Lance Armstrong gibt im Kampf mit USADA auf

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Ex-Radprofi Lance Armstrong (40) verliert seine sieben Titel als Tour-de-France-Sieger.

Dies teilte die US-Anti-Doping-Behörde USADA in der Nacht auf Freitag in Washington mit.

Sie reagierte damit auf die Ankündigung des Ex-Radprofis, an dem gegen ihn angestrengten Dopingverfahren nicht teilnehmen zu wollen.

Es war Ende Juni eingeleitet worden, nachdem mehrere Ex-Kollegen Armstrong schwer belastet hatten.

Der Texaner bezeichnete das Vorgehen der US-Dopingbekämpfer als "abscheulich" und betonte, bei allen Dopingtests eine weiße Weste gehabt zu haben.

Die USADA wirft Armstrong vor, jahrelang gedopt und mit illegalen Substanzen gehandelt zu haben.

Armstrongs Entscheidung "herzzerreißend"

USADA-Chef Travis Tygart nannte die Entscheidung Armstrongs "herzzerreißend".

"Es ist ein trauriger Tag für all jene unter uns, die den Sport und unsere Sporthelden lieben." Armstrong sei ein Beispiel dafür, wie eine "Kultur des Siegens um jeden Preis" sich gegen "fairen, sicheren und ehrlichen Wettbewerb" durchgesetzt habe.

"Saubere Sportler" könnten aber in Zukunft auf faire Wettbewerbe ohne den Einsatz leistungssteigernder Substanzen hoffen, fügte der USADA-Chef hinzu. Eine USADA-Sprecherin bestätigte daraufhin, dass Armstrong alle Tour-Titel aberkannt werden und er lebenslang gesperrt werde.

Eine Aussage, die beim Blick in die jüngere Radsport-Geschichte widerlegt wird. Nach seinem Doping-Geständnis im Jahr 2007 hatte der Tour-Organisator ASO Bjarne Riis' Toursieg von 1996 aberkannt. Daraufhin intervenierte jedoch der Radsport-Weltverband (UCI) und machte die Verjährungsregel geltend. Riis, jetzt Teamchef von Saxo Bank, wird weiter als erster dänischer Tour-de-France-Sieger geführt.

Armstrong gibt Kampf auf

Die Sperre hat nicht nur symbolischen Charakter, ist Armstrong doch nach dem Ende seiner Radkarriere immer noch im Wettkampfsport aktiv, und zwar als Triathlet. Erst im Juni gewann er den Halb-Ironman auf Hawaii.

Armstrong hatte in den vergangenen Monaten verzweifelt darum gekämpft, den Prozess vor der US-Anti-Doping-Behörde abzuwenden.

Dafür gewann er auch die Unterstützung des Internationalen Radsportverbandes UCI, dessen Präsident Pat McQuaid den Dopingbekämpfern vorwarf, Armstrong "unbedingt rankriegen zu wollen".

Allerdings scheiterte Armstrong vor Gericht mit zwei Versuchen, das USADA-Verfahren zu unterbinden, zuletzt am Montag.

Am Donnerstagabend teilte er dann in einer auf seiner Internetseite mit, dass er seinen Widerstand gegen das Verfahren aufgebe.

"Im Leben eines jeden Menschen kommt der Punkt, an dem man sagen muss: 'Genug ist genug'. Ich schlage ein neues Kapitel auf."

Er wolle sich künftig verstärkt seiner Stiftung zum Kampf gegen Krebs widmen, sagte Armstrong, der seine größten Erfolge nach einer überstandenen Krebserkrankung feierte.

Weigerung gegen "unfaires" Verfahren

Er würde sich dem Verfahren der Anti-Doping-Behörde stellen, wenn es gerecht wäre, betonte Armstrong in seiner Erklärung.

"Aber ich weigere mich, an einem Verfahren teilzunehmen, das so einseitig und unfair ist." Es gebe nämlich "keinerlei physische Beweise" für die Dopingvorwürfe.

"Die einzigen physischen Beweise sind die Hunderten Kontrollen, die ich mit Bravour bestanden habe. Ich stand rund um die Uhr und rund um die Welt zur Verfügung. Bei Wettkämpfen, außerhalb von Wettkämpfen. Mit Blut und Urin. Wofür immer man mich ersuchte, stellte ich zur Verfügung. Worin ist der Sinn des Testens, wenn die USADA sich in letzter Konsequenz nicht daran hält?"

"Niemand kann das jemals ändern"

Im Bewusstsein der ihn erwartenden Strafe unterstrich Armstrong, dass die USADA ihm seine sieben Tour-de-France-Titel nicht wegnehmen könne.

"Ich weiß, wer diese sieben Tour-Titel gewonnen hat, meine Teamkollegen wissen es, und alle, gegen die ich angetreten bin, wissen es."

Die Tour sei "der härteste Bewerb der Welt, den nur der stärkste Mann gewinnt. Niemand kann das jemals ändern. Schon gar nicht (USADA-Chef) Travis Tygart."

Siebenfacher Champion am Abgrund

Armstrong hatte die Tour de France in den Jahren 1999 bis 2005 gewonnen. Nach seinem Comeback wurde er im Jahr 2009 noch einmal Dritter bei dem härtesten Radrennen der Welt.

Bald jedoch wurden die Dopinganschuldigungen gegen ihn immer lauter, im Februar 2011 erklärte er seinen zweiten Rücktritt.

Aufgrund von Aussagen von Radprofis erhob die USADA Ende Juni 2012 eine Dopinganklage gegen Armstrong.

Neben Armstrongs früheren Tour-Helfern Floyd Landis und Tyler Hamilton sollen auch vier aktuelle Radprofis gegen den Ex-Star ausgesagt haben.

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