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"Wir hoffen auf Freispruch"

Im Teamhotel von Alberto Contador, einer mittelalterlichen Schlossanlage in Rochegude, strahlte Saxo-Bank-Teamchef Bjarne Riis am zweiten Ruhetag der 98. Tour de France Zuversicht aus.

Der Däne, selbst 1996 Tour-Sieger und später geständiger Dopingsünder, sprach viel über die sportlichen Ziele des dreifachen Champions der Frankreich-Radrundfahrt, der in den Alpen "angreifen muss".

"Wir hoffen auf Freispruch"

Nur beim Thema Doping-Prozess vom 1. bis 3. August vor dem Internationalen Sportgerichtshof (CAS) fielen seine Antworten äußerst knapp aus.

"Wir wissen nicht, wie die Entscheidung aussehen wird, wir hoffen natürlich auf Freispruch", sagte Riis am Montag der dpa.

Es gibt einen Plan B

Ein Plan B, was passiert, wenn Contador wegen Clenbuterol-Dopings schuldig gesprochen wird, existiert aber bereits mit Sicherheit.

Aber der frühere Telekom-Star Riis, der 2007 im dänischen Fernsehen scheinbar ohne Emotionen gestanden hatte, bei seinem Tour-Erfolg mit den damals gängigen, verbotenen Medikamenten "nachgeholfen" zu haben, möchte darüber nicht reden: "Wir haben nicht alles geplant."

Bei Schuldspruch Aberkennung aller Siege seit Juli 2010

Bei einem Schuldspruch der letzten Instanz der Sportgerichtsbarkeit in Lausanne riskiert der bei der laufenden Tour noch nicht zu großer Form aufgelaufene Contador eine Zweijahressperre und die Aberkennung aller seiner Siege seit Juli 2010.

In diesem Fall würde Riis von einem Tag auf den anderen ohne Topfahrer dastehen.

"Im Leben muss man Risiken eingehen"

Das Team Saxo-Bank-Sungard ist ausschließlich auf den 28-jährigen Spanier ausgerichtet, der zum ersten Mal nach Marco Pantani 1998 Giro d'Italia und Tour in einem Jahr gewinnen soll.

"Im Leben muss man Risiken eingehen, sonst kann man nie gewinnen", lautet Riis' Philosophie, die auch auf den Aufbau seines Teams zutrifft.

So oder so - seine Sponsoren bleiben offenbar im Boot, auch bei einem Schuldspruch. "In jedem Fall bleiben sie unsere Geldgeber", erklärte Riis.

Kampfansage von Contador

Contador nutzte den zweiten Tour-Ruhetag zur sportlichen Kampfansage an seine Hauptrivalen im Kampf um Gelb, Thomas Voeckler ("ein ernsthafter Kandidat"), Cadel Evans und die Brüder Fränk und Andy Schleck.

"Mein Stil ist der Angriff. Wenn ich die Beine dazu habe, werde ich attackieren. Die drei Tage in den Alpen sind die wichtigsten der Tour", sagte der Titelverteidiger.

"Härteste Tour meiner Karriere"

Bei seinem Sturz zum Auftakt hatte er 1:14 Minuten auf die relevanten Widersacher verloren und sich davon bisher nicht erholt, zumal er weiter von Sturz- und Verletzungspech verfolgt war.

"Ohne die Stürze und die Knieprobleme hätte ich jetzt auf das Zeitfahren in Grenoble am vorletzten Tag warten können, um die Tour zu gewinnen", meinte Contador, der die bisher vergangenen ersten 16 Tage als "härteste Tour meiner Karriere" bezeichnete.

Riis glaubt an Toursieg von Contador

Vor den am Mittwoch beginnenden entscheidenden Alpen-Etappen ließ er es vorerst einmal ruhiger angehen. Am Montag machte er sich auf den Weg zu einer kleinen Trainingsrunde.

Sein Chef Bjarne Riis fuhr mit. Er glaubt weiter fest an den Sieg seines umstrittenen  Kapitäns, "weil ich ein positiv denkender Mensch bin".

Doch selbst wenn sich diese Hoffnungen erfüllen sollten, bleibt die CAS-Entscheidung Anfang August abzuwarten.

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