Bilanz der OeSV-Olympia-Flotte

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Herr Fundak, ist Österreichs Flotte auf Kurs gesegelt?

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Nach Olympia ist vor Olympia. Der Segelsport steht vor neuen Herausforderungen. Bei den Sommerspielen 2016 in Rio de Janeiro wird ein völlig neues Format der Wettfahrten zum Tragen kommen.

Ran ans (TV)-Publikum

Segeln soll zukünftig TV-tauglicher werden und das Publikum wird die Regatten hautnah verfolgen können. Das heißt, dass die einzelnen Wettfahrten kürzer und kompakter werden und die Segler nahe am Festland ihr Spiel mit dem (Leicht)Wind treiben. Fix ist noch nichts, aber noch im Herbst wird eine Entscheidung über das neue Regatta-Format fallen.

Wie geht es beim OeSV weiter?

Auch im österreichischen Segelverband wird man sich in den nächsten Wochen zusammensetzen und die Olympia-Ergebnisse aufarbeiten. Nach zwei Mal Gold in Sydney 2000, Gold und Silber in Athen 2004 bleibt die OeSV-Flotte nach Peking 2008 auch 2012 vor Weymouth ohne Edelmetall.

Immerhin können die Segler von sich behaupten, mit dem 49er-Duo Delle Karth/Resch am knappsten an Edelmetall vorbeigeschrammt zu sein.

Leider wieder Medaille verpasst

"Was bei Olympia zählt, das sind einzig die Medaillen. Es ist schade, dass wir keine geholt haben. Mit zwei Booten ins Medal Race einzuziehen, ist aber eine Bilanz, die unseren Erwartungen entspricht", erklärt Sportdirektor Georg Fundak.

Der 55-jährige ehemalige Spitzensegler aus Ungarn verantwortet bereits zum achten Mal das Abschneiden der OeSV-Flotte bei Olympia. Für LAOLA1 zieht Georg Fundak Bilanz über das Abschneiden und Auftreten der fünf Boote, die an der englischen Südküste vor Weymouth unter rot-weiß-roter Flagge gesegelt sind.

Georg Fundak über …

... Blech-Pech bei Olympischen Spielen:

1996 in Atlanta haben Andreas Hagara und Florian Schneeberger im Tornado die letzte Wettfahrt gewonnen und das brasilianische Boot ist knapp vor dem Ziel noch nach vorne gefahren und hat die Österreicher auf Rang vier verdrängt.

1988 in Seoul ist das Tornado-Duo Norbert Petschel/Christian Claus in der letzten Wettfahrt auf Rang drei gesegelt, aber auch da haben die Brasilianer mit einem tollen Finish den Medaillentraum noch in den letzten Minuten platzen lassen.

... Nico Delle Karth und Niko Resch (49er/4. Platz):

Sie haben in der letzten Wettfahrt alles gemacht, was man machen kann. Sie haben einen super Job erledigt, waren aber leider von der Konkurrenz abhängig. Was für mich positiv ist, die Nickos hatten vor dem Medal Race Druck und wussten, dass sie siegen mussten, um noch eine Medaille zu holen und sie haben zum Abschluss dieses Ziel erreicht. Sie haben am Schlusstag jene Leistung erbracht, die wir von ihnen erwartet haben. Sie haben allen gezeigt, dass sie es tatsächlich draufhaben. Ich bin überzeugt, hätten sie in den letzten zwei Jahren so arbeiten können, wie sie das in den letzten sechs Wochen getan haben, dann würden wir jetzt sicher über erfreulichere Dinge sprechen. Damit meine ich, dass sie zuletzt völlig ungestört arbeiten konnten, während die besonderen Umstände in den neun Monaten davor (Bänderverletzung im Knie von Delle Karth, sowie der tödliche Unfall von Bruder Jörg Delle Karth, einer starken Bezugsperson beider Segler, Anm.) unter anderem zu einer Trainings-Pause von über neun Wochen geführt haben. Sie haben diesbezüglich auch mental viel zu verarbeiten gehabt.

… Matthias Schmid/Florian Reichstädter (470er/9. Platz):

Ich habe im Vorfeld der Spiele gesagt, dass wir in drei Bootsklassen Chancen auf das Medal Race besitzen. Bei Andreas Geritzer (Laser) ist leider nach dem ersten Drittel der Wettfahrten seine Leistung eingebrochen, das muss man akzeptieren. Mein Geheimtipp ist dafür aufgegangen. Ich habe vor dem Start dem 470er-Duo Reichstädter/Schmid sehr viel zugetraut und sie haben meine Erwartungen bestätigt. Sie haben zwar den Kampf um eine Medaille verloren, aber sich in den Top 10 behauptet. Sie haben sich sehr gut entwickelt und ein tolles Resultat eingefahren.

... Lara Vadlau/Eva Maria Schimak (470er/20. Platz):

Vadlau und Schimak sind sehr differenziert zu betrachten. Vadlau hatte zuletzt sehr mit ihrer Gesundheit zu kämpfen (sie litt im Vorfeld der Spiele an einer Speiserohrentzündung, Anm.) und sie ist sicher nicht hundertprozentig fit an den Start gegangen. Ihr Immunsystem ist noch immer nicht voll auf der Höhe. Die Situation war für sie nicht einfach. Dazu kommt, dass sie 2010 noch Jugend-Olympiasiegerin war und den nächsten Schritt in die Olympia-Elite erst verkraften musste. Das sind einfach zwei Paar Schuhe und diese Hürde ist in vieler Hinsicht schwierig. Das ist eine sehr starke nervliche Belastung und ein richtiger Sprung ins kalte Wasser. Jetzt stellt sich die Frage, wie die beiden ihre ersten echten Sommerspiele aufnehmen und ihre Lehren daraus ziehen. Die Bedingungen in Rio, wo viel Leichtwind erwartet wird, könnten ihnen entgegen kommen, aber da muss man abwarten, was in den nächsten Monaten noch passiert. Die vier Jahre bis zu den nächsten Spielen sind jedenfalls eine lange und intensive Zeit. Die beiden jungen Damen haben ein sehr intensives Jahr hinter sich. Wir werden uns zusammensetzen und sehen, wie es weitergeht.

… Florian Raudaschl (Finn/23. Platz):

Er ist unser bester Amateur. Das muss man ganz deutlich so sagen. Das ist gut, und es freut mich für ihn, dass er wirklich aufzeigen konnte. Er hat bewiesen, dass sich auch ein sehr guter Amateur für die Spiele qualifizieren kann. Er ist ein absoluter Leistungssportler, ein sehr guter Segler, aber wenn er weiter auf diesem Level mitmischen will, dann muss er künftig ganz klar Prioritäten setzen.

… Andreas Geritzer (Laser/20. Platz):

Ich glaube, dass bezüglich seines Karriere-Endes das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Okay, er hat schon verkündet, dass er nach Olympia aufhören will. Wie er das macht, und was er in Zukunft vor hat, darüber führen wir gerade Gespräche. Ich möchte ihn in jedem Fall im Spitzen-Segelsport behalten. Da gibt es aber mehrere Möglichkeiten, die wir in den nächsten Wochen ausloten wollen.

 

Peter Rietzler/Weymouth

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