanz und Regelmäßigkeit gewinnt –Tag für Tag. Schließlich steht uns noch eine Menge bevor bis Madrid.“

chn

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