Stark wie zwei Pferde

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Mit 2 PS zum Sieg vor dem Wiener Burgtheater

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Die Siegerehrung vor dem Wiener Burgtheater fiel buchstäblich ins Wasser.

Ein plötzlich einsetzender Wolkenbruch auf den letzten beiden Runden sorgte dafür, dass der Strom ausfiel, die letzte Runde nicht mehr in die Gesamtwertung einfloss, einige Fahrer in der Zielkurve zu Fall kamen und die Siegerehrung nicht auf dem Podest stattfinden konnte.

Einer strahlte trotz des Weltuntergangswetters bis über beide Ohren: Marco Haller. Der Österreicher in Diensten des russischen Katusha-Teams rührte mit dem Sieg auf der letzten Etappe der 66. Österreich Rundfahrt nicht nur seine Mama zu Tränen.

Durststrecke beendet

"Es ist eine riesige Erleichterung. Nicht nur für mich und Katusha, sondern auch für den österreichischen Radsport an sich. Ich hatte eine längere Durststrecke. Im letzten Jahr konnte ich zwar einen Sieg mit der Mannschaft im Teamzeitfahren feiern, aber ein Einzelsieg ist einfach etwas Besonderes", freute sich der 23-Jährige über den Triumph auf der prestigeträchtigen letzten Etappe vor heimischem Publikum.

Dieser ist gleichzeitig auch der erste rot-weiß-rote Etappensieg seit 2008. "Dass es heute nach sechs Jahren ohne österreichischen Sieg bei der Rundfahrt endlich geklappt hat, macht mich besonders stolz."

Mit dem Erfolg in Wien hat sich der Kärntner einen langersehnten Traum erfüllt. "Ich habe schon vorher gesagt, wenn ich mir eine Rundfahrt und eine Etappe aussuchen könnte, wäre es die Wien-Etappe bei der Österreich-Rundfahrt. Es gibt für mich nichts Geileres."

LAOLA1 im Gespräch mit dem rot-weiß-roten Sprinter über die Österreich Rundfahrt, die Situation des Radsports im Land und das weitere Rennprogramm.

LAOLA1: Wie hast du deinen Sieg erlebt?

Haller: Wir haben eigentlich nicht das Team, das mich bis zu den 200 Metern bringen kann. Aber die Mannschaft hat sich heute sowas von den Arsch aufgerissen für mich, das habe ich noch nie erlebt. Ich habe bewiesen, dass ich die Beine habe und habe deshalb auch die Unterstützung bekommen. Ich wusste, sobald die Lücke da ist, muss ich gehen. Dann geht in der Zielkurve ein Loch auf und ich steige voll in die Eisen. Da waren es sicher noch 300 Meter. Ich habe im Ziel nachgeschaut, ich habe 1450 Watt getreten. Das sind fast zwei Pferdestärken.

LAOLA1: Du warst auf dieser Rundfahrt bislang zweimal Dritter und hast gesagt, vielleicht sind die anderen einfach schneller. Jetzt hast du es doch geschafft, zu siegen. Wie kam es dazu?

Marco Haller: Ich denke, da spielen einfach mehrere Faktoren zusammen. Ich bin einfach in einer Bombenform, da ich mich bis vor zwei, drei Wochen auf die Tour de France vorbereitet habe. Ich bin Tag für Tag stärker geworden und habe mich besser gefühlt. Von mir aus könnten wir noch zwei Wochen fahren. Ein Sprint ist natürlich auch eine Kopfsache und ein Oscar Gatto, der schon zwei Siege auf dem Konto hat, ist natürlich zufrieden und ich wollte es umso mehr wissen zu Hause.

LAOLA1: Hat dir der Regen auch ein wenig in die Karten gespielt?

Haller: Ich bin absolut der Schlechtwetterfahrer, aber am Ende sind die Bedingungen für alle gleich gewesen. Vielleicht war ich auch am Ende bereit, das größte Risiko einzugehen. Wie auch immer, das ist mir eigentlich wurscht (lacht).

LAOLA1: Welches Fazit ziehst du aus der Österreich Rundfahrt? Welche Etappe war für dich am schwersten?

Haller: Jede Etappe hat es in sich gehabt, ganz ehrlich. Es war die wahrscheinlich schwerste Österreich Rundfahrt aller Zeiten. Auch wenn man mit anderen Fahrern spricht, hört man oft, dass es ein bissl weniger auch tun würde. Die Dobratsch-Etappe war enorm, die Glockner-Etappe mit dem Schneeregen war enorm… Aber für uns war es trotzdem eine super Rundfahrt. Wir haben das Bergtrikot und drei Podestplätze, darunter der Sieg. Wir sind überglücklich.

LAOLA1: Was sagst du zu den Leistungen der Österreicher Patrick Konrad und Riccardo Zoidl?

Haller: Phänomenal. Ich würde sagen, wir Österreicher sind absolut im Kommen. Den Ricci müssen wir noch zur jungen Garde zählen, ich gehöre dazu, der Konny… Bei ihm ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis er den Sprung schafft. Dann haben wir den Gregor Mühlberger, der heuer Glocknerkönig geworden ist…

LAOLA1: Wie beurteilst du die Entwicklung des österreichischen Radsports?

Haller: Der österreichische Radsport ist, ohne, dass er irgendeine Lobby hat, sowas von im Aufschwung. Die Erfolge sind eigentlich nur auf die jeweiligen Fahrer und ihre Familien zurückzuführen. Es wäre das Schönste, wenn ein Sponsor herkommen und sagen würde, wir machen jetzt ein ProContinental-Team. Wenn man diese Talente zusammenfassen würde, hätte man eine Mannschaft, die sich bei keiner Rundfahrt verstecken müsste.

LAOLA1: Wie geht es für dich nun weiter?

Haller: Dadurch, dass ich jetzt in sehr guter Form bin, werde ich nur ein paar Tage rausnehmen, um so schnell wie möglich wieder an die Form anknüpfen zu können. Ich werde die Polen-Rundfahrt fahren und da - wie es aussieht - der einzige Sprinter für Katusha sein. Es gibt immerhin drei Sprintetappen. Danach kommt die Arctic-Tour in Norwegen, wo ich wohl wieder in Diensten Alexander Kristoffs fahren werde und anschließend die Hamburg Cyclassics. Also habe ich ein Bomben-Programm und würde am Ende auch gerne die Weltmeisterschaften fahren.

Das Interview führten Christoph Nister und Henriette Werner

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