Zwischen Hoffnung und High-Tech

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Die Geheimwaffen der Österreicher für das RAAM

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Du wolltest schon immer einmal das „Race Across America“ fahren? Das war für Hobby-Radfahrer noch nie so einfach.

Wobei fahren nicht ganz richtig ist, mitfahren trifft es eher.

Denn noch nie waren die Fans so nah dran wie in diesem Jahr - und noch nie war so viel High-Tech im Einsatz!

Schwerstarbeit für Betreuer

Das Gros der Teilnehmer versorgt die Daheimgebliebenen auf den verschiedenen Kanälen beinahe im Stundentakt mit Updates von der Strecke.

Das ist auch für die Betreuer im Begleitfahrzeug Schwerstarbeit.

Aktuelle News-Updates auf „twitter“, die spektakulärsten Bilder auf „facebook“ und die Tageszusammenfassung auf der Homepage.

Top-Favorit Christoph Strasser hat auch in diesem Jahr wieder ein eigenes Video-Team mit dabei, das ihn auf seiner 4.800 km langen T(ort)our von Oceanside, Kalifornien nach Annapolis, Maryland begleitet und auch regelmäßig Clips ins WWW stellt.

Anfeuern mit dem Handy

Die Fans von Gerhard Gulewicz sind beim härtesten Non-Stop-Radrennen der Welt immer dabei.

Und sie können den Oberösterreicher, der bereits zum achten Mal von der West- an die Ostküste radelt, sogar live anfeuern.

Möglich macht dies eine spezielle App vom Fitnessportal „runtastic“, über die man Gulewicz Motivations-Nachrichten und Likes, die neue „Online-Währung“, zukommen lassen kann.

„Der Support aus der riesigen Community hilft mir enorm, gerade, wenn es wieder einmal etwas härter wird“, ist dem 46-Jährigen nach knapp 1.000 Kilometern auch deshalb das Lachen noch nicht vergangen.

Die Sport-App dient Gulewicz außerdem als Tracking-Tool, mit dem er am Handy-Display Werte wie Distanz, Geschwindigkeit, Höhenmeter oder Kalorienverbrauch sieht.

Gefühl ist gut, Kontrolle besser

Christoph Strasser misst die wichtigsten Daten mit Hilfe eines Leistungssensors in der Kurbelgarnitur.

Anders als die meisten Profi-Radteams, die auf SRM-Wattmessung setzen, hat der Steirer ein „power2max“-System in seinen Bikes verbaut.

Die Daten sind eine verlässliche Kontroll-Referenz zum Gefühl, das sich der RAAM-Gewinner von 2011 in hunderttausenden Trainingskilometern erarbeitet hat.

Wahl der Waffen

Viel Arbeit ist für die Teilnehmer auch das Finden der optimalen Sitzposition.

Strasser hat in diesem Jahr erstmals zwei unterschiedliche Räder aus dem breiten Sortiment seines Ausrüsters „Specialized“ dabei.

Ein herkömmliches Rennrad mit elektronischer und damit fehlerfreier Schaltung, das abgesehen von kleineren Adaptionen so auch im Handel erhältlich ist, und ein Zeitfahrrad.

Damit möchte der 30-Jährige auf den flachen Teilstücken mit den schier endlos langen Geraden den entscheidenden Vorsprung auf seine Gegner herausfahren.

Nichts dem Zufall überlassen

Der US-Hersteller hat sich mit der Entwicklung des Shiv-Rahmens, der speziell für Triathleten entwickelt und vor zwei Jahren im Rahmen der Ironman World Championships auf Hawaii präsentiert wurde, viel Zeit gelassen und für eine optimale Aerodynamik unzählige Stunden im Windkanal verbracht.

In den Rahmen ist ein Trinksystem integriert, das es „Straps“ ermöglicht zu trinken, ohne die tief geduckte Aero-Position zu verlassen.

Für perfekte Kühlung bei Temperaturen von bis zu 50 Grad Celsius soll ein spezieller Trikot-Stoff sorgen, den Strasser entwickeln ließ, nachdem ihn im Vorjahr ein Hitzeschlag in der Anfangsphase des Rennens aller Siegchancen beraubte.

„Wir haben in diesem Jahr wirklich nichts dem Zufall überlassen“, hat sich der 30-Jährige ein High-Tech-Paket geschnürt, von dem er überzeugt ist, dass es ihm den zweiten Sieg bringt. „Da gibt es keine Ausreden, jetzt liegt es wirklich nur an mir!“

Fünf Speichen gegen Seitenwind

Eduard Fuchs ist heuer zum ersten Mal beim RAAM dabei. Aber auch der Steirer brachte zahlreiche Erfolge, wie zum Beispiel drei Siege beim „Race Around Austria“, und jede Menge Erfahrung an die Startlinie.

Und auch er hat die eine oder andere Geheimwaffe mit dabei. So setzt Fuchs im Kampf gegen die gefürchteten Seitenwinde auf Carbon-Laufräder aus der Steiermark.

Die Firma „XeNTiS“ schickte den 37-Jährigen mit den High-End-Laufrädern des Typs „Mark 2 TT“ ins Rennen.

„Wir konnten dank der neuen Fünf-Speichen-Technologie die Aerodynamik noch einmal verbessern, zudem erreichen wir jetzt nie dagewesene Seitenkraftwerte“, lässt das Unternehmen mit Sitz in Bärnbach wissen und verweist auf Bestnoten in zahlreichen Tests.

Strom gegen den Muskelkater

In den kurzen Ruhepausen, die Teilnehmer gönnen sich meist nur 10- bis 15-minütige Power-Naps – Gerhard Gulewicz schwört auf den Rhythmus 30 Stunden Radfahren, eine Stunde schlafen -, regeneriert Fuchs mithilfe einer amplituden modulierten Mittelfrequenz-Therapie.

„Wir arbeiten mit Elektrowellen, um die Muskulatur zu lockern und zu entspannen.“ Kleine Nadelstiche gegen den Muskelkater.

Spätestens jetzt sind die meisten froh, dass sie mittlerweile nicht mehr selbst fahren müssen, um beim "Race Across America" mitfahren zu können.

 

Stephan Schwabl

 

 

 

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