Mit letzter Kraft

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Froome wankt, aber er fällt nicht

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Chris Froome wankte, steht nach der letzten Bergankunft der Tour de France aber praktisch als Gesamtsieger fest.

Nairo Quintana versuchte als Gesamt-Zweiter auf der 20. Etappe von Modane nach L'Alpe d'Huez (110 km) nochmals alles, vermochte den Rückstand aber nur etwa zu halbieren.

Die letzten 109 km am Sonntag werden bei einem Vorsprung von 1:12 Minuten für Froome zu einer Triumphfahrt.

"Es war schwierig"

Der 30-jährige Profi des Teams Sky kämpfte sich 1:26 Minuten hinter dem Tages-Zweiten Quintana als Fünfter ins Ziel der fünften und letzten Bergankunft der 102. Tour-Auflage. Trotz Problemen im Schlussanstieg fixierte Froome seinen zweiten Gesamterfolg nach 2013. "Es war heute sehr schwierig, aber im Ziel sind die Emotionen nun unbeschreiblich. Es ist ein Traum, im Gelben Trikot anzukommen", jubelte der designierte Tour-Gewinner.

In die Siegerliste nach dem klassischen, 13,8 km langen Anstieg über 23 Kehren trug sich in 1.850 m Höhe der Franzose Thibaut Pinot, der Gesamtdritte von 2014, ein. "Das ist die schönste Etappe, die man gewinnen kann", freute sich der 25-Jährige nach seinem zweiten Tour-Erfolg nach 2012.

Quintana wurde mit 18 Sekunden Rückstand Etappenzweiter und wird die Tour auf den Pariser Champs Elysees am Sonntagabend (ca 19.00 Uhr MESZ) auch wie 2013 als Gesamtzweiter beenden. Vor zwei Jahren hatte er 4:20 Minuten Rückstand auf Froome gehabt.

"Die Zukunft gehört Nairo"

Unterwegs habe er durchaus Bedenken gehabt, gab Froome zu. "Aber meine Teamkollegen waren bis ins Ziel wunderbar. Nairo ist sehr stark, die Zukunft gehört ihm. Aber nächstes Jahr wird es noch ein schönes Match geben." Richie Porte (Etappen-7.) und Wouter Poels (9.) hatten ihren Chef in der schwierigen Phase im Finish tatkräftig unterstützt.

Am Ende stand der in Kenia geborene Froome als strahlender Gewinner da, neben dem Gelben Trikot übernahm er am Vorabend der Zielankunft auch das gepunktete des besten Bergfahrers. Der 25-jährige Quintana ist bester Jungprofi.

Pinot rettete aus einer Ausreißergruppe seinen Vorsprung ins Ziel, der heranstürmende Ex-Giro-Gewinner Quintana muss weiter auf seinen ersten Tour-Etappensieg warten. Er müsse früh attackieren, hatte sich Quintana aufgrund der Erfahrungen vergangener Tage vorgenommen.

Gesagt, getan. Doch dem Col de la Croix de Fer (2.067 m), der ersten der zwei Bergwertungen der höchsten Kategorie, verliefen seine zwei Angriffe noch im Sand. Wouter Poels konterte für seinen Kapitän Froome.

"Habe alles gegeben"

So blieb dem Kletter-Spezialisten, dem heuer das Fehlen eines langen Einzelzeitfahrens entgegenkam, nur noch der epische Schlussanstieg. Bald nach Beginn griff der 59 kg leichte Athlet erneut an und zog gemeinsam mit seinem Movistar-Kollegen Alejandro Valverde (ESP), dem Gesamt-Dritten, davon. Während Valverde wieder zurückfiel und Etappen-Vierter wurde, ward Quintana von den Rivalen nicht mehr gesehen.

"Ich habe alles gegeben", sagte der Giro-Gewinner von 2014. Doch Froome blieb ein Einbruch erspart und er hielt den Rückstand in Grenzen.

Als entscheidend erwiesen sich im Rückblick die 2. und die 10. Etappe. Auf der Fahrt nach Zeeland (Niederlande) hatte Quintana bei starkem Wind 1:28 Minuten eingebüßt (56.) und bei Froomes einzigem Tagessieg in La-Pierre-Saint-Martin in den Pyrenäen lag er als Dritter 1:04 Minuten zurück. "Ich habe die Tour in der ersten Woche verloren", sagte denn auch Quintana. "Allein gegen den Wind, das hat mich die Tour gekostet. Aber ich bin mit dem zweiten Platz zufrieden."

Vorjahrssieger Vincenzo Nibali, der am Vortag bei einem Defekt Froomes angegriffen hatte und zum Tagessieg in La Toussuire geklettert war, hatte zu Beginn des Schlussanstiegs diesmal selbst technische Probleme und verlor so wie Giro-Gewinner Alberto Contador (ESP) den Anschluss an die kleine Gruppe der Gesamt-Besten. Der Italiener behielt jedoch den vierten Rang (+8:36) vor Contador (9:48).

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