Die "Tour des Gamelles“

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Die Tour de France sollte in diesem Jahr in „Tour des Gamelles“ (Tour der Stürze) umbenannt werden.

Zahlreiche Fahrer mussten die bekannteste Landesrundfahrt der Welt bereits aufgrund von schweren Verletzungen, welche die Folge von ebenso schweren Stürzen waren, vorzeitig beenden.

Alles begann am fünften Tag

Das Übel nahm während der fünften Etappe seinen Lauf, als ein regelrechtes „Fliegen der großen Namen“ stattfand.

So kamen Sky-Kapitän Bradley Wiggins und Radio-Shack-Teamleader Levy Leipheimer auf dem 164,5 Kilometer langen Teilstück von Carhaix nach Cap Fréhel zu Sturz.

Kurz darauf verabschiedeten sich Janez Brajkovic (RadioShack) und Robert Gesink (Rabobank) in den Graben neben der Straße und zu allem Überfluss küsste auch noch Vorjahressieger Alberto Contador (Saxo Bank) den Asphalt.

Seinem dänischen Teamkollegen Niki Sörensen wurde eine Kollision mit einem Begleitmotorrad zum Verhängnis während Quick-Step-Pofi Tom Boonen unfreiwillige Bekanntschaft mit den Pflastersteinen machte.

Chaos-Etappe fordert Opfer

Den bisherigen Höhepunkt der Sturz-Orgie bildete die neunte Etappe, als es zuerst einen Massensturz auf der regennassen Abfahrt vom Pas de Peyrol gab, in welchen die Spitzenfahrer Alexandre Vinokourov und Jurgen van den Broeck involviert waren.

Wenig später räumte ein Auto des französischen Fernsehens Juan Antonio Flecha und Johnny Hoogerland, die zu diesem Zeitpunkt in einer fünfköpfigen Spitzengruppe unterwegs waren, aus dem Weg.

Nach einer Woche Tour de France mussten bereits 18 Fahrer vorzeitig aufgeben.

LAOLA1 fasst die prominentesten Namen zusammen:

Janez Brajkovic:  Der Slowene in Diensten von RadioShack war das erste prominente Sturzopfer der diesjährigen Tour, der aufgeben musste. Untersuchungen im Krankenhaus nach der fünften Etappe ergaben einen Schlüsselbeinbruch.

Bradley Wiggins: Der Sky-Kapitän stürzte erstmals auf der fünften Etappe,  fuhr das Teilstück aber noch zu Ende.  Zwei Tage später wurde der Brite aber erneut in einen Massensturz verwickelt, wobei er sich das Schlüsselbein brach. Besonders bitter: Durch das Warten des Teams auf den verletzten Kapitän verlor Geraint Thomas das Weiße Trikot des besten Nachwuchsfahrers.

Tom Boonen: Für den Belgier war ebenfalls nach sieben Etappen Endstation. Nach neunzig Kilometern stieg der Quick-Step-Fahrer vom Rad und musste den Verletzungen, welche er sich bei einem Unfall während des fünften Teilstücks zugezogen hatte, Tribut zollen. Boonen verletzte sich unter anderem an der Schulter, am Ellenbogen und an der Hüfte und wurde mit Verdacht auf Gehirnerschütterung ins Krankenhaus gebracht.

Chris Horner: Der US-Amerikaner beendete zwar die siebente Etappe, auf welcher er 40 Kilometer vor dem Ziel die Kontrolle über sein Arbeitsgerät verlor, konnte aber für die weiteren Etappen nicht mehr auf sein Rad steigen. Den Weg bis ins Ziel spulte der Radio-Shack-Fahrer wie in Trance ab und klagte im Nachhinein über Orientierungsstörungen und starken Schwindel. Das Resultat:  Gehirnerschütterung und ein Nasenbeinbruch.

Alexandre Vinokourov: Der Kasache hatte schon im Vorfeld betont, 2011 würde sein letztes Antreten bei der Tour sein. Weniger voraussehbar war jedoch, wie er das Kapitel Frankreich-Rundfahrt angeblich für immer schloss. Bei einem Massensturz auf der Chaos-Etappe neun zog sich der Astana-Fahrer einen komplizierten Bruch des Kopfes des rechten Hüftknochens zu und wurde bereits operiert.

Jurgen van den Broeck: Der Podiums-Kandidat war in dieselbe Karambolage verwickelt wie Vinokourov. Auch der Belgier musste daraufhin die diesjährige Tour für beendet erklären. Der Lotto-Kapitän zog sich einen Bruch des Schulterblattes zu und erlitt zudem verschiedene Kopfverletzungen.

David Zabriskie: Der dritte Spitzenfahrer im Bunde, der Opfer des Massensturzes wurde. Aufgrund eines gebrochenen Handgelenks war für den Garmin-Cervélo-Profi und Zeitfahrspezialisten an ein Weiterfahren nicht mehr zu denken.

Exkurs: Zwar haben sowohl Juan Antonio Flecha als auch Johnny Hoogerland die neunte Etappe beendet und sind offiziell noch aktive Fahrer der Tour, doch eine baldige Aufgabe dieser Profis würde wohl nur wenige überraschen.

Der Spanier wurde von einem Auto des französischen Fernsehens schlicht aus dem Weg geräumt, worauf er zu Sturz kam. Der nachfolgende Hoogerland konnte nicht mehr ausweichen und stieß mit dem stürzenden Flecha zusammen. Daraufhin überschlug sich der Belgier und wurde von einem Stacheldraht unsanft gestoppt. Wie schwer die Folgen dieses unglaublichen Sturzes sind, wird sich in den nächsten Tagen zeigen.

Sebastian Rauch

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