Jack Bauers längster Tag

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Jack Bauer war bislang einer von vielen.

Ein neuseeländischer Radprofi, der vorwiegend Helferdienste zu leisten hat.

Der 29-Jährige erlangte vorwiegend aufgrund seines Namens Bekanntheit.

Diesen teilt er mit einer der bekanntesten Fernsehfiguren des letzten Jahrzehnts.

Jack Bauer (gespielt von Kiefer Sutherland) ist der Hauptdarsteller der Echtzeit-Serie „24“, die in den 2000er Jahren Fernsehgeschichte schrieb und nicht weniger als 20 Emmys gewann.

Jack Bauers längster Tag

Geschichte hätte beinahe auch der Pedalritter Jack Bauer geschrieben. Nur wenige Meter fehlten dem Garmin-Sharp-Profi auf dem 15. Teilstück, um der erste Neuseeländer zu werden, der eine Etappe bei der Tour de France gewinnt.

Es war der gefühlt längste Tag seines Lebens, begab sich Bauer doch bereits bei Kilometer 1 von 222 gemeinsam mit dem Schweizer Martin Elmiger (IAM) auf eine knapp fünfstündige Flucht, um am Ende auf der Zielgeraden vom heranjagenden Feld eingeholt zu werden.

Der „Kiwi“ scheiterte besonders knapp, am Ende waren es in etwa 25 Meter (Gerüchten zufolge 24), die ihm zum ersten Profisieg und zugleich größten Erfolg seiner Karriere fehlten.

Ein schwerer Sturz zwang Jack Bauer '13 zwei Tage vor Schluss zur Aufgabe

Für alle „Kiwis“

Ein Triumph beim bedeutendsten Radrennen der Welt wäre „vor allem für alle Kiwi-Fahrer“ gewesen, fügte er an. „Nicht viele von uns bekommen die Chance, Profi zu werden. Nicht viele von uns bekommen die Chance, bei einer Tour de France zu starten.“

Bauer, der bittere Tränen vergoss, hat ohnehin nicht die besten Erfahrungen mit der „Grande Boucle“ gemacht. Im Vorjahr war er drauf und dran, die Rundfahrt bei seiner Premiere zu beenden, als ihn ein schwerer Sturz stoppte.

Auf der 19. Etappe, zwei Tage vor dem großen Finale in Paris, kam er in der Abfahrt vom Col de la Madeleine zu Fall, krachte in einen Maschendrahtzaun und musste blutüberströmt und von Verletzungen gezeichnet aufgeben.

„Die Tour ist nicht vorbei“

Der 29-Jährige kam in diesem Jahr zurück, um sich mit der Frankreich-Rundfahrt auszusöhnen. Ein Versuch, der vorerst scheiterte. Von Hassliebe will er allerdings nichts wissen, klein beigeben kommt ebenfalls nicht in Frage.

Wie sein Pendant in „24“ gibt er sich deshalb kämpferisch: „Ich habe alles gegeben. Es war ein Traum, der nicht wahr werden sollte. Die Tour ist aber noch nicht vorbei und ich bin mir sicher, dass ich wieder eine Chance bekommen werde.“


Christoph Nister

 

„Mit leeren Händen ins Ziel“

Entsprechend niedergeschlagen war er im Zielbereich. „Ich habe wirklich das Allerletzte aus mir herausgeholt, was man ja auch daran gesehen hat, dass ich nach der Ziellinie zusammenbrach. Ich kam mit leeren Händen ins Ziel“, zeigte sich der Mann des Tages erschüttert.

Zu allem Überfluss war ihm nicht einmal die Auszeichnung zum kämpferischsten Fahrer des Tages vergönnt. Diese mit 2.000 Euro prämierte Sonderwertung wird bereits vor Ende der Etappe von einer Jury entschieden und ging an Elmiger.

Für Bauer, dem ebenso wie der Serienfigur ein Happy End verwehrt blieb, lediglich ein negativer Randaspekt („Das ist eben Radsport“), ging es ihm doch um viel mehr. „Es war ein Kindheitstraum, eine Etappe der Tour zu gewinnen. Gerade für einen Domestiken wie mich, da ich für gewöhnlich für andere arbeiten muss.“

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