Contador gibt sich noch gelassen

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Selten hat in der Geschichte der Tour de France die erste Woche so viele Sturzopfer gefordert wie heuer die 98. Auflage.

Unter den Favoriten herrschte hingegen eine Art Waffenstillstand. Doch nach dem Ruhetag geht es ab Dienstag in Richtung Pyrenäen, wo die Spitzenfahrer ab Donnerstag endlich Farbe bekennen müssen.

Zahlreiche Fahrer bereits out

Die Liste jener Fahrer, die als Folge eines Sturzes zum Ausscheiden gezwungen waren, umfasste nach den ersten neun der insgesamt 21 Etappen gleich 14 Fahrer:

Jurgen van de Walle (BEL/ 4. Etappe), Janze Brajkovic (SLO/5.), Ivan Velasco (ESP/5.), Tom Boonen (BEL/7.), Bradley Wiggins (GBR/7.), Remi Pauriol (FRA/7.), Chris Horner (USA/7.), Benat Intxausti (ESP/8.), Amets Txurruka (ESP/9.), Pawel Brutt (RUS/9.), Jurgen van den Broeck (BEL/9.), Alexander Winokurow (KAZ/9.), David Zabriskie (USA/9.) und Fredrik Willems (BEL/9.).

Eine noch weit größere Zahl an Fahrern lag ein- oder mehrmals am Boden, war aber in der Lage, die Rundfahrt mit kleineren Blessuren fortzusetzen.

Rücksichtslose Fahrer

Die Tour-Organisatoren zerbrachen sich nach diesem "Sturzfestival" den Kopf darüber, wie es zu so vielen und so schwerwiegenden Zwischenfällen kommen konnte.

Der Ruf nach zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen wurde zwar sogleich laut, doch Experten bezweifeln, dass sich dadurch viel ändern wird, handelt es sich doch bei der Tour um die wichtigste Radrundfahrt der Welt.

Dadurch stehen die Fahrer unter einem besonderen Druck, für den Erfolg ist manchen beinahe jedes Mittel recht. Sie zwängen sich daher rücksichtslos in Lücken, wo eigentlich gar keine sind.

Möglicherweise ist auch der Respekt vor den Gegnern geringer geworden, wie es auch Bernhard Eisel nach dem Etappensieg seines britischen HTC-Highroad-Teamkollegen Mark Cavendish am Freitag anmerkte. "Da macht das Fahren keinen Spaß mehr, einige nehmen zu wenig Rücksicht", gab der Steirer zu Protokoll.

Evans mit Bodyguards

Es fällt aber auch auf, dass es Fahrer gibt, die sich aus dem Getümmel herauszuhalten vermögen. So beispielsweise der im Gesamtklassement drittplatzierte Australier Cadel Evans, der sich von einer vom Schweizer Michael Schär und Deutschen Marcus Burghardt angeführten "Leibgarde" schützen lässt.

Der unter Dopingverdacht stehende Titelverteidiger Alberto Contador war dagegen gleich in der Auftaktetappe in den Massensturz kurz vor dem Ziel verwickelt. Der Spanier musste in der Folge noch zwei weitere Male zu Boden, zuletzt am Sonntag auf dem so verhängnisvollen neunten Teilstück, auf dem sich u.a. der ehemalige Blutdopingsünder Vinokouroveine komplizierte Fraktur des rechten Oberschenkelknochens zuzog, die am Montagvormittag erfolgreich operiert wurde.

Contador ohne große Sorgen

Dem Selbstvertrauen des vorerst nur an 16. Stelle rangierenden Contador werden derartige Zwischenfälle nicht unbedingt förderlich gewesen sein.

Der Madrilene zeigte sich jedoch zumindest nach außen vorerst gelassen und erachtete es trotz seiner 1:41 Minuten Rückstand auf Evans nicht als zwingend, schon in den Pyrenäen zu attackieren, um seinen Rückstand zu reduzieren.

"Es hängt von den Umständen ab, wie ich mich verhalten werde. Und in den Alpen kann es weit größere Zeitdifferenzen geben als in den Pyrenäen", meinte der Iberer.

Wer ist der Chef?

Nach zwei Zwischenetappen erreichen die Fahrer die Pyrenäen.

Dort wird zwar noch nicht der Sieger dieser Tour de France ermittelt, aber es wird die Hierarchie unter den Favoriten Contador, Andy Schleck (LUX) und Evans ermittelt.

Von Interesse sind in erster Linie die beiden Bergankünfte. Der 13,3 km lange Anstieg nach Luz-Ardiden steht am Donnerstag auf dem Programm sowie zwei Tage später die etwas längere und steilere Fahrt auf das Plateau de Beille, wo schon mehrere Etappensieger den Grundstein zum Gesamttriumph gelegt haben:

1998 der Italiener Marco Pantani, 2002 und 2004 US-Seriensieger Lance Armstrong und 2007 Contador.

Evans verlor dagegen vor vier Jahren auf diesem Anstieg die Tour und wurde am Ende in Paris mit nur 23 Sekunden Rückstand Gesamtzweiter.

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