Die letzten Zweifel ausgeräumt

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Wiggins' Erfolg lässt die letzten Zweifler verstummen

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Selbst die letzten Zweifler waren baff.

Ob der Machtdemonstration des Bradley Wiggins im Einzelzeitfahren nach Besancon. Ob der Chancenlosigkeit der Konkurrenz. Ob der Überlegenheit der Sky-Mannschaft.

Als wäre die Bergankunft in La Planche des Belles Filles nicht schon Fingerzeig genug gewesen, hat der britische Rennstall mit dem Doppelsieg im Kampf gegen die Uhr der neunten Etappe den Ambitionen auf den Gesamtsieg bei der Tour de France eindrucksvoll Nachdruck verliehen.

Die Opfer haben sich gelohnt

Rang eins für Bradley Wiggins, Platz zwei für Chris Froome. Sämtliche Konkurrenten im Kampf um das Gelbe Trikot um – zum Teil deutlich – mehr als eine Minute distanziert. Der Arbeitstag der Equipe des Steirers Bernhard Eisel kann ohne den geringsten Zweifel als gelungen definiert werden.

„Das ist es, wofür wir trainiert haben“, erklärte Wiggins stolz nach seinem ersten Etappensieg im Rahmen der „Grande Boucle“. „Sean (Yates, Sportdirektor, Anm.) hat auf den letzten zehn Kilometern zu mir gemeint: ‚Denk‘ an all die Opfer, die du erbracht hast.‘“

Dieser Triumph sei der Lohn „für die harte Arbeit im Winter und dafür, dass ich die Geburtstage meiner Kinder verpasst habe.“

Welt (wieder) in bester Ordnung

Locker und gelöst parlierte der Brite darüber, dass es noch ein weiter Weg bis nach Paris sei und der Tageserfolg nicht geplant war. Für den 32-Jährigen und sein Team war die Welt in bester Ordnung.

Das war in den vergangenen Tagen nicht immer der Fall. Im Rahmen einer Presse-Fragerunde wurde der dreifache Olympiasieger auf der Bahn  auf das Thema Doping angesprochen.

Kritiker kokettierten mit Anspielungen, wonach die Leistungen Wiggins‘ ohne Doping nicht möglich wären. Das brachte den Mann in Gelb in Rage. „Ich kann mit solchen Leuten nicht umgehen“, gab er zu Protokoll.

Wiggins verlor die Contenance

Vergleiche, wonach Sky ähnlich dominant auftreten würde wie einst US Postal – jenem Rennstall, der früher alles in Grund und Boden fuhr, dessen Reputation aber durch zahlreiche Dopingfälle  und –geständnisse im Nachhinein schwer beschädigt wurde -, brachten das Fass schließlich zum Überlaufen.

Wiggins verlor die Contenance und beschimpfte die Skeptiker als „scheiß Wichser“. Ein Gefühlsausbruch, der offenbarte, wie wackelig das Nervenkostüm des im belgischen Gent geborenen Wiggins war.

Wirklich zu verdenken ist es ihm nicht. Mit Siegen bei Paris-Nizza, der Tour de Romandie und dem Criterium du Dauphine katapultierte sich „Wiggo“ automatisch in die Rolle des Top-Favoriten, zumal mit Alberto Contador und Andy Schleck zwei potenzielle Siegkandidaten absent sind.

Anspannung weicht der Erleichterung

Hinzu kommt die Tatsache, dass die Tour de France in diesem Jahr deutlich mehr auf exzellente Zeitfahrer wie Wiggins zugeschnitten ist.

So groß die Anspannung war, so groß dürfte nun die Erleichterung sein. Führung ausgebaut, einen zweiten Mann – Froome könnte zum „Joker“ werden, sollte Wiggins einen Einbruch erleiden oder dem Verletzungsteufel zum Opfer fallen – in Stellung gebracht: Sky ProCycling drückt der 99. Frankreich-Rundfahrt ganz klar den Stempel auf.

Eine historische Chance

„Bradley und Froomey haben das abgeliefert, was wir uns von ihnen versprochen haben“, stand Yates nach dem Doppelsieg seiner Mannen der Stolz ins Gesicht geschrieben. „Es war eine erstklassige Vorstellung.“

Und zugleich eine historische für den britischen Radsport. Erster und Zweiter in der Tageswertung. Erster und Dritter in der Gesamtwertung. Auf der Insel herrscht angesichts der historischen Chance, erstmals in der 109-jährigen Geschichte der wichtigsten Rundfahrt der Welt den Sieger zu stellen, Ausnahmezustand.

„Das gab es noch nie. Viel besser kann es nicht mehr werden“, ist Yates baff. Nicht, weil er seinen Schützlingen derartige Leistungen nicht zugetraut hätte. Nicht, weil diese es ihren Kritikern zeigten. Yates ist baff vor lauter Stolz.

 

Christoph Nister

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