Armstrong: Geld zurückzahlen?

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Soll Lance Armstrong sein Preisgeld zurückzahlen?

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Lance Armstrong ist in aller Munde.

Das Denkmal des modernen Radsports ist endgültig im Dopingsumpf versunken.

Sieben Titel bei der Tour de France sind seit Montag weg. Nun soll der gefallene Superstar auch noch kräftig zur Kasse gebeten werden.

Die LAOLA1-Redaktion stellt sich die Frage: "Soll Lance Armstrong sein Preisgeld zurückzahlen?"

Zwei Meinungen im "Pro & Contra":

CONTRA: Rückforderungen sind scheinheilig

Von Michael Höller

Lance Armstrong sollte sein Preisgeld behalten. Jahrelang wurde der Texaner von exakt jenen Schulterklopfern bei Sponsoren und Mäzenen herumgereicht, die jetzt am lautesten nach Rückzahlungen schreien. Die Tour de France lebte lange vom Super-Duell zwischen Armstrong und Jan Ullrich, lukrierte nur durch ihre Namen Sponsor-Gelder in Millionenhöhe. Zahlungen, die ohne einen Armstrong und Ullrich wohl nicht so hoch ausgefallen wären. Durch den Texaner konnte man auch endlich den finanzstarken US-Markt besetzen, wo Erfolge diverser Italiener, Franzosen oder Spanier herzlich wenige Leute (und damit herzlich wenige US-Unternehmen) interessieren. Tour-Boss Christian Prudhomme und sein Vorgänger Jean-Marie Leblanc profitierten davon, das Rennen boomte und sie festigten dadurch die Position „ihres“ Events in der Riege der ganz großen globalen Sport-Ereignisse.

PRO: Geld als perfektes Anti-Dopingmittel

Von Peter Rietzler

From Hero To Zero. Der Meister-Doper steht vor seiner Lebenslüge. Die Betrügereien von A(rmstrong) bis Z(abel) hängen den Fans beim Hals heraus.

Die Hauptschuld am Doping-Desaster trägt die Gier nach Macht und Moneten. Erfolgreiche Berufs-Sportler definieren sich auch über ihren Marktwert.

Das Mitleid mit Armstrong hält sich in Grenzen. Spendenkonto für die Rückzahlungen braucht niemand einzurichten. Der gestürzte Radstar ist 100 Millionen schwer und die Forderung nach der Rückerstattung von Preis- und Sponsoren-Geldern ist Teil des Geschäfts.

Es hat schon seinen Grund, warum Geldgeber bei ihrer Vertragsunterschrift einfordern, dass im Fall eines positiven Dopingtests der Kontrakt aufgelöst und Schadensersatzforderungen fällig werden.

Wenn's um (viel) Geld geht, hört sich jede Freundschaft auf. Um die Glaubwürdigkeit des Radsports für künftige Geldgeber zu gewährleisten, ist es unbedingt notwendig, die Profis über das Gehalt und diverse Prämien vom Doping abzuhalten. Geld ist in solchen Fällen oft das beste Druckmittel und es wäre ein verheerendes Zeichen für künftige Radprofis, sollte Lance Armstrong ungeschoren davonkommen.

Bernhard Kohl hat sich mit seiner Betrügerei einst einen hoch dotierten Vertrag bei Silence-Lotto erschlichen und stand nach der positiven Probe mit leeren Händen da. Etliche Profis, die als Helfer in einem Team mitradeln, greifen oft zu den unerlaubten Mitteln, um in der nächsten Saison wieder einen Vertrag zu erhalten.

Existenz-Ängste lassen Berufssportler immer wieder in die Dopingfalle tappen. Bei Armstrong war es der Drang nach Unsterblichkeit. Er benützte ein gesamtes Rennsport-Team und verbündete sich mit korrupten Funktionären, um sein schmutziges System durchzuziehen. Dabei ging es für den "Tourminator" immer nur um Ruhm und Macht. Ohne Rücksicht auf Verluste und mit der inneren Triebfeder, nicht verlieren zu können.

Wer hoch steigt, muss wissen, dass er tief fallen kann. Das Idol ist gestürzt, und um Nachahmer und Unverbesserliche zu warnen, ist es nur legitim, Lance Armstrong jeden Cent und Euro, den er sich auf betrügerische Weise erschlichen hat, aus der Tasche zu ziehen.

Wie ein Aushängeschild trug man den Rekord-Sieger medienwirksam vor sich her, nun benutzt man ihn nur noch als Fußabstreifer. Es wirkt fast so, als wolle jetzt jeder seine Finger in die Geldbörse des k.o. am Boden liegenden Ex-Stars stecken. „Aussackeln statt Schulterklopfen“, lautet die Devise. Der Tour-Boss will sein Preisgeld wieder, eine Versicherung fordert mehrere Millionen, die vor teilweise mehr als einem Jahrzehnt ausbezahlte Prämien seines Ex-Teams US Postal abdeckten, zurück.

Dass all jene Leute und Unternehmen, die nun ihr Geld zurückfordern, die Gefahren einer derartigen „Doping-Hochrisiko-Sportart“ nicht kannten, ist blauäugig und geradezu naiv. Es war ihnen schlichtweg egal und sie gingen dieses Risiko ein. Die finanziellen Konsequenzen aber soll Armstrong nun alleine tragen.

Ja, Lance Armstrong hat gedopt und damit sportlich betrogen. Bei all dem darf man aber nicht vergessen: Über seine Krebshilfe-Stiftung „Livestrong“ hat der ehemalige Krebspatient mit seinem verdienten Geld auch viel Gutes getan! Zumindest hat er mehr wohltätige Arbeit als UCI und ASO zusammen geleistet. Was mit den eingeforderten Rückzahlungen passieren soll, darüber ist nichts zu vernehmen. Sollen die Armstrong-Millionen am Ende gar auf die Konten verurteilter Doping-Sünder wie Ullrich oder Alexandre Vinokourov (sie würden Armstrong-Siege erben) fließen?

Die Sperre und auch die Aberkennung aller Titel (insofern die Siegerlisten tatsächlich weiß bleiben und nicht verbriefte Doper nachträglich Siege zugesprochen bekommen) gehen völlig in Ordnung. Die Existenz des Weltsportlers des Jahres 2003 finanziell völlig zu vernichten, geht allerdings zu weit. Lance Armstrong ist nämlich weder ein Teufel, noch der Antichrist des Radsports, sondern am Ende immer noch ein Mensch.

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