Ein großer Tag für Österreich

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Die Radsportwelt zu Gast in Osttirol

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Im malerischen, von Bergen umrahmten Lienz war Anfang dieser Woche einiges los.

Fremde Menschen mit Laptops, Kameras oder Fahrrädern eilten über den Hauptplatz und gingen in den Hotels ein und aus. Riesige Busse standen auf den kleinen Parkplätzen der Stadt.

Der Giro del Trentino gastierte in Osttirol - sehr zur Freude von Franz Theurl, dem Obmann des hiesigen Tourismusverbandes.

Nabelschnur

„Alles, was derzeit im Radsport Rang und Namen hat, ist nach Lienz gekommen", freute sich der Tourismusverantwortliche über die Anwesenheit von Stars wie Bradley Wiggins, Cadel Evans, Vincenzo Nibali und Ivan Basso.

Seit zwanzig Jahren engagiert sich die Region im internationalen Velo-Zirkus, schon acht Mal war die Trentino-Rundfahrt zu Gast in Osttirol und fünf Mal gab es rund um Lienz Begegnungen mit dem Giro d'Italia.

„Viele internationale Stars waren bei uns, wie Miguel Indurain, Marco Pantani, Jan Ullrich, Alberto Contador, Vincenzo Nibali und auch Lance Armstrong“, zählte Theurl nicht ohne Stolz auf. „Wir bilden damit die Nabelschnur zum internationalen Profisport in Österreich.“

Großer Tag für Österreich

„Es ist ein fantastisches Spektakel, das wichtig für die ganze Region ist. Ich bin sehr zufrieden, dass so viele Stars hergekommen sind. Es ist ein großer Moment für uns und wir sind stolz, die ersten Etappen ausrichten zu dürfen. Ein großer Tag des Sports in Österreich.“

Die Region machte mit dem Giro del Trentino, der in Italien live übertragen wird, gleichzeitig Werbung für den Radtourismus, denn Lienz gilt als Drehscheibe vieler Radwanderwege.

Das nächste große Highlight der Region lässt nicht lange auf sich warten: Im Juni findet für circa 2.000 Hobbyradler die 26. Dolomiten-Rundfahrt statt.

Radtourismus wird wichtiger

Da der Radtourismus starke Zuwachsraten aufweist, gewinnt er immer mehr an Bedeutung für Osttirol.

"Wir haben viele Investitionen getätigt, unsere Täler sind touristisch erschlossen und jetzt liegt es an uns, mehr Freizeitradler nach Osttirol zu holen", so Theurl, der am Montag die Auszeichnung "Ciclismo, Vita Mia" ("Ein Lebenswerk für den Radsport") überreicht bekam.

 

Große Ehre

"Wir vergeben diese Auszeichnung - die begehrteste dieser Art in Italien - seit 1988 an Persönlichkeiten, die ihr Leben dem Radsport verschrieben haben. Mich freut es besonders, dass wir Franz heuer auszeichnen durften. Er ist der erste Österreicher, der die Trophäe erhalten hat und reiht sich in eine Liste zahlreicher Prominenter, wie Francesco Moser, Gino Bartali oder Felice Gimondi, ein", gratulierte der Präsident des Giro del Trentino, Giacomo Santini.

Auch der österreichische Sky-Fahrer Bernhard Eisel und die ehemaligen Profis Gilberto Simoni und Peter Wrolich weilten vor Ort und beglückwünschten den 57-Jährigen.

Kaum Zuschauer

Das Wetter in Lienz zeigte sich von seiner schönsten Seite, der Radsport brachte seine größten Stars und dennoch erschienen nur wenige Zuschauer zu den ersten beiden Halbetappen am Montag.

Einerseits lag dies wohl daran, dass es sich um einen Wochentag handelte, andererseits aber auch an der nicht vorhandenen Lobby des Radsports in Österreich.

Dies ist in Italien ganz anders, nicht zuletzt deshalb mögen die Pedalritter den Giro del Trentino so gerne.

Italien sehr beliebt

Der Franzose Pierre Roland erklärte beispielsweise gegenüber LAOLA1: "Es ist einfach ein sehr schöner Kurs, einer der schönsten des Jahres."

Und auch Etappensieger Maxime Bouet, der am Mittwoch das Führungstrikot zurückerobern konnte, bestätigte: „Der Giro del Trentino ist ein sehr schönes Rennen. Dass ich das Maglia Rosa trage, ist unglaublich.“

Großer Beliebtheit erfreut sich die Rundfahrt auch beim Sieger von 2008 - Vincenzo Nibali. Der Dritte der letztjährigen Tour de France will auch heuer um den Sieg mitfahren: „Ich habe ein gutes Gefühl. Da ich schon einmal gewonnen habe, weiß ich, wie hart und toll die Rundfahrt ist. Es war ein Knackpunkt in meiner Karriere und hat mir geholfen, Vertrauen in meine Fähigkeiten zu finden."

 

Ein großer Konkurrent des Italieners, Toursieger Cadel Evans, schien seine Zeit beim Giro del Trentino sichtlich zu genießen. In Lienz lächelte Evans viel und alberte gerne herum.

Der Australier ging das Rennen ganz locker an. „Ich bin noch in keiner guten Form, deshalb trete ich hier eher als Außenseiter an. Das passt mir ganz gut zur Zeit, da ich mich auf meine eigene Entwicklung und den Giro d'Italia fokussieren kann.“

Nichts ist unmöglich

Auch er outet sich als Italien-Fan: „Ich kenne italienische Rennen. 2002 bin ich meine erste große Rundfahrt in Italien gefahren, dazu habe ich lange in Italien trainiert".

Aus diesem Grund verspricht der 36-Jährige, die Italien-Rundfahrt nicht nur zu Trainingszwecken zu nutzen: „Ich werde mein Bestes geben und versuchen, den Giro zu gewinnen. Es ist ein sehr wichtiges Rennen für mich."

Auf LAOLA1-Nachfrage, ob es heutzutage noch möglich sei, zwei große Rundfahrten in einem Jahr zu gewinnen, antwortete Evans bedacht: "Ich würde nicht sagen, dass es unmöglich ist. Auch wenn in diesem Jahr das Timing schwierig ist, da die Tour ein wenig früher beginnt als sonst.“

Es kehrt wieder Ruhe ein

Am Mittwochmorgen verschwanden die Busse, Stars und Journalisten beinahe so schnell, wie sie gekommen waren.

Der Giro führte von Sillian wieder nach Italien in die Berge.

Und die verwinkelte Altstadt von Lienz lag wieder ruhig und schläfrig in der Sonne wie zuvor.

 

Aus Lienz berichtet Henriette Werner

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