Pyrenäen als letzte Hürde für Vincenzo Nibali

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Sechs Etappen trennen den bisher auf jeglichem Terrain souveränen Vincenzo Nibali noch von seinem ersten Triumph bei der Tour de France.

Der Italiener geht am Dienstag mit mehr als vier Minuten Vorsprung in die erste von drei Pyrenäen-Etappen.

Danach kann nur noch das Einzelzeitfahren über 54 Kilometer für Verschiebungen im Gesamtklassement der 101. Frankreich-Radrundfahrt sorgen.

Alles schon gelaufen?

Dem in den Vogesen und Alpen unantastbaren Nibali wird aber wohl nicht mehr beizukommen sein. Nach den verletzungsbedingten Ausfällen von Titelverteidiger Chris Froome und Alberto Contador sind der Spanier Alejandro Valverde sowie überraschenderweise Romain Bardet (23 Jahre) und Thibaut Pinot (24) die schärfsten Widersacher des Sizilianers.

Während Nibali (29) und die beiden jungen Franzosen für eine neue Generation stehen, ist der 34-jährige Valverde ein Relikt aus dunklen Zeiten. Der WM-Dritte des Vorjahres hat wie viele seiner ehemaligen Mitstreiter eine Dopingsperre hinter sich. Valverde war in den Fuentes-Skandal verwickelt und deshalb von 2009 bis 2011 gesperrt.

Etwas schiefes Licht

Nibali hingegen ist unbescholten und betonte auch bei der Tour stets, mit den grauslichen Kapiteln nichts zu tun zu haben. Ein etwas schiefes Licht wirft aber der einschlägig vorbelastete Astana-Teamchef Alexander Vinokourov auf den "Hai von Messina" genannten Spitzenreiter.

Ungeachtet dessen dürfte Nibalis Triumphzug nach Paris nur noch ein Sturz oder ein kapitaler Einbruch gefährden können. Einen schmerzlichen Verlust des Führungstrikots erlebte er aber im Vorjahr schon einmal bei der Vuelta, als er seine allerdings deutlich knappere Spitzenposition am letzten Wochenende noch an Chris Horner verspielte.

Alles auf die Tour ausgerichtet

Die Situation bei der Tour sei aber völlig anders, stellte Nibali klar. Im vergangenen Herbst habe er neben vielen anderen Rennen auch schon den Giro in den Knochen gehabt und er sei den Rummel um den Spitzenreiter noch nicht so gewöhnt gewesen. Heuer habe er den Giro ausgelassen und alles auf die Tour abgestimmt. "Ich habe meine Formspitze genau auf dieses Rennen eingestellt und es hat bisher sehr gut funktioniert", betonte der dreifache Etappensieger.

Bleibt ihm ein Einbruch in dieser Woche erspart, würde er in den kleinen Kreis vorstoßen, die alle drei großen Landesrundfahrten gewonnen haben. Die Vuelta a Espana entschied er 2010 für sich, den Giro d'Italia im Vorjahr. Siege bei allen drei Grand Tours haben bisher erst Contador, die französischen Legenden Jacques Anquetil und Bernard Hinault, Eddy Merckx (BEL) und sein Landsmann Felice Gimondi (ITA) in den 60er- und 70er-Jahren geschafft.

Erster Italiener seit Pantani

Bei der Tour würde er in die italienischen Fußstapfen des von den Tifosi heiß geliebten, aber in den EPO-Hochzeiten glänzenden Marco Pantani treten. "Der Pirat" hat die Tour 1998 als bisher letzter Italiener gewonnen. "Als Italiener bin ich sehr stolz, in die ruhmreiche Geschichte der Tour de France einzutreten. Ich bin aber derzeit zu sehr auf mein Rennen konzentriert, um meine Leistungen in die richtige Perspektive zu rücken", meinte Nibali vor der entscheidenden Tour-Woche.

In Frankreich ist Nibali übrigens schon 2012 um den Tour-Sieg mitgefahren. Vor zwei Jahren hatten sich aber die Briten Bradley Wiggins und Froome noch als eine Nummer zu groß erwiesen. Im Vorjahr war er nach seinem Giro-Sieg nicht am Start, um heuer stärker denn je zurückzukommen.

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