Wenn das Schicksal mitspielt

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Vom Ersatzmann zum Edelhelfer zum Abräumer

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Rafal Majka ist der Mann der Stunde bei der Tour de France.

Der Pole hatte geplant, die Tour de France in diesem Jahr vor dem Fernseher zu verfolgen.

Nach einem harten und äußerst anstrengenden Giro d’Italia, den der 24-Jährige auf dem starken sechsten Gesamtrang beendete, war er von Teamchef Bjarne Riis nicht für die 101. Frankreich-Rundfahrt vorgesehen.

Dort sollten andere die Farben des Teams hochhalten. Allen voran Alberto Contador und dessen Edeldomestike Roman Kreuziger. „Es war nicht geplant, dass ich dabei bin“, erklärte der kletterstarke Profi bei der Teampräsentation.

Kurzfristig ins Team gerutscht

Kurz vor Beginn der Grand Boucle wurde jedoch bekannt, dass der Tscheche aufgrund auffälliger Blutwerte nicht mit nach Leeds genommen würde. Majka rückte nach und sollte die Rolle des wichtigsten Helfers in den Bergen übernehmen.

Der Pole war wenig begeistert, fügte sich aber dem Befehl seiner Bosse und reiste mit nach England, wo die Tour in diesem Jahr startete. „Ich habe lange darüber nachgedacht und kam dann zur Entscheidung, dass die Tour ein Schritt in die richtige Richtung sein könnte", rang er sich zu einer Teilnahme durch. 

Es sollte die beste Entscheidung seiner bisherigen Karriere sein.

Contadors Sturz änderte alles

Dabei sah es zunächst nicht allzu rosig aus. Während sich Leader Contador – mit Ausnahme der Kopfsteinpflaster-Etappe – schadlos hielt und stets mit den Schnellsten ins Ziel kam, verlor Majka frühzeitig viel Zeit.

Es war unklar, ob er noch vom Giro geschwächt war, oder Körner für die Alpen und Pyrenäen sparen wollte. Binnen weniger Minuten wurde allerdings die komplette Tinkoff-Teamtaktik über den Haufen geworfen.

Ein folgenschwerer Sturz auf der zehnten Etappe zwang Alberto Contador, der dabei einen Schienbeinbruch erlitt und dennoch rund 20 Kilometer weiter fuhr, zur Aufgabe. „Es war ein schwerer Schlag. Das Ziel war danach, dass wir Etappen gewinnen“, meinte Teambesitzer Oleg Tinkov.

Erst der Etappensieg, dann das Bergtrikot

Der Plan ging auf. Und wie! Majka schlug zunächst auf der 14. Etappe zu und feierte den ersten Profisieg seiner Karriere. „Ich denke, dass meine Form langsam kommt“, kündigte er an. Eine Warnung an die Konkurrenz.

Während sein Teamkollege Michael Rogers am Dienstag mit dem zweiten Sieg nachlegte, sorgte er für das Sahnehäubchen des Tages. Majka staubte einen Punkt für die Bergwertung ab und übernahm die Führung in dieser äußerst prestigeträchtigen Sonderwertung.

Als Belohnung dafür durfte er das gepunktete Trikot am Mittwoch erstmals überstreifen, wusste aber auch: „Es wird verdammt schwer, es zu behalten.“

"Ich bin einfach glücklich"

In der Tat sah es lange nicht gut aus, räumte doch Joaquim Rodriguez (Katusha) die großen Punkte ab. Doch im Schlussanstieg schlug erneut Majkas große Stunde. Der 24-Jährige schloss zu Leader Giovanni Visconti (Movistar) auf, ließ diesen wenig später stehen und pedalierte solo zu seinem zweiten Sieg, der ihm zugleich eine komfortable Führung als stärkster Kletterer einbrachte.

„Ich bin einfach glücklich über das Resultat und darüber, dass wir in den letzten Tagen solche Resultate eingefahren haben.“

Während beispielsweise das Team Sky nach dem Aus für Chris Froome weiter einem Erfolg hinterher fährt, haben die Tinkoff-Profis ihr Schicksal in die Hand genommen und das Maximum aus der schwierigen Situation herausgeholt.

Der Mann der Stunde

„Nachdem Alberto aufgab, mussten wir uns neue Ziele setzen“, erklärte der zweifache Etappensieger.

Das Schicksal hat dem Polen eine Chance geboten, dieser nutzte sie optimal.

Als Ersatzmann vorgesehen, als Edelhelfer eingesetzt und als Abräumer gefeiert – Rafal Majka ist der Mann der Stunde.


Christoph Nister

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