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Jetzt geht es Ferguson und Lederer an den Kragen

Im Zuge des Full-Tilt-Poker-Skandals geht es nun auch echten Größen der Szene an den Kragen.

Die US-Staatsanwaltschaft hat in der vorletzten September-Woche unter anderem gegen die bekannten Poker-Profis Howard Lederer und Chris Ferguson eine Anklage erhoben.

Der Vorwurf: In ihren Aufsichtsrats-Funktionen im Full-Tilt-Konzern sollen sie sich und anderen Teilhabern die unglaubliche Summe von 443.860.529 US-Dollar zugeschanzt haben.

Konkret wird Ferguson die Veruntreuung von satten 112 Millionen, Lederer jene von 42 vorgeworfen. Zum Teil soll das Geld auf Konten in der Schweiz gelandet sein.

Die eigenen Spieler abgezockt

Woher diese unglaubliche Summe kam? Von den Spielern auf Full Tilt, die anscheinend jahrelang mit "Phantomgeld" spielen mussten.

"Full Tilt betrog seine eigenen Spieler um mehrere hundert Millionen Dollar", verlautbarte der Staatsanwalt Preet Bharara am Dienstag. "Full-Tilt-Insider füllten ihre Taschen mit Geldern ihrer treuesten Kunden und belogen dabei ihre Spieler und die Öffentlichkeit, was die Sicherheit der bei Full Tilt eingezahlten Beträge betrifft."

Als Full Tilt Poker in den USA im Zuge des "Black Friday" geschlossen wurde, stellten die Behörden etwa fest, dass von den rund 150 Millionen Dollar, die  alle US-Spieler zusammengenommen in ihren Accounts hatten, nur 60 Millionen tatsächlich durch Gelder auf Full-Tilt-Konten gedeckt waren.

Weltweit sollen 390 Millionen US-Dollar in den zigtausenden Spieler-Accounts deponiert gewesen sein. Wieviel davon auf den Full-Tilt-Konten noch übrig ist, ist noch unklar. Kein Wunder also, dass die Spieler seit Monaten auf die Auszahlung ihrer Poker-Guthaben warten.

Hansen hat von nichts gewusst

Inzwischen meldeten sich auch einige der (ehemals) von Full Tilt gesponserten Profis zu Wort. Gus Hansen etwa ließ durch seinen Manager Erik Balck Sørensen ausrichten: "Bis zum Black Friday war Gustav davon überzeugt, Teil eines gut geölten und funktionierenden Unternehmens zu sein, das einen professionellen Aufsichtsrat besaß, der Spielerkonten und Geschäftskonten deutlich voneinander abgrenzte"

"Wir wollen nicht über mögliche Szenarien spekulieren, aber falls die Vorwürfe des US-Department of Justice wahr sind, dann sieht die Realität deutlich anders aus, als das was man uns intern gesagt hatte", so der Däne weiter.

Die Rolle von Dwan und Ivey

Tom "durrrr" Dwan nahm in einem Post im bekannten "TwoPlusTwo"-Forum Stellung und sprach davon, dass ihm erste Ungereimtheiten bereits im April aufgefallen waren, als Geschäftspartner vom ihm bei Full Tilt einsteigen wollten und im Zuge dessen Einblick in die internen Finanzen bekamen.

Dwan beteuerte aber, dass er zum damaligen Zeitpunkt den Versprechungen des Aufsichtsrats, die Gelder an die Spieler zurück zu zahlen, glaubte und im Rahmen der Einstiegs-Verhandlungen sogar eine Vertraulichkeitserklärung unterzeichnen musste. Er versicherte einmal mehr, dass er - obwohl er zu keinem Zeitpunkt Teilhaber bei Full Tilt war - sich mit einer Million seines Privatvermögens an der Rückzahlung der Spieler-Guthaben beteiligen werde.

Indes gibt es in diversen US-Medien bereits Spekulationen, dass Phil Ivey womöglich Auslöser der Aktionen gegen Full Tilt sein könnte. Der US-Star, der sich seit dem "Black Friday" aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hat, soll demnach als Spitzel fungiert haben und den Behörden die entscheidenden Hinweise gegeben haben.

Michael Höller

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