Elisabeth Osl: "Rechne nicht mit einer Medaille"

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Mit einer Medaille rechnet sie nicht.

Mountainbikerin Elisabeth Osl geht mit defensiv gesteckten Zielen in ihre zweiten Olympischen Spiele.

Dabei stimmt die Formkurve der Gesamtweltcupsiegerin von 2009.

Die 26-jährige Tirolerin sprach vor ihrem Olympia-Rennen am Samstag in Hadleigh Farm über externe Erwartungshaltung, Überwindung und mögliche Retterinnen der Sportnation.

Frage: Sie haben diese Woche bereits auf dem Olympia-Kurs trainiert.
Wie ist der erste Eindruck?

Elisabeth Osl: "Relativ gut. Es gibt schon Stellen, an denen ich mich überwinden muss. Es sind viele Steine drinnen, aber vom ersten  Gefühl her bin ich sehr zufrieden. Ich komme besser mit der Strecke  zurecht, als ich mir das erwartet habe."

Frage: Mit Rang sieben in Val d'Isere haben Sie pünktlich vor Olympia Ihr bestes Weltcup-Ergebnis geholt. Stimmt die Form?

Osl: "Dieses Ergebnis hat mir gut getan. Val d'Isere hat mir neues Selbstvertrauen gegeben. Ich habe mich danach auch sehr schnell erholt. Trotz der Höhenlage und obwohl es ein hartes Rennen war, ist es mir schnell wieder gut gegangen. Das ist ein gutes Zeichen, dass der Aufbau gestimmt hat."

Frage: Welche Erwartungen haben Sie zu den Spielen mitgenommen?

Osl: "Das ist schwierig, weil die gesamte Weltspitze auf Olympia hinarbeitet. Alle bereiten sich auf dieses eine Rennen vor. Mein persönliches Ziel ist es, den elften Platz von Peking zu verbessern. Das kann schwierig genug sein."

Frage: An eine ehemalige Gesamtweltcupsiegerin werden trotzdem immer Erwartungen gestellt werden.

Osl: "Die Erwartungshaltung ist von außen höher. Ich möchte auch die Favoritenstellung haben, weil ich dann öfter ganz vorne dabei gewesen wäre. Aber die Weltspitze ist immer näher zusammengerückt. Für die  Medaillen kommen mindestens acht Leute infrage."

Frage: Zählen Sie sich dazu?

Osl: "Damit würde ich mir nichts Gutes tun. Ich rechne nicht mit einer  Medaille. Das wäre auch zu viel Druck."

Frage: Welche Erfahrungen, die Sie 2008 in Peking gemacht haben, können Ihnen im zweiten Anlauf helfen?

Osl: "Das waren meine ersten Spiele, die Eindrücke waren gewaltig. Da lässt man sich als Junger leicht ablenken. Wir haben im olympischen Dorf gewohnt, jetzt sind wir weit außerhalb. Hier ist es etwas ruhiger,  das tut gut. Ich bin jemand, der aus der Ruhe sehr viel Kraft schöpfen kann."

Frage: Wenn Sie die bisherige Saison Revue passieren lassen, was fällt Ihnen ein?

Osl: "Es war ein großes Auf und Ab. Ich bin teilweise gute Rennen gefahren, mit den wichtigen im Weltcup war ich aber nicht so zufrieden. Da habe ich meine Leistung nicht so umsetzen können, wie ich mir das  vorgestellt habe. Dafür habe ich auch keine Erklärung."

Frage: 2009 haben Sie den Weltcup noch dominiert. Haben Sie das Gefühl, noch einmal so stark werden zu können?

Osl: "Das ist ein großes Ziel. Es müsste möglich sein. Ich arbeite hart daran, es gibt aber keinen Zeitpunkt, den ich mir dafür gesetzt habe. Es muss auch kein Gesamtweltcup mehr sein. Auch bei einem Großereignis einmal eine Medaille zu holen, wäre ein super Sache."

Frage: Bei Olympia in London hat Österreich noch keine einzige  geholt. Mit einem Medaillengewinn könnte man zur Retterin der Nation avancieren. Macht das auch Druck?

Osl: "Als Retterin sehe ich mich nicht. Zum Glück werde ich auch nicht  als echte Medaillenkandidatin gehandelt. Mit den Flachwasser-Mädels  möchte ich im Moment nicht unbedingt tauschen. Als Sportler hat man  aber auch mehr Verständnis dafür, dass Medaillen ausbleiben können. Man weiß, wie viele Dinge zusammenspielen müssen, damit man eine  gewinnt."

Frage: Mountainbike erfreut sich in Österreich vor allem im  Hobbybereich immer größerer Beliebtheit. Wie wichtig sind die Olympischen Spiele für den Zuspruch?

Osl: "Eine olympische Sportart hat automatisch einen höheren Stellenwert. Es ist eine Chance, dass auch einmal andere Sportarten im Fernsehen zu sehen sind und sich die Leute interessieren. Wenn  sie die Olympia-Strecke so rüberbringen, wie sie ist, dann wird das  sehr spektakulär. Jeder Meter ist Power, das wird interessant."

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