95. Giro d'Italia: Strecke, Favoriten, ÖRV-Rekord

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Gino Bartali hat es geschafft. Felice Gimondi ebenfalls. Zuletzt gelang es Bernard Hinault.

Nun schickt sich Ivan Basso an, den Giro d’Italia ein drittes Mal für sich zu entscheiden. Sollte dem Liquigas-Kapitän dieses Husarenstück gelingen, würde er sich in der ewigen Bestenliste hinter Alfredo Binda, Fausto Coppi und Eddy Merckx (je fünf Siege) auf Rang vier einordnen.

Stars geben sich Klinke in die Hand

Die Konkurrenz ist allerdings nicht gewillt, dem 34-Jährigen das Feld so einfach zu überlassen. Zahlreich und zudem bestens vorbereitet will sie Basso das Leben möglichst schwer machen.

Doch nicht nur im Kampf um das Gesamtklassement kann die Italien-Rundfahrt mit jeder Menge Stars aufwarten, auch in puncto Massensprints und Ausreißer-Könige geben sich die Hochkaräter die Klinke in die Hand.

Mittendrin statt nur dabei sind auch eine Handvoll ÖRV-Profis, die für das größte rot-weiß-rote Kontingent in der Giro-Geschichte sorgen. Die wichtigsten Infos zum 95. Giro d’Italia:

  • Der Streckenverlauf

Erstmals in der seit 1908 währenden Geschichte des Giro d’Italia wird dieser in Dänemark gestartet. Drei Tage verbringt der Tross in einem der wenigen Länder, das mit Königin Margrethe II. von einer Frau als Staatsoberhaupt repräsentiert wird, ehe das Peloton am ersten Ruhetag nach Italien übersiedelt.

Das Rennprogramm hält drei Zeitfahr-Etappen, die kumuliert 72 Kilometer – davon 33,2 mit dem Team – bereit. Laut offizieller Ausweisung werden den Sprintern auf sieben Teilstücken Chancen eingeräumt, sechs gelten als mittelschwere Bergetappen, fünf finden im Hochgebirge statt.

Nach einer eher ruhigeren ersten Rennhälfte, die mit zwei verhältnismäßig leichten Bergankünften aufwartet, geht es vor allem in der letzten Woche Schlag auf Schlag. Schlussanstiege nach Cervinia (27 km lang, durchschnittlich 5,5 Prozent steil) und zum Pian di Resinelli (7,8 km/7,8 Prozent) sowie die Auffahrt zum Passo Giau auf 2.236 Meter Seehöhe lassen vor allem die weniger kletterstarken Fahrer erschaudern.

Jose Rujano triumphierte im vergangenen Jahr auf dem Großglockner

Damit nicht genug, haben sich die Verantwortlichen um Direktor Michele Acquarone, der die Geschicke von Angelo Zomegnan übernahm, für die letzten Tage gleich zwei Königsetappen ausgedacht. Die 19. Etappe führt über fünf Pässe und 4.900 Höhenmeter zur Alpe di Pampeago, tags darauf – es stehen ebenfalls fünf schwere Anstiege mit 5.700 Höhenmetern auf dem Programm – geht es hoch zum Passo delle Stelvio. Abschließend folgt ein 31,5 Kilometer langes Einzelzeitfahren mit Start und Ziel in Mailand.

  • Die Favoriten

Wie eingangs erwähnt, zählt Ivan Basso, Triumphator der Jahre 2006 und 2010, zum engsten Kreis der Sieganwärter. Zum großen Gegenspieler wird Michele Scarponi, im Vorjahr nur vom inzwischen wegen Dopings gesperrten Spanier Alberto Contador geschlagen, hochstilisiert. Doch aufgepasst: Die zweitklassige Equipe Androni Giocattoli hat mit Jose Rujano und Emanuele Sella zwei heiße Eisen im Feuer. Fränk Schleck, der kurzfristig ins Radioshack-Aufgebot rutschte, gilt als große Unbekannte. Ein Top-3-Platz oder gar mehr wäre allerdings eine große Überraschung. In Acht nehmen sollten sich die Favoriten indes vor John Gadret (Ag2r) und Joaquim Rodriguez (Katusha), im Vorjahr immerhin Vierter bzw. Fünfter.

Der Giro geizt auch bei den schnellen Männern nicht mit großen Namen. So wird die Riege der Sprinter von niemandem Geringerem als Weltmeister Mark Cavendish (Sky) angeführt. Die dreiwöchige Tortur durch Dänemark und Italien nimmt zudem Thor Hushovd (BMC Racing) in Angriff. Desweiteren rechnen sich Tyler Farrar (Garmin), Juan Jose Haedo (Saxo Bank), Daniele Bennati (Radioshack), Francesco Chicchi (Omega Pharma) und Theo Bos (Rabobank) gute Chancen auf einen Tagessieg aus. Besonders interessant ist die Personalie Matthew Goss: Der Orica-GreenEdge-Sprinter war bis Ende letzten Jahres wichtiger Helfer Cavendish‘ und stemmt sich nun gegen seinen einstigen Kapitän.

Was die Ausreißer-Könige betrifft, gilt Alessandro Ballan (BMC Racing) ebenso als heiße Aktie wie sein italienischer Landsmann Damiano Cunego, der von Lampre als „Libero“ und Co-Kapitän neben Scarponi ins Rennen geschickt wird. Weitere „übliche Verdächtige“: Sandy Casar (FDJ), Pavel Brutt (Katusha) und Martin Velits (Omega Pharma).

  • Die Österreicher

Stefan Denifl geht für Vacansoleil an den Start

Thomas Rohregger (Radioshack) ist so etwas wie der Giro-Experte unter den rot-weiß-roten Startern. Der Tiroler nimmt seine vierte Teilnahme in Angriff und liegt damit in der österreichischen Bestenliste bereits auf Rang drei – nur übertroffen von Gerhard Zadrobilek, der auch sechs Stars verweisen kann, und Georg Totschnig, der die wichtigste Rundfahrt nach der Tour de France fünf Mal bestritt. Nach einem tragischen letzten Giro – Rohregger und seine Leopard-Kollegen stiegen nach dem Tod von Wouter Weylandt vorzeitig aus – ist die Zielankunft in Mailand diesmal fest eingeplant.

Seine Rolle wird die des Helfers entsprechen, sofern Fränk Schleck die in ihn gesetzten Erwartungen annähernd erfüllen kann. Ansonsten besteht die Chance, sein Heil bei entsprechendem Rückstand auf die Klassement-Fahrer in einer Fluchtgruppe zu suchen. Ähnlich sieht die Sachlage bei Bernhard Eisel (Sky) aus. Der Steirer ist zum zweiten Mal dabei und stellt sich wieder einmal in den Dienst seines Freundes Mark Cavendish.

Gleich zwei Österreicher spuckt das NetApp-Aufgebot aus. Daniel Schorn, der Premiere feiert, soll seine Klasse bei den Flachetappen ausspielen (der Salzburger im Interview), während Matthias Brändle (dritte Grand Tour) im Gesamtklassement so lange wie möglich bei der Musik bleiben will. Andernfalls will auch er die Chance, sich als Ausreißer in Szene zu setzen, nutzen.

Last but not least: Stefan Denifl. Wie Schorn gibt er sein Giro-Debüt, hat seine Stärken jedoch im Gegensatz zum Salzburger auf steigendem Terrain. Der 24-Jährige bestreitet seine erste Saison für das Team Vacansoleil, das keinen Top-Star mit an Bord hat. Dafür will der Rennstall mit Außenseitern, darunter Thomas de Gendt, Romain Feillu, Gustav Larsson oder auch Denifl, überzeugen.

 

Christoph Nister

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